Western Union

Vorgetäuscht: Haftstrafe für inszenierten Hagener Bankraub

Die Western-Union-Filiale in der Elberfelder Straße wurde zum Tatort.

Die Western-Union-Filiale in der Elberfelder Straße wurde zum Tatort.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Es war alles nur ein abgekartetes Spiel zwischen einer Bankangestellten und dem angeblichen Räuber am 11. Januar 2018 in Hagen

Jetzt ist es durch einen Urteilsspruch des Landgerichts amtlich: Der spektakuläre Überfall auf die Western-Union-Filiale an der unteren Elbe war in Wahrheit eine theatralische Inszenierung.

Der Raub wurde nur vorgetäuscht – ein abgekartetes Spiel zwischen der mittlerweile fristlos entlassenen Bankangestellten (32) und einem angeklagten Iserlohner (26), der gestern von der 9. Großen Strafkammer zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Aber nicht wegen schweren Raubes, sondern nur wegen gemeinschaftlichen Diebstahls.

Mit Garn am Stuhl gefesselt

Die Feststellungen des Gerichts: Der Angeklagte kam am 11. Januar letzten Jahres, wie mit der Bankangestellten abgesprochen, getarnt als Paketbote zur Elberfelder Straße. Um 8.30 Uhr klopfte er von außen an die Scheibe der Western-Union Bank. Die blondierte Angestellte öffnete. Der Mann durfte das mitgebrachte große Paket verbotenerweise in den Kassenbereich tragen.

Dort ließ sie sich willig „überfallen“. Als Revolver-Attrappe diente eine TV-Fernbedienung. Am geöffneten Tresor ging die Western-Union-Frau in die Knie, stopfte gut 137.000 Euro in eine schwarze Sporttasche. Dann ließ sie sich dramatisch auf einem Stuhl festbinden – mit Garn. Nach dem vereinbarten „Raubüberfall“ befreite sie sich gemächlich vom Zwirnfaden, griff zum Handy und rief eine Kollegin an. Erst eine halbe Stunde später wurde die Polizei informiert.

Urteil mit Klartext

Der Angeklagte war eine Woche nach der Geburt seines kleinen Sohnes in Untersuchungshaft gekommen. Am ersten Prozesstag wurde er vom Gericht auf freien Fuß gesetzt. Vorsitzender Richter Bernhard Kuchler redete in der Urteilsbegründung Klartext. Über die gefeuerte Western-Union-Frau, auf die in Kürze eine Anklage zukommt, sagte er: „Sie war keine dumme Angestellte, die gegen ihre Dienstpflichten verstoßen hat. Sie hängt da mit drin.“

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