Trisomie-Test

Warum schwangere Hagener Abgeordnete Bluttests befürwortet

Katrin Helling-Plahr aus Hagen sitzt seit 2017 für die FDP im Bundestag.

Katrin Helling-Plahr aus Hagen sitzt seit 2017 für die FDP im Bundestag.

Foto: Plahr

Hagen/Berlin.   Sie ist schwanger und hat selbst einen Trisomie-Bluttest gemacht: Katrin Helling-Plahr hat die Bundestags-Debatte mit ihrer Geschichte geprägt.

Sie ist Politikerin, sie ist wieder schwanger – und sie hat einen Bluttest auf Trisomie für ihr ungeborenes Kind gemacht: Die Hagener FDP-Bundestagsabgeordnete Katrin Helling-Plahr hat am Donnerstag mit einer sehr persönlichen Rede die Bundestagsdebatte beeinflusst zur Frage: Sollen die Krankenkassen Bluttests auf Trisomie bei Risikoschwangeren bezahlen oder nicht?

Ärzte diagnostizieren Fehlgeburten

In gut fünf Wochen ist der errechnete Geburtstermin: Katrin Helling-Plahr, die seit 2017 Abgeordnete ist, wird dann zum zweiten Mal Mutter werden. Ihr jetzt zweieinhalbjähriger erster Sohn war neun Monate alt, als sie in den Bundestag einzog. Als Mitglied im Gesundheitsausschuss war sie von Beginn an in die Debatte involviert, ob die Bluttests zur Kassenleistung werden sollen. „Auch als ich gerade schwanger geworden war, zu einer Zeit also, in der man das ja anderen noch nicht erzählt“, sagt Katrin Helling-Plahr im Gespräch mit der WESTFALENPOST. „Aber auch da habe ich schon gedacht: Das ist eine Debatte, in die du dich auch persönlich mit deiner Geschichte einbringen musst.“

Und die geht so: Mit 13 wurde bei der heute 33-Jährigen eine Schilddrüsenerkrankung diagnostiziert. „Mein Arzt hat mir damals gesagt, dass ich keine Kinder bekommen werde. Und wenn ich schwanger würde, Fehlgeburten erleiden würde“, berichtete sie am Donnerstag in der Bundestagsdebatte. Diese Diagnose habe sich zwar als falsch herausgestellt. Doch als es bei ihrer ersten Schwangerschaft zu Blutungen gekommen sei, habe ihr der A

zt gesagt, dass es sicher in den nächsten zwei Wochen zu einer Fehlgeburt kommen werde. Auch das sei nicht eingetreten. In den letzten beiden Schwangerschaftswochen habe die Frauenärztin dann zu viel Fruchtwasser diagnostiziert. Auch das hätte ein Hinweis auf schwere Krankheiten oder Trisomie sein können.

Bluttest für 269 Euro in der zweiten Schwangerschaft

„Ich hatte das Glück, einen gesunden Jungen zur Welt zu bringen, aber Sie werden nachvollziehen können, dass ich während meiner Schwangerschaft große Ängste hatte und mir Sorgen um mein Kind gemacht habe. Meine Geschichte ist keine ungewöhnliche, es gibt sie in Dutzenden anderen Konstellationen.“

Das Ergebnis des Bluttests, den sie nun in der zweiten Schwangerschaft hat durchführen lassen (Kosten: 269 Euro), hat keine Hinweise auf Trisomie bei ihrem Kind ergeben. Aber auch wenn: Katrin Helling-Plahr hätte keine Abtreibung vornehmen lassen. „Aber solch ein Test kann werdenden Eltern Sicherheit geben oder ermöglichen, sich auf Kommendes einzustellen.“ Und deshalb sprach sie sich im Bundestag auch dafür aus, die Tests zur Kassenleistung für Risikoschwangere werden zu lassen. Entschieden wurde gestern allerdings noch nichts.

Positive Reaktionen aus alle Fraktionen

Überzeugt war die Hagener FDP-Politikerin schon länger, dass sie in dieser Bundestagsrede – es war insgesamt ihre zwölfte – ihre persönliche Situation mit einbringen wollte. „Aber eine außergewöhnliche Situation war es schon“, sagt sie im Nachklang. „Ich war auch gespannt, wie die Kollegen reagieren würden, aber es gab nachher ausnahmslos aus allen Fraktionen positive Rückmeldungen.“ Auch die Reaktionen von Bürgern, die in ihrem Abgeordnetenbüro eingegangen seien, seien positiv gewesen. „Obwohl dieses Thema ja im Vorfeld heiß diskutiert worden ist.“

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