Landtagswahlkampf

Wolfgang Jörg (SPD) ist schon voll im Wahlkampfmodus

17. Januar 2017, Hagen. Wolfgang Jörg, MdL SPD Hagen / Landtagskandidat Landtagswahl. Wahl WP-Foto: Michael Kleinrensing

17. Januar 2017, Hagen. Wolfgang Jörg, MdL SPD Hagen / Landtagskandidat Landtagswahl. Wahl WP-Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Mit Wolfgang Jörg an der Spitze zieht die Hagener SPD in den NRW-Wahlkampf. Er will sein Mandat gegen Herausforderer Helmut Diegel verteidigen.

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Die parteiinternen Fallensteller, die ihm zunächst einen überraschenden Gegenkandidaten bescherten und im Anschluss seine klare Nominierung über mehrere SPD-Instanzen hinweg infrage stellten, konnte er bereits abschütteln. Jetzt richtet er seinen Fokus auf den politischen Gegner.

Vorzugsweise CDU-Herausforderer Helmut Diegel möchte den langjährigen Platzhirsch Wolfgang Jörg (SPD) bei der bevorstehenden Landtagswahl am 14. Mai das Direktmandat ins NRW-Parlament streitig machen. 2005 traten die Protagonisten der Volksparteien schon einmal gegeneinander an, und Jörg konnten sich bei seiner Premiere auf Landesebene als Nachfolger von Wilfried Kramps nur hauchdünn durchsetzen.

Die Stadt seiner Familie und seiner Freunde

„So knapp sollte es diesmal nicht werden“, befindet der bald 54-Jährige sich schon voll im Wahlkampfmodus: „Ich trete nicht etwa an, weil ich viel Freizeit habe“, kann er sich einen kleinen Seitenhieb auf seinen Mitbewerber kaum verkneifen, „sondern weil ich mich mit Hagen identifizierte, meine Familie und meine Freunde hier leben und ich diese Stadt weiterentwickeln möchte.“

„Ich freue mich jetzt auf den Wahlkampf, denn er bietet mir die Chance, meine Arbeit der letzten Jahre für Hagen zu dokumentieren“, begründet Jörg seinen Optimismus. Schließlich sei die aktuelle rot-grüne Landesregierung ein wahrer Glücksfall für Hagen. Er sei schon erstaunt gewesen, dass der Oberbürgermeister dies in seiner Weihnachtspost an die Rathaus-Mitarbeiter nicht ausdrücklich erwähnt habe: „Ein Dank an die Landesregierung hätte ihm keinen Zacken aus der Krone gebrochen – er ist zwar parteilos, aber parteiisch.“

50 Millionen Euro Zuschuss pro Jahr

Ausdrücklich hebt der aus Wehringhausen stammende Diplom-Sozialarbeiter, der heute auf Emst lebt, auf den NRW-Stärkungspakt ab, der Hagen zuletzt jährliche Finanzspritzen im Volumen von 36 Millionen Euro bescherte. Zudem hätte die Stadt von Änderungen des Gemeindefinanzierungsgesetzes, höheren Sozialleistungen sowie zahlreichen Landesprogrammen wie zum Beispiel „Soziale Stadt Wehringhausen“ profitiert.

„Insgesamt reden wir hier von jährlichen Zuschüssen deutlich jenseits der 50-Millionen-Euro-Marke. Da zahlt es sich eben aus, wenn seit 2005 mein Einfluss in der Fraktion kontinuierlich gewachsen ist.“ Keine Landesregierung habe für Hagen so viel getan wie diese, während in den Jahren unter CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers der Stadt immer nur in die Tasche gegriffen und Landeseinrichtungen abgezogen worden seien, so die gefestigte Politik-Wahrnehmung des SPD-Landtagsabgeordneten.

Plädoyer für wehrhaften Staat

Dazu gehört auch, dass der Kandidat der Hagener Sozialdemokraten im Wahlkreis 103 (Mitte, Hagen-Nord und Hohenlimburg) die Privat-vor-Staat-Gläubigkeit und den Verschlankungswahn des Hannelore-Kraft-Vorgängers anprangert: „Wir brauchen gerade in diesen Zeiten einen handlungsfähigen, wehrhaften Staat – daher haben wir die Zahl der Neueinstellungen bei der Polizei von 500 auf 2000 Beamte erhöht.“ Die permanenten Forderungen der CDU nach Haushaltskürzungen griffen auf Dauer zu kurz: „Konkrete Vorschläge bleiben sie immer schuldig.“

Konkret wird hingegen Jörg, wenn er seine persönliche Erfolgsbilanz ausrollt: „Ich habe in den vergangenen zwölf Jahren für meine Stadt gekämpft und nicht bloß an der Wand geschlafen“, schreibt sich der Abgeordnete den Abriss des Hoesch-Werks in Hohenlimburg, die Realisierung des Tierheims, die Förderung der Lutz-Bühne sowie des Hospizes, aber auch den Erhalt des Jugendcafés in Boele auf seine politischen Fahnen.

Türöffner in den Ministerien

Zudem habe er wiederholt für Hagener Unternehmen den Türöffner bei Ministerien und in der Landespolitik gespielt: „Ich betrachte es als meine Verpflichtung, mich für Arbeitsplätze und den Wirtschaftsstandort Hagen einzusetzen und im Dialog mit den Betrieben und Geschäftsführungen zu stehen.“

Aktuell stellt Wolfgang Jörg sein Wahlkampfteam und die Strategie für die nächsten Monate zusammen. Dabei möchte der Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in allen kinder-, jugend- und familienpolitischen Fragen versuchen, nicht bloß bei klassischen Auftritten in der Fußgängerzone und auf Marktplätzen, sondern auch bei Veranstaltungen mit Arbeitnehmern und Familien ins Gespräch zu kommen. Als Mitglied des Petitionsausschusses und Sprecher der Enquetekommission zur Zukunft der Familien sucht er regelmäßig den Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Bürger.

Rückenwind aus der Minister-Riege

Darüber hinaus erhofft sich Jörg zusätzlichen Rückenwind für seine erneute Kandidatur durch NRW-Innenminister Ralf Jäger, der anlässlich des Neujahrsempfangs der Hagener SPD (17. Feb.) an der Volme vorbeischaut, sowie von dessen Kabinettskollegen Walter Borjans, der als Finanzminister in Hagen die Zukunft der Steuerpolitik zur Diskussion stellt (20. Feb.).

Für intensive Hausbesuche à la Diegel findet der Genosse angesichts seiner Verpflichtungen als Abgeordneter allerdings erst nach den Osterferien die Zeit: „Ein Pensionär mit viel Tagesfreizeit als Gegenkandidat ist schon eine besondere Herausforderung.“ Ansonsten setzt er auf eine sachliche, inhaltliche Auseinandersetzung und einen respektvollen Umgang miteinander: „Ich hoffe nicht, dass andere in Populismus verfallen.“

>>HINTERGRUND: DAS ZWEITE DUELL

Der Hagener NRW-Landtagsabgeordnete Wolfgang Jörg (53) sitzt seit 2005 im Düsseldorfer Parlament. Als Direktkandidat aus Hagen setzte sich der Nachfolger von Wilfried Kramps als SPD-Newcomer damals denkbar knapp mit gut 500 Stimmen Vorsprung gegen CDU-Konkurrent Helmut Diegel durch.

Am 14. Mai 2017 (Muttertag) kommt es nun erneut zum Duell um das Direktmandat gegen Diegel. Dabei gibt sich der inzwischen im Landtag etablierte Jörg zuversichtlich, dass sein Vorsprung gegen den Ex-Regierungspräsidenten diesmal eindeutiger ausfällt als bei der Premiere vor zwölf Jahren.

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