Glosse

Wenn die Hagener Politik den Bürger wiederentdeckt

WP-Redakteur Martin Weiske

WP-Redakteur Martin Weiske

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Auf eine klarere politische Profilierung der Ratsfraktionen gegenüber den Hagener Bürgern hofft im Jahr 2022 WP-Kommentator Martin Weiske.

483 Tage sind seit der Kommunalwahl im September 2020 vergangen. Eigentlich Gelegenheiten genug für die Allianzmehrheit im Hagener Rat, mal ihre gemeinsame politische Agenda zu definieren und dem Wahlvolk näher zu bringen. Gehört hat man allerdings bislang wenig bis nichts.

Die CDU meldet sich eigentlich nur, wenn der politische Gegner im sozialdemokratischen Gewand irgendwo vorprescht, die zweiköpfige Liberalen-Gruppe neigt ohnehin abseits der Wahlkämpfe zum öffentlichen Schweigen und die neue Grünen-Doppelspitze Nicole Pfefferer/Jörg Fritzsche hat bislang ebenfalls kaum eine Spur hinterlassen. Ein komfortabler Schweigekurs, dem sich sogar der assoziierte Mehrheitsbeschaffer „Hagen Aktiv“ eng verbunden fühlt. Frei nach dem Motto: Wozu den Bürger mitnehmen, wenn er doch gar nicht gebraucht wird.

Komfortabel für den Oberbürgermeister

Eine Haltung, die zuletzt die Wahlbeteiligung in Hagen auf erschreckende 42 Prozent absacken ließ. Für OB Schulz eine äußerst komfortable Situation: Er muss eine Stadt administrieren, in der eine ihn tragende Ratsmehrheit keinerlei Themen entwickelt und er somit auch keine eigene Position zu beziehen braucht.

Der vom Kämmerer vorgelegte Doppelhaushalt 2022/23 scheint jetzt zumindest den Hauch einer öffentlichen Debatte entstehen zu lassen. So entdeckte in dieser Woche die SPD plötzlich ihr Herz für den Radverkehr. Prompt versuchten die Grünen, ihre auf diesem Terrain vermutete Deutungshoheit zurückzuerobern. Sogar in CDU-Reihen soll es urplötzlich konkrete Tendenzen geben, sich noch im Januar mit einer Agenda erstmals in dieser Wahlperiode an die Hagener zu wenden.

Potz Blitz und ei der Daus!

Brennenden Themen widmen

Sollte es tatsächlich mal ein spannendes lokalpolitisches Jahr geben? Sollten die Fraktionen urplötzlich den Bürger wiederentdecken und sich wirklich brennenden Themen widmen? Nach 483 Tagen des internen Vor-sich-hin-prusselns fehlt ein wenig der Glaube.

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