Podiumsgespräch

Vier Oberbürgermeister blicken auf Hagener Perspektiven

Rotary-Präsident Hans Adolf Burbach (links) und sein Moderationspartner Michael König (rechts) zeigten sich durchaus erleichtert, dass Wilfried Horn, Peter Demnitz, Erik O. Schulz sowie Jörg Dehm (von links) gemeinsam den Weg ins Arcadeon zum Stadtentwicklungsaustausch gefunden hatten. Foto:Alex Talash

Rotary-Präsident Hans Adolf Burbach (links) und sein Moderationspartner Michael König (rechts) zeigten sich durchaus erleichtert, dass Wilfried Horn, Peter Demnitz, Erik O. Schulz sowie Jörg Dehm (von links) gemeinsam den Weg ins Arcadeon zum Stadtentwicklungsaustausch gefunden hatten. Foto:Alex Talash

Halden.   Auf Einladung des Rotary-Clubs Hagen trafen die Oberbürgermeister Horn, Demnitz, Dehm sowie Amtsinhaber Schulz zu einer Talkrunde zusammen.

Hagen ist allemal besser als sein Ruf: Diese ermutigende Erkenntnis nahmen die gut 150 Zuhörer mit, die am Montagabend im Arcadeon einer Podiumsdiskussion lauschten, zu der auf Einladung der Hagener Rotary-Clubs die Alt-Oberbürgermeister Wilfried Horn, Peter Demnitz und Jörg Dehm sowie Amtsinhaber Erik O. Schulz zusammengefunden hatten, um sich perspektivisch über die Stadtentwicklung auszutauschen.

Ein Talk-Experiment abseits des überstrapazierten Schwarz-Weiß-Denkens und moderiert von Club-Präsident Hans Adolf Burbach sowie Michael König, die ihre Rolle alternierend auch schon einmal als Lobbyisten oder Kommentatoren interpretierten.

Was der eigentlichen Botschaft des launigen Plauderabends im gediegenen Schimmer zweier Designer-Stehlampen keinen Abbruch tat: Hagen zählt zwar objektiv zu den lautesten, dreckigsten, ärmsten und fahrradunfreundlichsten Kommunen in Deutschland, kann aber ebenso positiv mit der Qualität des Einkaufsstandortes, der waldreichen Natur oder auch dem facettenreichen Kulturangebot punkten. Attribute, deren Entstehen und Bewahren die vier Verwaltungschefs in der vergangenen 18 Jahren jeweils mitgeprägt haben.

Auf den Spuren des Kaisers

„Ich habe den Job gerne gemacht“, erinnerte sich Horn an seine Ära zurück, in der er stets versucht habe, andere inhaltlich mitzunehmen. Als erster CDU-OB im Hagener Rathaus nach dem Krieg – nach der Wahl fragte ihn angesichts des Jubels sein Enkel: „Wirst Du jetzt Kaiser?“ – habe er durch Menschlichkeit, Redlichkeit und Verlässlichkeit versucht, die Stadt zu führen. Charakterzüge, die bis heute Horns Auftreten bestimmen und die es an dem Abend dem Auditorium leicht machten, darüber hinwegzusehen, dass seine sympathische Emotionalität häufig über konkrete Fragestellungen siegte.

Von einer „nicht leichten Zeit“ und „einer bereichernden Lebenserfahrung“ erzählte derweil vieldeutig sein Nachfolger Peter Demnitz, der sich nach ausgedehnter Parteikarriere inzwischen längst von der SPD abgenabelt hat. Er ließ dabei keinen Zweifel, dass die Derivate-Entscheidung („Da sind wir von der Deutschen Bank über den Tisch gezogen worden“) sowie die massiven, verletzenden Anfeindungen aus Reihen selbsternannter Kulturbewegter rund um den Bau des Kunstquartiers bis heute an ihm nagen.

Wertschätzung für die eigene Stadt

Jörg Dehm sieht sich derweil in der „aktiven Phase des Verklärens: Das ist ein wunderbares Amt mit Gestaltungsmöglichkeiten“, erinnerte er sich – trotz des drohenden finanziellen Kollapses – an viele positive Begegnungen zurück.

