Corona in Hagen

Viel Unmut über die Gastro-Sperrstunde in Hagen

Ein halb geleertes Bier in einer Bar auf dem Tresen. Wegen der Corona-Pandemie gilt jetzt auch in Hagen eine nächtliche Sperrstunde.

Ein halb geleertes Bier in einer Bar auf dem Tresen. Wegen der Corona-Pandemie gilt jetzt auch in Hagen eine nächtliche Sperrstunde.

Foto: Annette Riedl / dpa

Hagen.  Hagener Gastronomen blicken besorgt und verärgert auf die Corona-Entwicklungen und die neue Sperrstunde.

Die Hagener Gastronomie blickt mit Sorge auf die neuen Corona-Entwicklungen. Noch ist es nicht offiziell, aber alles sieht danach aus, als ob die Sperrstunde bald bereits ab 23 Uhr – bislang beginnt sie nach Verfügung der Stadt um 1 Uhr – auch hier im Stadtgebiet gelten wird.

Auf diese Regelung für Risikogebiete hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten bei einem Treffen am Mittwoch verständigt. Gerade für Kneipen-, Bar- und Clubbesitzer ist die Nachricht wie ein Schlag ins Gesicht. Sie befürchten erneut hohe Umsatzeinbußen – und haben sich bereits zu einem Krisen-Gespräch mit Vertretern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Hagen getroffen.

Das Capitol

Mike Henning, Betreiber der Großdisco Capital auf dem Elbersgelände, entscheidet am heutigen Freitag, ob er seinen Club, der eigentlich freitags und samstags von 23 bis 4 Uhr geöffnet hat, am Samstag überhaupt noch für Gäste öffnet.

„Eine erlaubte Öffnungszeit bis 23 Uhr – das ist ja wie ein Kindergeburtstag. Die meisten Gäste kommen doch erst nach Mitternacht zu uns“, so Mike Henning verärgert. Für die Party „Feier dich reich“ am Samstag hätten die meisten Gäste, die im Vorfeld reserviert hatten, bereits abgesagt.

„Ich habe derzeit gerade mal noch zwölf Tische mit jeweils wenigen Gästen vergeben. Für vielleicht 50 Leute den Club zu öffnen, lohnt sich aber einfach nicht.“

Am vergangenen Wochenende feierten noch 120 Gäste im Capitol, „das war wenigstens halbwegs kostendeckend“.

Mike Henning geht davon aus, dass, wenn die Reglementierungen für die Gastronomie so streng wie im Moment bleiben oder noch verschärft werden, er bis September 2021 seine Großdisco schließt.

Das Crocodile

„Wir blicken gespannt auf die Entwicklungen, aber auch verärgert“, sagt Magnus Peters, Inhaber der Gaststätte Crocodile.

„Wir ärgern uns vor allem über das ständige Hin und Her. Wir haben keine Planungssicherheit, weil sich die Regeln ständig ändern. Die Bemühungen der Gastrobetriebe, die aufwendige Hygienekonzepte ausgearbeitet haben, werden überhaupt nicht wertgeschätzt. Während die Leute zu Hause wilde Partys feiern dürfen, müssten wir um 23 Uhr dicht machen. Wir sind Teil der Lösung und nicht des Problems“, sagt der Gastronom.

Für einen Betrieb, der sein Geld hauptsächlich in den Abendstunden verdient, würden die Verschärfungen hohe Umsatzeinbußen bedeuten.

„Alles, was man in den letzten Wochen an Einnahmen aufholen konnte, wäre wieder weg.“ Für das Crocodile hatte Peters bereits ein Konzept für die 1-Uhr-Sperrstunde ausgearbeitet.

Jetzt muss vermutlich nachjustiert werden. „Um 23 Uhr müssten alle aus dem Laden sein.“ Der Gastronom will den abendlichen Ausfall über neue Angebote kompensieren. „Wir denken über eine kleine Speisekarte nach oder Snacks zum mitnehmen“, sagt Peters.

Der Kiosk „Skorpion“

Die neue Verordnung trifft auch Kioske oder Getränkemärkte im Stadtgebiet hart – sie dürfen in der Zeit von 1 bis 6 Uhr keinen Alkohol verkaufen. Auch dort könnte bald die 23-Uhr-Regel greifen.

„Wir haben gerade angefangen, uns von der Corona-Schließung zu erholen. Seit die Infektionszahlen in Hagen wieder steigen, sinkt unser Umsatz drastisch, jetzt kommt auch noch erschwerend die Sperrstunde hinzu. Das macht kleine Betriebe wie uns kaputt“, sagt Kiosk-Betreiberin Sevgi Baruc niedergeschlagen.

Sie ärgert sich vor allem über schwarze Schafe in der Branche, „unter den Folgen leiden dann alle.“ Auch der Kiosk macht gerade abends an Wochenenden seinen Umsatz über Getränkeverkauf. „Für mich ist die Sperrstunde wenig sinnvoll. Die Leute feiern ihre Partys dann eben zu Hause.“

Sie will zunächst einmal ausprobieren, ob sich der Kiosk-Betrieb in der Nacht ohne den Alkohol-Verkauf noch lohnt. „Aber es ist jetzt schon kaum noch Kundenverkehr hier. Wir müssen eine hohe Miete zahlen, Stromkosten, Löhne. Wenn sich das nicht lohnt, müssen wir für die Zeit ab 23 Uhr zu machen.“

Die Why Not Wine Bar

Auch in der Why Not Wine Bar in der Mittelstraße ist die Stimmung durchwachsen, Betreiber Matteo Erroi blickt aber durchaus positiv auf die kommenden Wochen.

„Wir können es nicht ändern und müssen das Beste draus machen. Ärgerlich ist es auf jeden Fall.“ Zumal man jetzt nicht wisse, wie man mit Reservierungen umgehen soll.

„Was sage ich Leuten, die in ein paar Wochen einen Tisch gebucht haben, wenn wir selbst noch nicht wissen, was dann für Regeln gelten?“, fragt sich Matteo Erroi und zuckt mit den Schultern. Trotz der schwierigen Situation – nur sechs Wochen nach Eröffnung musste der Hagener die neue Bar wegen Corona für drei Monate schließen – sei der Sommer überraschend gut verlaufen.

„Wir müssen jetzt kreativ werden. Statt erst spätnachmittags zu öffnen, überlegen wir jetzt, uns auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren und hier auch Kaffee, Kuchen und Mittagssnacks anzubieten“, sagt Erroi. Wird das Angebot gut angenommen, könnte sich der Wine-Bar-Inhaber auch vorstellen, die erweiterten Öffnungszeiten nach Corona beizubehalten.

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