Zuchtstation an Hasper Talsperre

Wiederansiedlung des Lachses droht zu scheitern

Ein Lachs aus der Zuchtstation an der Hasper Talsperre.

Foto: WP Michael Kleinrensing

Ein Lachs aus der Zuchtstation an der Hasper Talsperre. Foto: WP Michael Kleinrensing

Haspe.   Scheitert die Wiederansiedlung des Atlantisches Lachses im Rhein und seinen Zuflüssen durch den künstlichen Besatz aus Haspe am Kormoran? Das behaupten die Lachs-Freunde.

War die Einrichtung der Lachsaufzuchtstation an der Hasper Talsperre vor 15 Jahren ein sinnloses Unterfangen? Werden dort Millionen Tiere bloß als lebendes Vogelfutter produziert? Ist die Wiederansiedlung des Atlantisches Lachses im Rhein und seinen Zuflüssen durch den künstlichen Besatz aus Haspe gescheitert? Glaubt man den Verantwortlichen des Vereins, der die Station betreibt, dann sind alle Anstrengungen, die einzigartige Fischart dauerhaft nach Deutschland zurückzuholen, mit einem Kampf gegen Windmühlenflügel vergleichbar: „Die Wiederansiedlung des Lachses tritt seit 15 Jahren auf der Stelle“, behauptet der Biologe Siegfried Darschnik, Artenschutzreferent im Lachszentrum: „Das Niveau ist viel zu niedrig und trotz ebenfalls stattfindender natürlicher Vermehrung nur durch massive Unterstützung unseres Vereins zu halten.“

Als Ursache für das fehlgeschlagene Großprojekt haben die Lachs-Freunde den Kormoran ausgemacht. Dieser gefräßige Räuber, den es in Nordrhein-Westfalen früher gar nicht gegeben habe, mache dem Großteil der wandernden Lachse schon den Garaus, bevor die Fische überhaupt die offene See erreichten. Im vergangenen Jahr seien in der Sieg und ihren Nebenarmen, wo die meisten der in Haspe gezogenen Fischlein ausgesetzt werden, lediglich 300 Rückkehrer gezählt worden – eine erschreckend geringe Zahl, wenn man bedenkt, dass in Haspe pro Jahr rund 500.000 Lachse gezüchtet wurden (in diesem Jahr sollen es aufgrund optimierter Zuchtmöglichkeiten sogar eine Million Eier sein).

Die meisten Lachse würden, wenn sie sich auf den Weg Richtung Nordsee machten, den Kormoranen zum Opfer fallen. Eine Untersuchung hat ergeben, dass nur 13 Prozent der markierten Smolts, so heißen die jungen Lachse, das Meer erreichen. „Die Smolts ziehen sich zu Schwärmen zusammen und sind mit ihrer silbrigen Haut leichte Beute für die Vögel“, berichtet Stefan Jäger, Geschäftsführer der Ruhrfischereigenossenschaft: „Im Grunde sind wir auf dem gleichen Stand wie 2001, als der Zuchtverein gegründet wurde.“ Damals sei in etwa die gleiche Zahl an rückkehrenden, ablaichenden Lachsen gezählt worden wie heute.

Schutz von Lieblingstierarten

Von einer nachhaltigen Wiederansieldung könne also gar keine Rede sein – im Gegenteil. Landesregierung und Umweltverbände führten die Öffentlichkeit mit offiziellen Verlautbarungen und Erfolgsmeldungen an der Nase herum, so Darsch­nik: „Zig Millionen Euro an Steuern und Abgaben in die Renaturierung der Gewässer und unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden sind verschwendet worden.“

Und das nur, weil Landesumweltminister Remmel (Grüne) und der Naturschutzbund (Nabu), an dessen Tropf der Politiker hänge, sich aus ideologischen Gründen weigerten, die Kormoranbestände zu reduzieren: „Die Vögel haben viele Gewässer in NRW inzwischen so stark geschädigt, dass sie nicht nur die nachhaltige Nutzung der Fischbestände, sondern deren ökologisch guten Gesamtzustand verhindern.“ Einige Naturschutzorganisationen seien gar nicht an einer intakten Umwelt interessiert, sondern würden sich lediglich für bestimmte Lieblingstierarten, beim Nabu die Vogelwelt, einsetzen.

Schwere Vorwürfe

Schwere Vorwürfe, die Stephan Sallermann, zweiter Vorsitzender des Nabu in Hagen, zurückweist: „Wir wollen nicht eine Tierart dezimieren, um eine andere zu schützen. Wir lassen die Natur gewähren.“ Den Kormoran habe es in Europa schon immer gegeben, zudem seien die Vögel gewiss nicht in der Lage, die Lachspopulation zu gefährden. Dass so viele Fische auf ihrer Wanderung zum Meer sterben, habe mannigfaltige Gründe und entspreche dem biologischen Gleichgewicht: „Von einer Million Kaulquappen kommen auch nur 100 durch.“

Doch die Mitglieder des Lachsvereins aus Haspe lassen sich davon nicht beirren. Der natürliche Kreislauf der Lachswanderung werde eindeutig vom Kormoran durchschnitten, so Dietmar Firzlaff, Leiter der Aufzuchtstation: „Eigentlich ist es ja unser Ziel, die Zucht hier zu schließen, sobald sich die Lachsbestände stabilisiert haben und auf natürliche Weise vermehren.“ Davon sei man dank des Kormorans weiter entfernt denn je.

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