Corona-Folgen

Volksbank Hohenlimburg sieht mehr Verantwortung für Banken

Klaus-Martin Kesper (links) und Dennis Fulde vom Vorstand der Volksbank Hohenlimburg wagen eine Prognose für das Wirtschaftsjahr 2021 – und sehen mehr Verantwortung für die Banken.

Klaus-Martin Kesper (links) und Dennis Fulde vom Vorstand der Volksbank Hohenlimburg wagen eine Prognose für das Wirtschaftsjahr 2021 – und sehen mehr Verantwortung für die Banken.

Foto: Marcel Krombusch / Westfalenpost

Hohenlimburg.  Die Volksbank Hohenlimburg zählt viele Industriebetriebe zu ihren Kunden – und wagt eine Prognose auf 2021. Ihre Verantwortung wird steigen

Die Volksbank Hohenlimburg zählt viele zugkräftige Industrie-Firmen von der Lenne-Schiene zu ihren Kunden – und hat auch deshalb die Folgen der Corona-Krise für die Wirtschaft vor Ort beobachten können. Zwar scheine sich diese wirtschaftliche Lage bei den Industriekunden gerade zu stabilisieren – aber neue Herausforderungen stünden bevor.

Pessimistisch ins neue Jahr

„Wir sind im Allgemeinen eher pessimistisch, was das nächste Jahr angeht“, sagt Dennis Fulde, Vorstand der Volksbank Hohenlimburg. Ein Grund dafür: die Frage wie es weitergeht, wenn die Wirtschaft wieder richtig Fahrt aufnimmt. „Das Jahr 2020 mit der Corona-Pandemie ist ein Ausnahmejahr. Aber wenn wir 2021 wieder an die Wirtschaftsleistung des Vorjahres 2019 anknüpfen, dann steigt der Vorfinanzierungsbedarf.“

So brauchten viele Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe erstmal neues Material und eine Grundlage, um die Lager wieder zu füllen. In einer Wirtschaft, die global über lange Produktionsketten arbeitet, könne je nach Industriebetrieb von dem Einkauf des Materials bis zum Verkauf des fertigen Produkts mehrere Monate vergehen. Wenn es dann um Kredite geht, kommen die Banken ins Spiel – und die werden im kommenden Jahr oft gefragt sein und damit wieder mehr Verantwortung bekommen, ist auch Klaus-Martin Kesper, Vorsitzender Volksbank Hohenlimburg, sicher.

Ratingsysteme werden wichtiger

„Meine persönliche Befürchtung ist, dass die großen Banken, die eher fremdgesteuert sind und auf kurze Sicht arbeiten, dabei eher auf Ratingsysteme achten werden.“

Und diese Systeme bewerten auch den Umsatz im Corona-Jahr 2020, bevor sie Krediten zustimmen. „Am Ende dieses Geschäftsjahres wird bei vielen Firmen ein Verlust stehen. Es ist möglich, dass einige Kreditgeber dann sagen, ein Kredit sei erstmal nicht vertretbar, macht zuerst wieder Gewinn.“

Wohlbemerkt: Diese Befürchtung sieht er nur bei den großen Banken auf dem Markt, die weit vom Kunden entfernt agieren. Anders bei den Banken vor Ort, die dicht am Kunden arbeiten. „Da wird man auch von Fall zu Fall sehen, wie die Jahre vor Corona waren und ob das Geschäftsmodell stimmt. Wenn dem so ist, steht Krediten nichts im Wege.“ Die Nähe zum Kunden relativiert dabei also den Blick auf die Ratingsysteme.

Direkter Kontakt zu Kunden

Diese Nähe war es auch, die der kleinen Volksbank Hohenlimburg, einzige selbstständige Bank in Hohenlimburg mit mehr als 3000 Kunden, während des Corona-Stillstands viel zusätzlichen Aufwand gebracht hat. „Die Kontaktaufnahmen mit Kunden haben sich in der ersten Phase des Lockdowns fast verfünffacht“, so Dennis Fulde, Vorstand Volksbank Hohenlimburg. „Wir mussten möglichst viele Kunden beruhigen.“

Damals gab es keinen Krisen-Plan für diesen Fall, heute sei man besser vorbereitet. Es gebe Empfehlungen von Arbeitgeberverband und aus den Erfahrungen heraus wurden Prozesse angepasst. „In der Regel haben wir drei Monate Tilgungsaussetzung gemacht, die sich bei einigen Branchen mittlerweile auf sechs Monaten ausgewirkt haben.“ Wenn Aussetzungen auslaufen, werde nun aber kaum noch nach Verlängerungen gefragt. „Es scheint sich zu normalisieren.“

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