Widerstand gegen Erweiterung der Drogenklinik im Deerth

24.01.2017, Hagen, Ratsaal, Bürgerbeteiligung - Erweiterung Fachklinik Deerth, Foto: Alex Talash

24.01.2017, Hagen, Ratsaal, Bürgerbeteiligung - Erweiterung Fachklinik Deerth, Foto: Alex Talash

Hagen.  Der Widerstand in der Bevölkerung gegen die Erweiterung der Drogenklinik im Deerth ist gewaltig. Das wurde bei einer Bürgerversammlung deutlich.

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In einer emotionslastigen, zum Teil hitzigen Diskussion haben gestern Abend Hagener Bürger im Rahmen einer ersten Anhörung der städtischen Planungsverwaltung sowie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) signalisiert, dass die geplante Erweiterung der Drogenfachklinik im Deerth um eine geschlossene Maßregelvollzugseinheit auf wenig Gegenliebe in der Bevölkerung stößt. „Was die Politik aktuell Wehringhausen zumutet, geht so nicht weiter“, sprach Anne Figge-Schoetzau nicht nur mit Blick auf die Neubaupläne im Hagener Stadtwald, sondern auch auf die Überfrachtung des Stadtteils mit Zuwanderern vielen Teilnehmern des Abends aus der Seele. „Ich habe kein Verständnis dafür, dieser Komplex gehört an einen anderen Standort.“

Zu schmale Waldstraße

„Der Wald ist kein Platz für eine Haftanstalt“, erwartet auch Marianne Schepper, Mitglied im Förderverein Wildgehege, zu viele neue Verkehre auf der schmalen Waldstraße zum Deerth hinauf. „Eine solche Einrichtung könnte doch viel besser auf dem Gelände des Cargobeamers am Hengsteysee entstehen.“

Eine Einschätzung, die ebenso Jörg Liese, ehemaliger Rektor der Hagener Fachhochschule, teilte: „Die Waldwege dort sind zum Entspannen und für spielende Kinder da. Eine solche Gefährdung passt nicht an diesen Standort und auch nicht zur strategischen Ausrichtung der Stadt.“ Gleichzeitig warnte Liese davor, dass eine Genehmigung der Klinik-Erweiterung die Bemühungen der Stadt im Rahmen der Regionale konterkarieren könnte.

Stadtbaurat Thomas Grothe hatte als Moderator des Abends phasenweise erhebliche Mühe, die Diskussionsdisziplin der etwa 75 Interessenten – darunter etwa ein Drittel Mandatsträger – in geordnete Bahnen zu lotsen. Mehrfach sah sich die Fachverwaltung dem Vorwurf ausgesetzt, das Verfahren bereits positiv-voreingenommen vorangetrieben zu haben. Und auch die Argumente der AWO, dass die Erweiterung vorzugsweise dazu diene, die Behandlungskette der Drogenpatienten abzurunden und somit den Bestand der in Hagen bereits etablierten Einrichtungen abzusichern, fanden nur bedingt Gehör. Fakten zur Ausbruchsicherheit der Zaunanlagen, zu verkehrlichen Fragen, zur Besucherfrequenz oder auch zur relativ geringen Wahrscheinlichkeit, dass ehemalige Maßregelvollzugspatienten sich später in Hagen ansiedeln (ca. zwei pro Jahr), blieben bei den meisten Zuhörern ungehört oder wurden als wenig glaubwürdig abgetan.

Deutlicher Widerstand

Mit seinem allgemeinen Hinweis „Die Vielfalt der Natur ist absolut gefährdet“ konnte sich hingegen Wilhelm Bögemann, Vorsitzender des Landschaftsbeirates, des Applauses des Ratssaales gewiss sein. Ähnlich CDU-Ratsherr Gerd Romberg, der die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch die Zaunanlage kritisierte. Jetzt liegt der Ball im Rahmen des Verfahrens zunächst einmal wieder bei der Politik. Angesichts des gestern zur Schau gestellten Widerstands in der Bürgerschaft, dürfte die sich schwer tun, die AWO-Pläne mitzutragen.

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