Terrorgefahr

Wassertanks sollen den Hagener Weihnachtsmarkt schützen

Mit Wassertanks – wie hier in Duisburg – wird der Hagener Weihnachtsmarkt geschützt.

Foto: Stephan Eickershoff

Mit Wassertanks – wie hier in Duisburg – wird der Hagener Weihnachtsmarkt geschützt. Foto: Stephan Eickershoff

Hagen.   Der Hagener Weihnachtsmarkt wird mit 20 Wassertanks, von denen jeder 1000 Liter fasst, blockiert, um Anschläge mit Lastern zu verhindern.

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Am 19. Dezember 2016 raste der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt rund um die Berliner Gedächtniskirche und ermordete elf Menschen, 55 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Dieser und andere islamistische Anschläge mit Fahrzeugen in Nizza, Barcelona oder New York haben nun auch gravierende Auswirkungen auf den Hagener Weihnachtsmarkt.

Ausgerechnet im 50. Jahr ihres Bestehens wird die Veranstaltung unter dem Riesenrad von einem umfänglichen Sicherheitskonzept begleitet. „Es wird Einschränkungen geben, für die wir um Verständnis bitten“, kündigte gestern Peter Mook an, in der Stadtverwaltung zuständig für Großveranstaltungen aller Art: „Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir wie in allen Jahren vorher in aller Entspanntheit und weihnachtlicher Vorfreude werden feiern können.“

Sicherheitsbehörden kooperieren

Wesentliches Element der Sicherheitsvorkehrungen ist die dauerhafte Sperrung fast aller Zufahrtswege zum Weihnachtsmarkt. Die Fußgängerzone rund um die City wird mit insgesamt 20 Wassertanks, von denen jeder 1000 Liter fasst, blockiert, um Anschläge mit Lastern zu verhindern. „Die Wassercontainer sollen die Besucher vor Fahrzeugen schützen, die auf dem Weihnachtsmarkt nichts zu suchen haben“, so Thomas Lichtenberg vom Hagener Ordnungsamt.

Die exakte Position der Tanks, mit denen u.a. Rathaus-, Mittel-, Goldbergstraße, Spinngasse, Elberfelder und in Teilen die Kamp­straße abgeriegelt werden, wird mit Polizei und Feuerwehr abgestimmt.

In Zivil und Uniform

Die Polizei schließt auch Personenkontrollen während des Weihnachtsmarktes nicht aus, Beamte in Zivil und Uniform werden sich mit wachsamen Augen unter die Besucher mischen. Die Gefährdungslage in Hagen sei allerdings nicht erhöht, betonte Martin Idel von der Führungsstelle Gefahrenabwehr: „Doch wir bewerten die Sicherheit täglich neu.“ Wieviele islamische Extremisten es in Hagen gebe, wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Sein Kollege Martin Riedl, Leiter der Wache in der Innenstadt, ist jedoch überzeugt: „Jedermann kann unbesorgt über den Weihnachtsmarkt schlendern.“

Vorgabe der Landesregierung

Für Anwohner, Gewerbetreibende und Zulieferer werden die Sicherheitsmaßnahmen Behinderungen mit sich bringen. Doch die müssen, wenn der Weihnachtsmarkt stattfinden soll, in Kauf genommen werden, denn das nordrhein-westfälische Innenministerium hatte bereits im August verfügt, dass für alle Großveranstaltungen im öffentlichen Raum Sicherheitskonzepte erstellt werden müssen und in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Weihnachtsmärkte genannt.

Trotz der Absperrungen sind jedoch sämtliche Feuerwehr- und Rettungsfahrten jederzeit gewährleistet, auch für den Anlieferverkehr werden die Sperren nach Absprache geöffnet. „Wir werden alle Betroffenen schriftlich über die geplanten Maßnahmen informieren und sind während der Weihnachtsmarkttage telefonisch für die Anwohner erreichbar“, verspricht Lichtenberg.

Neues Maskottchen

Um den besinnlichen Gesamteindruck der Innenstadt nicht allzu sehr zu beeinträchtigen, werden die Wassertanks weihnachtlich dekoriert. Dabei kommt auch das neue Maskottchen des Hagener Weihnachtsmarktes, das pünktlich zum Jubiläum entworfen wurde, zum Einsatz. Zwischen den Behältern werden außerdem Weihnachtsbäume platziert, um die Sperren nicht als solche wahrnehmbar zu machen: „Wir wollen unseren Besuchern ein schönes Entree bieten“, sagt Dirk Wagner, Chef des Weihnachtsmarktes. Der rote Kobold soll dabei helfen.

>>Hintergrund: Das passiert in anderen Städten

  • Nicht nur in Hagen, auch auf den Weihnachtsmärkten in vielen anderen deutschen Städten werden mehr Sicherheitskräfte und Polizisten unterwegs sein. Vielerorts sollen Betonpoller, Autos oder Sandsäcke einen Anschlag mit einem Lastwagen wie vor einem Jahr in Berlin verhindern. In Köln nimmt Security-Personal extra an einer Polizeischulung teil, in Frankfurt am Main richtet die Polizei eine Wache auf dem Weihnachtsmarkt ein.
  • Auch im Ruhrgebiet wird die Sicherheit der Besucher groß geschrieben. So bleibt in Bochum der Boulevard, eine wichtige Durchgangsstraße, während des Weihnachtsmarktes erstmals für den öffentlichen Nachverkehr gesperrt. Hinzu kommen eine deutlich sichtbare Polizeipräsenz sowie mobile und dauerhafte Blockaden in Form von XXL-Sandsäcken. Bereits im Vorjahr waren Polizisten mit Maschinenpistolen in Bochum Streife gegangen.
  • Der nahende Weihnachtsmarkt in Duisburg wird, wie im Vorjahr, wohl noch einmal mit Wassertanks gesichert. Langfristig wollen die Sicherheitsbehörden in der Stadt die Großveranstaltung jedoch mit fest installierten Pollern schützen. 150 feststehende und 13 versenkbare Poller sollen die Wassertanks zukünftig ersetzen.
  • Seit Ende Oktober stehen in Duisburg auch vor zwei Einkaufszentren Wassertanks, um Kunden und Immobilien zu schützen. Aufgestellt wurden sie auf Wunsch des Betreibers der beiden Einkaufspassagen.
  • Die Stadt Essen wiederum schützt ihren Weihnachtsmarkt mit 50 Betonquadern.

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