Stadtmarketing

Wie Geldgeber zu Hagener Köpfen werden

Das neueste Hagen-Buch, das Prominente und Firmen vorstellt, sowie das Imagevideo, in dem Oberbürgerrmeister Erik O. Schulz seine Stadt vorstellt, stoßen auf Kritik. Ein Marketingkonzept hinter den Projekten gibt es nicht.

Foto: Jens Stubbe

Das neueste Hagen-Buch, das Prominente und Firmen vorstellt, sowie das Imagevideo, in dem Oberbürgerrmeister Erik O. Schulz seine Stadt vorstellt, stoßen auf Kritik. Ein Marketingkonzept hinter den Projekten gibt es nicht. Foto: Jens Stubbe

Hagen.   Das neue Stadtbuch sowie der Imagefim der Stadt Hagen wurden von externen Firmen herausgegeben. Kritik gibt es auch für vermeintliche Koppel-Geschäfte.

Das Stadtbuch „Hagen ganz persönlich“ ist nicht das einzige imagefördernde Produkt, das die Stadt von einer auswärtigen Firma hat erstellen lassen (wir berichteten).


Frisch im Netz findet man seit einigen Tagen auch „Hagen – der Film“, ein Imagevideo, in dem Oberbürgermeister Erik O. Schulz seine Heimatstadt als lebens- und liebenswerten Raum beschreibt. Allerdings sorgen sowohl Film als auch Buch und deren Zustandekommen für Diskussionen bei heimischen Autoren und Medien-Unternehmen.


Auf einem gesamtstädtischen Marketing-Konzept beruhen die beiden Projekte nicht, wie das Büro des Oberbürgermeisters einräumt. Aufgrund der schwierigen Haushaltslage sei man seit Jahren nicht mehr in der Lage, imagefördernde Publikationen selbst zu finanzieren.

Der Imagefilm

Einrichtungen wie Theater, Kunstquartier, Freilichtmuseum, Stadthalle und Fernuni werden zum Teil von den jeweiligen Vertretern im Film vorgestellt und Hagens grüne Seiten hervorgehoben. Der Streifen wurde vom City Online Medienverlag mit Sitz in Lippstadt produziert.


Wie die Pressestelle der Stadt auf Nachfrage der WESTFALENPOST bestätigt, hat besagte Firma Kontakt zu Hagen bzw. der Hagen-Agentur aufgenommen und den Imagefilm kostenfrei für die Stadt erstellt.

Stadt spricht von gelungener Kooperation

Als „Paradebeispiel für eine gelungene Kooperation der Stadt Hagen/Hagen-Agentur mit einem privaten Anbieter“ wertet das OB-Büro die Entstehung des Films. Da die Stadt durch den Film keine Gewinne generieren würde, sei auch keine öffentliche Ausschreibung vonnöten gewesen. Die im Film genannten Firmen wie Mercure und Arcadeon hätten für ihren Auftritt nichts bezahlt.

Nach Informationen der Stadtredaktion hat die Hagen-Agentur einen „Letter of Intent“, also eine Absichtserklärung mit der Lippstädter Firma geschlossen; die Geschäftsführung der Hagen-Agentur hat die „Blanko-Empfehlung“ unterschrieben. Es braucht ein Marketing-Konzept


Diesen Brief hat der City Online Verlag an weitere Hagener Firmen verschickt. „Wir versprechen darin, den von den Lippstädtern produzierten Hagen-Imagefilm auf unsere städtische Homepage zu setzen und mit der Mediathek des Verlages zu verlinken. In dieser Mediathek sollen sich die Hagener Firmenporträts wiederfinden“, so Kirsten Fischer von der Hagen-Agentur.

Bislang wohl noch keine Verlinkung

Ihres Wissens nach hätten ca. 18 Hagener Firmen dem Lippstädter Verlag einen Auftrag erteilt. „Bislang hat es aber wohl noch keine Verlinkung zur Mediathek gegeben“, räumt Fischer ein.

Die Catering-Firma Nübel (heute Hummer) wurde von einem Mitarbeiter der Produktionsfirma aufgesucht mit dem Ansinnen, ein Firmenporträt in Auftrag zu geben. „Uns wurde versprochen, dass unser Werbefilm auf der Hagener Homepage und im neu eingerichteten Bereich ,Mediathek’ zu sehen sein würde. Alles sei mit der Stadt abgesprochen“, sagt Hummer-Mitgeschäftsführer Daniel Stuhldreier.

Nübel Catering ließ im Sommer vom City Online Medien Verlag den ersten Teil des Films drehen, der zweite steht aufgrund der Umfirmierung von Nübel zu Hummer noch aus. „Der Film kostet 4000 Euro, wir haben die komplette Summe bereits bezahlt. Der zweite Teil soll in Kürze gedreht werden“, so Stuhldreier. Nach der verlinkten Mediathek sucht er bislang vergebens.

Das Buch

„Hagen ganz persönlich“ splittet sich in zwei Teile: im ersten geben 25 vom Hagener Presseamt ausgewählte Persönlichkeiten ihre Liebeserklärung an Hagen ab. Im hinteren Teil finden sich bezahlte Firmenporträts wieder (Kosten pro Seite: ca. 2000 Euro).


Einige Unternehmer tauchen im Persönlichkeitenteil ebenso auf wie im Firmenteil. Von einer Kopplung will das OB-Büro nichts wissen. Die Hagener Autorin Birgit Ebbert erzürnt: „Ich habe vor kurzem mein Buch ,Hagen Porträt einer Stadt’ herausgegeben. Und nun lässt die Stadt ein Konkurrenz-Produkt erstellen, an dem das eigene Presseamt zu großen Teilen mitarbeitet.“

Frau eines Pressesprechers involviert

Auch die Frau eines Pressesprechers ist im Impressum als redaktionelle Mitarbeiterin aufgelistet. „Sie hat dafür von uns kein Honorar erhalten“, betont das OB-Büro.

Die Bezirksregierung

In Arnsberg sitzt mit der Bezirksregierung die Kontrollbehörde für die Kommunen. Eine einschlägige Richtlinie der Bezirksregierung für solche Fälle bestehe nicht, so Behörden-Sprecher Christoph Söbbeler: „Grundsätzlich sind Kooperationen von Kommunen mit Privaten zulässig.“ Pauschale kommunalaufsichtliche Bedenken gegen entsprechende Empfehlungs- bzw. Werbungsschreiben des Oberbürgermeisters bestünden auch nicht. „Es sind aber die einschlägigen vergaberechtlichen Vorschriften und Regelungen zu beachten.“

Der Steuerzahlerbund

Differenziert fällt das Urteil des Bunds der Steuerzahler NRW aus: „Wir haben generell nichts dagegen einzuwenden“, so Sprecherin Bärbel Hildebrand.

Auch Empfehlungsschreiben des Oberbürgermeisters bzw. der Hagen-Agentur seien „nicht an sich kritikwürdig“. Mit eigenem Personal könnten Städte solche Projekte sicherlich nicht schaffen, daher sei die Kooperation mit Privaten nötig.


Kritisch schaut der Steuerzahlerbund aber auf das Zustandekommen: „Auch wenn es gesetzlich hier nicht vorgeschrieben war, wir empfehlen immer eine Ausschreibung“, so Hildebrand. Dann hätten alle Anbieter ein Chance. Zudem müsse auch bei einem OB-Empfehlungsschreiben Gleichberechtigung herrschen: „Dann müssen aus unserer Sicht wirklich alle Unternehmen angeschrieben werden, um eine Chance zu haben, in dem Buch oder Film auch vorzukommen.“

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