Alternative Energieform

Wärme kommt aus 100 Metern Tiefe

Foto: WP

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Delstern/Haspe. Meter für Meter geht es in die Tiefe. „Sollte ich jemals Öl finden, bin ich sofort weg”, sagt Andre Krumbholz und lacht. In Delstern aber geht es nicht um den wertvollen Rohstoff. Zumindest nicht direkt - sondern um Energie aus der Erde.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) baut eine Lagerhalle für das Freilichtmuseum. „Ein Gasanschluss wird hier nicht gelegt”, erklärt Andre Krumbholz, Geschäftsführer der Firma KBK, „die gesamte Energieversorgung läuft über Erdwärme”. Bis zu 60 Prozent der Energiekosten können eingespart werden.

Elf Löcher werden deshalb auf dem Gelände gebohrt - mehr als 100 Meter tief. „Dann führen wir Sonden ein, die Schächte werden verpresst”, sagt Andre Krumbholz, „durch Schläuche fließt eine Glykol-Soleflüssigkeit, die nicht einfrieren kann, mit einer Temperatur von vier Grad in die Tiefe. Mit acht Grad kommt sie wieder hoch. Eine Wärmepumpe im Haus zieht aus der Differenz die Energie. Pro Bohrmeter kann man 50 Watt herausholen.”

Das System klingt einfach - und ist trotz ständig steigender Preise für Öl und Gas kaum bekannt. „Dabei wird die Umrüstung einer bestehenden Anlage mit 20 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und bei einem Neubau mit 10 Euro gefördert”, so Andre Krumbholz, der Kunden in einem eigens errichteten Erdwärmezentrum (mit erdwärmebetriebener Klimaanlage) an der Tillmannsstraße in Haspe informiert. „Hinzu kommen Gelder von Energieversorgern. Wir gehen davon aus, dass sich eine Anlage in einem Einfamilienhaus nach sechs bis sieben Jahren amortisiert hat.” Rund 7000 Euro (abhängig von der Bodenbeschaffenheit, der Tiefe und der Wohnfläche des Hauses) kostet eine Bohrung mit Service bis ans Haus, 5000 bis 6000 Euro sind für eine Wärmepumpe fällig. Die Therme kann raus. Zu zahlen sind lediglich die Stromkosten für die Wärmepumpe. Auch bei öffentlichen Gebäuden (Beispiel Schumacher-Museum) ist Erdwärme eine lohnende Alternative.

Auch weil Hagen und die Umgebung für Erdwärme eine gute Region sind. „Anders als beispielsweise das Münsterland”, erklärt Bauunternehmer Andre Krumbohlz, der vor zwei Jahren das acht Tonnen schwere Gerät angeschafft und eine eigene Firma gegründet hat. „Viel hängt auch von der Erfahrung des Bohrmeisters ab.” Wenn es gut läuft, sind die Experten in drei Stunden in 100 Meter Tiefe. Läuft es schlecht, kann es auch drei Tage dauern.

Gebohrt wird immer außerhalb, nie unter dem Gebäude. „Deshalb ist es auch unproblematisch, bestehende Immobilien nachzurüsten”, so Krumbholz. Derzeit baut er am Spielbrink sieben Einfamilienhäuser - alle werden über Erdwärme mit Energie versorgt.

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