Stickstoffdioxid-Belastung

Wirtschaft lehnt plumpe Verbote für Hagener Innenstadt ab

| Lesedauer: 3 Minuten
Angesichts der weiterhin illegal hohen Stickstoffdioxid-Belastung auf dem Märkischen Ring in Höhe des Finanzamtes (rechts) setzt die heimische Wirtschaft weiterhin auf den Abriss des Behördenbaus. Denkmalschutz dürfte an dieser Stelle nicht über die gesamtstädtischen Interessen gestellt werden. Foto:Michael Kleinrensing

Angesichts der weiterhin illegal hohen Stickstoffdioxid-Belastung auf dem Märkischen Ring in Höhe des Finanzamtes (rechts) setzt die heimische Wirtschaft weiterhin auf den Abriss des Behördenbaus. Denkmalschutz dürfte an dieser Stelle nicht über die gesamtstädtischen Interessen gestellt werden. Foto:Michael Kleinrensing

Hagen.   Eine höchstrichterliche Entscheidung zu Diesel-Fahrverboten bei zu hoher Luftbelastung steht an: Die Wirtschaft lehnt Restriktionen in Hagen ab.

Mit großer Sorgen blicken die Stadt aber auch Vertreter der heimischen Wirtschaft in diesen Tagen nach Leipzig: Am kommenden Donnerstag, 22. Februar, wird dort das Bundesverwaltungsgericht auf Antrag der Deutschen Umwelthilfe darüber urteilen, ob künftig in jenen deutschen Innenstädten, in denen die Stickstoffdioxidbelastung weiterhin über den gesetzlichen Grenzwerten liegt, künftig Dieselfahrverbote verhängt werden dürfen. Ein Szenario, das angesichts der anhaltend dicken Luft in der Finanzamtsschlucht auch für Hagen drohen könnte.

Mobilität sicherstellen

„Industrie, Handel, Hotellerie, Gastronomie, Handwerk und Dienstleister sprechen sich grundsätzlich gegen eine weitere Verschärfung der Fahrverbote zur Verbesserung der Luftqualität in Hagen aus“, appellierten Lobby-Vertreter am Freitag unisono.

„Die Hagener City muss attraktiv erreichbar bleiben. Die Mobilität für Unternehmen, Mitarbeiter und Kunden ist sicherzustellen“, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier, das Südwestfälische Industrie- und Handelskammer (SIHK), Einzelhandelsverband Südwestfalen, Märkischer Arbeitgeberverband, Handwerkskammer Dortmund, Kreishandwerkerschaft Hagen, Hotel- und Gaststättenverband sowie die Hagen-Agentur entwickelt haben.

Mobilität als Zukunftsthema

„Klimafreundliche Mobilität ist auch für die Stadt Hagen ein wichtiges Zukunftsthema“, stellte SIHK-Hauptgeschäftsführer Ralf Geruschkat fest. „Gleichzeitig muss aber auch die Attraktivität der Innenstadt durch entsprechende Verkehrskonzepte gefördert werden.“

Hier falle den Aktivitäten rund um das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) eine Schlüsselrolle zu. Dieses müsse eine optimierte Verkehrsplanung für die kommenden Jahre beinhalten, die bei Einhaltung der Grenzwerte zugleich die Erreichbarkeit der Zentren und Gewerbestandorte problemlos sicherstelle. Hier erwartet die Wirtschaft eine enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und der Politik, um gemeinsam ganzheitliche Konzepte zu entwickeln, bei den keineswegs bloß der Autoverkehr im Mittelpunkt stehen muss.

Abriss des Finanzamtes gefordert

Konkret setzt der SIHK-Regionalausschuss weiterhin auf einen Abriss des Finanzamtes, auf Ventilatoren-Lösungen auf dem Ring, um dort die Durchlüftung zu optimieren, oder auch auf Begrünungskonzepte sowie eine Attraktivierung des ÖPNV.

Parallel dazu plädiert Geruschkat für einen Ausbau des Verkehrsknotenpunkts Hauptbahnhof. Mit einem Durchstich des Gleistunnels und der Realisierung der Bahnhofshinterfahrung eröffneten sich Möglichkeiten, Verkehrsinfrastrukturen (z.B. Fernbusse) zu bündeln. Dabei denkt er auch an P&R-Parkplätze mit Transfer-Anschluss in die City, um diese bei Sperrungen für Diesel-Pkw-Besitzer erreichbar zu halten.

>>HINTERGRUND: RICHTWERT WIRD VERFEHLT

  • Der gesetzlich vorgeschriebene Luftreinhaltungsrichtwert von durchschnittlich 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid/m³ wird trotz aller Sperrmaßnahmen in der Finanzamtsschlucht weiterhin deutlich verfehlt.
  • Zuletzt stellte der von der Stadt Hagen beauftragte Gutachter aus dem Dorstener Ingenieurbüro Simu-Plan, Georg Ludes, fest, das lediglich die Einführung einer „Blauen Umweltzone“ zu schnellen Effekten auf dem Märkischen Ring führen könnte.
  • Damit würden sämtlichen älteren Diesel-Fahrzeuge aus der Innenstadt verbannt. Zuletzt meldete das Straßenverkehrsamt für Hagen 33 474 Dieselfahrzeuge (Stand: Februar 2017), davon erfüllten lediglich 5553 (16,6 Prozent) die geforderte Euro-6-Norm.
  • Der Gutachter hat auch ermittelt, dass die Belastung in der Finanzamtsschlucht zu 10 Prozent von Benzin-Motoren, zu 15 Prozent von Lkw und zu 75 Prozent von Diesel-Pkw verursacht werde.
  • Darauf zu hoffen, dass verbesserte Motorentechnik dafür sorgen werde, dass die Grenzwerte auf dem Innenstadtring eingehalten werden, wird sich frühestens 2025 einstellen. Gleiches gilt auch für die Umsetzung von Abriss-Ideen: Auch diese Initiativen seien nicht vor 2025 umsetzbar.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hagen

Liebe Nutzerinnen und Nutzer:

Wir mussten unsere Kommentarfunktion im Portal aus technischen Gründen leider abschalten. Mehr zu den Hintergründen erfahren Sie
» HIER