Gleichzeitig schrieb er den Hagenern mit dem Blick von Außen ins Stammbuch, ihre Stadt mehr wertzuschätzen. „Hagen hat mit langem Atem viele Dinge richtig gemacht“, betonte Dehm, dass die öffentlichen Investitionen in die Neue Mitte Hagen tatsächlich reichlich private Folgeinvestitionen ausgelöst hätten, auf die die Bürger stolz sein könnten.

Nach diesem eher menschelnden Einstieg verwandelte sich der gut zweistündige Talk eher in eine klassische Abfragerunde im Stil eines Wahlkampf-Kandidatenchecks. Mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass die Protagonisten auf Seitenhiebe untereinander weitgehend verzichteten. Lediglich Demnitz verstiegt sich beim Thema „Klinikausbau im Deerth“ zu der These, dass der Vorschlag der Schulz-Verwaltung, zugunsten des Projektes auf 0,02 Prozent des Hagener Waldes verzichten zu können, damit gleichzusetzen sei, als würde man dem aktuellen OB Teile seines Augenlichtes abverlangen.

Verbales Foul weggelächelt

Ein verbales Foul, das der Amtsinhaber nicht bloß souverän weglächelte, sondern angesichts der sich zunehmend entwickelnden und weitgehend kritikbefreiten One-Man-Show locker verkraften konnte. Mit geschicktem Instinkt für die Mikrofon-Hoheit konnte Schulz im Stil eines Wahlkämpfers seine Visionen für die Zukunftsfähigkeit der Stadt in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Bildung, Städtebau, Zuwanderungsproblematik, Innovationsförderung oder auch Familienfreundlichkeit ausrollen, ohne Kritik seiner Mitdiskutanten befürchten zu müssen.

Bittere Theater-Wahrheiten

Lediglich beim Thema Theater-Erhalt, das dem moderierenden Fördervereinsvorstandsmitglied König naturgemäß unter den Nägeln brannte, blieb das Finanzierungsbekenntnis des amtierenden OB nicht unwidersprochen: „25 Millionen Euro für die Kultur hat Hagen auf Dauer nicht“, warnte sein Vorgänger Dehm und erinnerte daran, dass Hagen aktuell von boomender Wirtschaft, hohen Einnahmen und niedrigen Zinsen profitiere.

Hier drohe mittelfristig eine erneute Entzauberung der Hagener Theaterfreunde in der viel zu engen und ineffizienten NRW-Theaterlandschaft. „Der private Anteil der Finanzierung muss auf eine relevante Größenordnung steigen“, plädierte Dehm für deutlich steigende Ticketpreise und erntete für diese kühne These sogar breiten Applaus. Das könnte die Basis dafür liefern, dass die Kulturinstitutionen sich nicht eines Tages genötigt fühlen, sich gegeneinander auszuspielen. OB Schulz sicherte zu: „Kultur darf nicht grundsätzlich zur Disposition stehen.“

>>HINTERGRUND: 18 JAHRE ERFAHRUNG

  • Mit den Herren Wilfried Horn, Peter Demnitz, Jörg Dehm und Erik O. Schulz versammelten sich 18 Jahre Oberbürgermeister-Erfahrung auf dem Podium des Rotary-Clubs Hagen.
  • Dabei amtierte Wilfried Horn (79) von 1999 bis 2004 als erster Verwaltungschef, der direkt von den Bürgern gewählt wurde.
  • Ihm folgte von 2004 bis 2009 der Ex-Genosse Peter Demnitz (67), der sich in einer Stichwahl gegen den heutigen Kämmerer Christoph Gerbersmann durchsetzte.
  • In einem ähnlichen Duell schaffte es der aus Mülheim stammende CDU-Politiker Jörg Dehm (54) gegen Jochen Weber (SPD) auf den Chefsessel ins Rathaus, den er von 2009 bis 2014 bekleidete.
  • Seit 2014 agiert an dieser Stelle Erik O. Schulz (52) als erster parteiloser Oberbürgermeister einer NRW-Großstadt, der von einer Jamaika-Allianz aus CDU, Grünen und FDP ins Amt getragen wurde.

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