Justiz

Vorwurf des versuchten Totschlags gegen Raser

Vergeblich versucht die Polizei Hagen in der Nacht zum 29. August einen Raser zu stoppen. Der 22-Jährige fährt mit hoher Geschwindigkeit auf einen Polizisten zu, der mit seiner Dienstwaffe auf das Auto schießt.

Foto: Tom Thöne

Vergeblich versucht die Polizei Hagen in der Nacht zum 29. August einen Raser zu stoppen. Der 22-Jährige fährt mit hoher Geschwindigkeit auf einen Polizisten zu, der mit seiner Dienstwaffe auf das Auto schießt. Foto: Tom Thöne

Hagen.   Ein 22-Jähriger rast mit einem Auto auf einen Polizisten zu. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Totschlags.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen versuchten Totschlags gegen den 22-jährigen Autofahrer aus Dortmund, der Ende August während seiner Flucht auf einen Beamten zugerast war und sich auch von Schüssen aus dessen Dienstwaffe nicht hatte stoppen lassen. Bei der wilden Verfolgungsjagd trug glücklicherweise niemand schwere Verletzungen davon.

„Ob ein Tötungsvorsatz vorlag, klären wir derzeit“, so Staatsanwältin Beatriz Föhring. Der Verdächtige, der sich übrigens nicht im Gefängnis befindet, bestreite jedenfalls, dass er den Polizeibeamten überfahren wollte.

Aufheulender Motor ruft Polizei auf den Plan

Mit seinem Mercedes war der junge Mann aufgrund eines übermäßig lauten Motorengeräuschs in der Nacht zum 29. August gegen 1.30 Uhr in der Hagener Innenstadt ins Visier einer Polizeistreife geraten. Als die Beamten ihn zum Anhalten aufforderten, um seine Personalien zu überprüfen, drückte der Fahrer aufs Gaspedal und raste Richtung Eckesey davon.

In Vorhalle fuhr er, die Polizeistreife auf den Fersen, auf die A1 Richtung Köln, verließ die Autobahn jedoch an der nächsten Abfahrt Haspe/Volmarstein wieder, weil er die Verfolger nicht abschütteln konnte.

Polizist rettet sich mit einem Sprung zur Seite

Auf einem Firmengelände in Volmar­stein geriet ein Hagener Polizeibeamter in höchste Gefahr. Um den Mann zu stellen, war er ausgestiegen, als der Flüchtige plötzlich mit seinem Mercedes auf ihn zuraste. Mit einem Sprung zur Seite rettete sich der Beamte und gab mehrere Schüsse auf den Mercedes ab. Der Wagen wurde auch getroffen, doch stoppen ließ sich der Fahrer dadurch nicht. Vielmehr gelang es ihm, auf die Autobahn zurückzukehren und zu entkommen.

Die Polizei löste eine Großfahndung aus und hatte Erfolg. Einige Minuten nach den dramatischen Szenen in Volmarstein entdeckte ein anderer Hagener Polizist den verdächtigen Wagen auf einem Nebenweg der Feldmühlenstraße im Lennetal. Mitsamt seinem Diensthund, der einmal kurz zuschnappte, gelang es nun, den flüchtigen Mann festzunehmen. Diesmal leistete er kaum Widerstand.

Gutachter rekonstruiert das Geschehen

Die Staatsanwaltschaft hat einen Gutachter der Dekra damit beauftragt, das Geschehen in Volmarstein zu rekonstruieren. Denn ob der Mann den Polizisten wirklich überfahren wollte, dürfte u.a. davon abhängen, mit welcher Geschwindigkeit er auf ihn zufuhr und wieviel Zeit letzterem blieb, um dem Wagen auszuweichen.

Weil dem Fahrer nach den ersten Vernehmungen kein Tötungsansatz nachzuweisen war, musste er nach Angaben der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt werden. „Erst wenn das Gutachten vorliegt und die Ermittlungen abgeschlossen sind, werden wir über eine mögliche Anklageerhebung sprechen“, so Staatsanwältin Föhring.

Fehlender Führerschein als Grund für die Flucht

Den Grund für die überstürzte Flucht des 22-Jährigen, der nicht vorbestraft ist, hatte die Polizei schnell herausgefunden: Er besitzt keinen Führerschein. Und nach den Ereignissen jener Nacht ist auch nicht damit zurechnen, dass ihm dieses fehlende Dokument in absehbarer Zeit ausgehändigt wird.

>>HINTERGRUND: HOHE STRAFE DROHT

  • Totschlag wird im Recht der Bundesrepublik für eine vorsätzliche Tötungen verwendet, die weder Mord, noch Tötung auf Verlangen ist.
  • Die Strafandrohung für Totschlag ist niedriger als beim Mord. Die Tat ist mit Freiheitsstrafe von 5 bis 15 Jahren bedroht, der Versuch mit 2 bis 15 Jahren.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik