Hengsteysee

Wehrbrücke in Hagen: Statik reicht nur für einen Transport

Die Brücke am Wehr am Hengsteysee. Der Netzbetreiber Amprion möchte die ehemalige Eisenbahnbrücke verkaufen.

Die Brücke am Wehr am Hengsteysee. Der Netzbetreiber Amprion möchte die ehemalige Eisenbahnbrücke verkaufen.

Foto: Michael Kleinrensing

Die Wehrbrücke am Hengsteysee will Amprion nach einem Trafo-Transport loswerden. Die Statik reicht derweil nur noch für einen Transport.

Hengstey. Nach Recherchen dieser Zeitung war Ende Juni bekannt geworden, dass die 1928 errichtete Stahlbrücke, die vor der Wehranlage des Hengsteysees die Städte Hagen und Herdecke miteinander verbindet, auf der Kippe steht. Denn: Netzbetreiber und Brücken-Besitzer Amprion benötigt das Bauwerk, auf dem sich Eisenbahnschienen befinden, nur noch für einen einzigen schweren Trafo-Transport zum Koepchenwerk im Jahr 2021. Aus technischer Sicht, so erklärte man bei Amprion bereits im Juni, sei die Brücke nicht mehr als ein Transportweg für die von 1927 bis 1930 errichtete und heute denkmalgeschützte Koepchenwerk-Anlage und die 1984 daneben errichtete Neu-Anlage auf Herdecker Stadtgebiet. Ihr Zweck war folglich nie, Joggern oder Radfahrern rund um den See oder Spaziergängern einen Überweg zu bieten.

ÖPNV auf der Brücke ist laut Baudezernent Keune nicht vorstellbar

Fünf Akteure gehören zur Gemengelage rund um die Brücke: Die Stadt Hagen, die Stadt Herdecke, der Ruhrverband als Betreiber des Hengsteysees, der Regionalverband Ruhr (RVR) als Klammer für die Städte des Ruhrgebiets und eben Amprion. Ende Oktober wird es ein erstes gemeinsames Gespräch über die Zukunft der Brücke geben, die zu 78 Prozent auf Hagener Stadtgebiet und zu 22 Prozent in Herdecke liegt.

Im Stadtentwicklungsausschuss erklärte Baudezernent Henning Keune am Dienstag, dass die Städte Hagen und Herdecke sowie der RVR ein großes Interesse am Erhalt dieser Brücke hätten. Die Grünen hatten zudem erklärt, dass die über die Brücke laufenden Wegeverbindungen vor dem Hintergrund des nunmehr wahrscheinlicher werdenden Seepark-Konzeptes im Bereich des ehemaligen Rangierbahnhofes Hengstey von Bedeutung für ein Konzept der Stärkung des „Umweltverbundes aus Fußgänger- Fahrrad- und Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)“ seien.

Statik: Nur noch der Trafo-Transport im Jahr 2021 ist möglich

„Dass in Zukunft ÖPNV und andere Fahrzeuge über die Brücke rollen werden, kann ich mir nicht vorstellen“, erklärte Henning Keune. Eine derart belastbare Fahrbahn sei technisch kaum realisierbar. Ohnehin läge laut Keune eine statische Bewertung der Brücke vor, die deutlich mache, dass sie für mehr als den Trafo-Transport im Jahr 2021 gewichtstechnisch nicht mehr nutzbar sei.

„Die Schienen sollten nicht so ohne Weiteres einfach von der Brücke entfernt werden, wenn der letzte Transport durchgerollt ist“, sagte Rüdiger Ludwig von den Grünen. Man müsse sich alle Optionen für die Zukunft offenhalten. Dazu könne auch mal ein Museumsbetrieb am alten Koepchenwerk gehören.

Der RVR und der Ruhrverband hingegen sahen sich auf Anfrage im Juni nur in einer „moderierenden“ Rolle.

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