Ausstellung

"Von geheimnisvoller Schönheit" im Hagener Osthaus-Museum

Die Düsseldorfer Künstlerin Andrea Lehmann vor einem ihrer Werke in der Ausstellung „Von geheimnisvoller Schönheit“ im Osthaus-Museum Hagen.

Die Düsseldorfer Künstlerin Andrea Lehmann vor einem ihrer Werke in der Ausstellung „Von geheimnisvoller Schönheit“ im Osthaus-Museum Hagen.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.   Einsame Helden in skurrilen Landschaften: Das Hagener Osthaus-Museum zeigt vier Positionen zeitgenössischer figurativer Malerei.

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Vor den Ruinen von Wolkenkratzern wächst eine neue Realität empor, mit Ziehbrunnen und Aufhängevorrichtungen für gefangene Krokodile. Die Düsseldorfer Malerin Andrea Lehmann ist eine Weltenerfinderin, sie schafft phantastische Universen auf der Grenze zwischen Dystopie und Steampunk. Ihre Arbeiten zeigt die junge Künstlerin jetzt in der Ausstellung „Von geheimnisvoller Schönheit“ im Hagener Osthaus-Museum.

Zusammen mit Martin Schnur, Benedikt Richert und Robert Freund steht sie beispielhaft für ­besondere Positionen der zeitgenössischen figurativen Malerei. Allen so unterschiedlichen Künstlern ­gemeinsam ist, dass sie einsame ­Helden in skurrile Milieus stellen.

Gewollte Irritation

Auch der Wiener Martin Schnur lockt den Betrachter in rätselhafte Bildsituationen. Seine Protagonisten werden häufig mit Spiegelscherben oder zerbrochenen Spiegeln dargestellt – Sinnbilder gefährlicher Verletzungswut oder eines letzten kleinen Restes von Utopie der Schönheit, die Deutung bleibt offen, und die Irritation ist gewollt. Martin Schnur gestaltet leere, oft verwüstete Landschaften, in der ebenfalls immer wieder Spiegel wie gefrorenes Wasser scharfkantig den Blick anziehen.

Benedikt Richert aus Berlin hingegen versieht seine Gemälde häufig mit Farb-Einschlägen. Wie ­Blutspuren zerplatzt die Farbe auf dem Bildträger, wird zum irritierenden Kontrapunkt der malerisch erforschten Konstellationen. Richert thematisiert physikalische Gesetze, oft verweisen die Bildtitel auf Songs wie „Redukt“ von den ­Einstürzenden Neubauten oder dem „Higgs Boson Blues“ von Nick Cave.

Der Tiroler Maler und Zeichner Robert Freund verwendet in seinen Arbeiten auch Elemente von Comic und Karikatur, um Gier und Umweltzerstörung zu zeigen. So entstehen seltsame Anderwelten, in denen eine Seeräuberjenny die brennende Fackel an zubetonierte Strände halten will und ein moderner Ikarus mit Eierkopf den Schöpfer spielt, während draußen vor dem Fenster Fabriken die Umwelt verpesten.

Spiel mit Realitäten

„Die Zusammenstellung dieser vier Maler bietet ein Spektrum spezieller zeitgenössischer figurativer Positionen“, so begründet der Hagener Museumsdirektor Dr. Tayfun Belgin die Auswahl. „Allen ist gemeinsam, dass sie Geschichten erzählen, dass sie sich mit Kulturgeschichte, Mythen, Naturwissenschaft auseinandersetzen.“ Dieses Spiel mit Realitäten und Geheimnissen offenbart in der Zusammenschau spannende Einblicke in die Ideenwelten junger Künstler. Belgin: „In dieser Malerei passieren Dinge, die das, was jetzt geschieht aufnehmen. Vor 20 Jahren hätte man das nicht malen können.“

Doch neben der Gegenwart zählen auch die Vergangenheit und die Reflexion über Bildtraditionen der Alltagskultur. Andrea Lehmann zum Beispiel verwendet in ihren phantastischen Malereien das Material Kunsthaar, das Monstern und magischen Geschöpfen verstörende Plastizität verleiht. Von weitem wirkt das Haar wie der Glitzer auf den früheren Glanzbildern fürs Poesiealbum mit ihren allegorischen Motiven von Feen und Engeln. Gleichzeitig spielt diese Technik auf die Erinnerungsbilder aus den Haaren Verstorbener an, die in katholischen Regionen bis zum 20. Jahrhundert die Wohnzimmerwände schmückten. Daraus ergibt sich eine Mischung aus Grusel und Faszination, Flucht in Paralleluniversen und Endzeitvisionen, die auf die Bilder hinter dem Bild verweist.

www.osthaus-museum.de

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