Stadtplanung

Wohnblock-Abriss sorgt für Bürger-Protest

Zur Bürgerversammlung kamen rund 100 Wehringhauser. Die Gemeinnützige Wohnstättengenossenschaft Hagen (GWG) plant einen kompletten Häuserblock abzureißen.

Foto: Michael Kleinrensing

Zur Bürgerversammlung kamen rund 100 Wehringhauser. Die Gemeinnützige Wohnstättengenossenschaft Hagen (GWG) plant einen kompletten Häuserblock abzureißen. Foto: Michael Kleinrensing

Wehringhausen.   Der geplante Abriss des Mehrfamilienhaus-Blocks im Karree Minerva-/Ewald-/Gustav-/Lange Straße sorgt für Protest.

Der geplante Abriss des Mehrfamilienhaus-Blocks im Karree Minerva-/Ewald-/Gustav-/Lange Straße, durch den wegen eines Investitionsstaus von 20 Millionen Euro 130 Wohnungen vom Markt verschwinden sollen (wir berichteten), sorgt für Protest. Zu einer Versammlung im Saal der Paulus-Gemeinde in kamen rund 100 Wehringhauser und äußerten ihren Unmut über die Entscheidung der Gemeinnützigen Wohnstätten-Genossenschaft (GWG).

Lenkungskreis Soziale Stadt Wehringhausen

Der Lenkungskreis Soziale Stadt Wehringhausen als Veranstalter hatte Franz Michalek, Rechtsanwalt der Mietervereine in Hagen, eingeladen. Michalek: „Entweder man kommt zu einer verträglichen Lösung oder die Mieter können eine Blockade-Haltung einnehmen.“

Eine rechtliche Grundlage für den Auszug der Mieter habe die GWG nicht. Der Kündigungsgrund „Eigenbedarf“ liege nicht vor.

Bliebe noch der Kündigungsgrund „Wirtschaftliche Verwertung“. Der Vermieter müsse dabei aufzeigen, dass er durch Fortsetzung des Mietverhältnisses an einer angemessenen wirtschaftlichen Verwertung des Grundstücks gehindert würde. Das halte Michaelek für unrealistisch. „Am Ende muss die GWG Geld in die Hand nehmen und den Mietern den Auszug schmackhaft machen.“

Mieter fühlen sich nicht mitgenommen

Die Mieter des Wohnblocks ließen bei der Versammlung Dampf ab. Seit Jahren werde erzählt, dass die Wohnungen saniert würden und dann erfahre man aus der Zeitung, dass der Block abgerissen werden solle. Zudem fühlen sich viele Mieter nicht richtig mitgenommen.

Peter Stahlhut (Fachbereich Stadtentwicklung) teilte bei der Versammlung mit, dass es Anfang März eine Informationsveranstaltung mit GWG-Geschäftsführer Christoph Rehrmann und Baudezernent Thomas Grothe geben solle.

Zudem Anfang Januar eine Begehung des Wohnblocks, bei der die GWG zeigen wolle, wieso eine Sanierung wirtschaftlich unmöglich sei.Auf Initiative der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Mitte hat das Innenstadt-Gremium einstimmig beschlossen, dem Stadtentwicklungsausschuss zu empfehlen, ein Bebauungsplanverfahren für das Karree einzuleiten. Das Ziel: Mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz.

Stadt auf Grundstücksuche

Die GWG hat bereits Vorstellungen, was nach dem Abriss auf dem Areal geschehen könnte. Denn: In Wehringhausen besteht akuter Kita-Mangel. Reinhard Goldbach, Fachbereichsleiter für Jugend und Soziales bei der Stadt Hagen, betont auf WP-Nachfrage, dass in Wehringhausen dringend ein Grundstück gesucht werde, auf dem eine im besten Fall sechszügige Kita (100 Plätze) errichtet werden könnte. Goldbach: „Dieser Wunsch bezieht sich aber nicht konkret auf das Grundstück, auf dem der Häuserblock steht. Wir prüfen auch andere Standorte.“

Markus Körner vom Lenkungskreis kritisierte bei der Veranstaltung, dass kein Vertreter der GWG gekommen war: „Das ist auch ein Zeichen, dass niemand von denen hier ist.“

>>>DAS SAGT DIE GWG

WG-Geschäftsführer Christoph Rehrmann versichert, dass die GWG nicht zur Versammlung eingeladen worden sei. „Wir wären gekommen und auf alle Fragen eingegangen.“

Rehrmann betont, dass ein Abriss des Blocks, in dem es noch rund 60 aktive Mietverhältnisse (von insgesamt 130 Wohnungen) gibt, unumgänglich sei.

Die Objekte aus dem Jahr 1890 seien marode, sanierungsbedürftig und ursprünglich ohne Badezimmer angelegt worden. Als diese nachgerüstet worden seien (max. in 1,20 Meter Breite) hätten andere Wohnräume dafür verkleinert werden müssen. „Die Eingriffe, die wir vornehmen müssten, um zeitgemäßen Wohnraum anzubieten, würden am Ende nur noch die Fassaden übrig lassen. Das ist wirtschaftlich unmöglich“, so Rehrmann.

Und durch einen Neubau nach modernen Standards würden Kaltmieten von 10 Euro pro Quadratmeter entstehen, die wiederum niemand an dieser Stelle zu zahlen bereit wäre. Eigentlich, so Rehrmann, habe es schon 1988 einen GWG-Beschluss zum Abriss aus den genannten Gründen gegeben.

„Doch durch den Mauerfall entstand Druck auf den Hagener Wohnungsmarkt, so dass die GWG gezwungen war, diesen Wohnraum weiter vorzuhalten.“

Keine konkrete Zeitplanung

Es gebe keine konkrete Zeitplanung, wann der Abriss beginnen solle. Wohl aber eine Nachnutzungsidee.

Die GWG würde hier, Richtung Eugen-Richter-Straße, dem dringenden Bedarf der Stadt nach einer sechszügigen Kita (100 Plätze) nachkommen, diese errichten und an die Stadt vermieten. Und Richtung Minervastraße einen Aldi-Discounter ansiedeln lassen.

Dazwischen Parkraum und Spielfläche für Kinder. „Wir möchten keinen Rechtsstreit. Wir werden alternativen und modernen Wohnraum zur Verfügung stellen und Umzugskosten übernehmen“, so Rehrmann.

Bei anderen Umsetzungen wie zum Beispiel bei den Neubauten oberhalb der Eugen-Richter-Straße seien fast alle Mieter aus den Altwohnungen in neue GWG-Wohnungen umgezogen – ohne Rechtsstreitigkeiten.

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