Corona

Yasmin aus Hagen darf nicht mehr auf dem Schulhof lernen

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Yasmin T. aus Hagen sitzt nicht mehr allein auf dem Schulhof.

Yasmin T. aus Hagen sitzt nicht mehr allein auf dem Schulhof.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Yasmin T. aus Hagen darf nicht mehr per Laptop vom Schulhof aus am Unterricht teilnehmen. Sie sitzt nun in einem separaten Raum ihrer Realschule.

Yasmin T. sitzt nicht mehr allein in der Kälte auf dem Schulhof der Heinrich-Heine-Realschule in Hagen. Die 13-jährige Schülerin musste ihren öffentlichen Protest gegen die Teilnahme von ungeimpften Schülern und Lehrern am Unterricht am Donnerstagmorgen beenden. Schulleiterin Corinna Osman bat sie nach einem Gespräch mit der Schulaufsicht ins Schulgebäude und wies ihr ein leerstehendes Büro zu. Dort nimmt das Mädchen nun per Laptop am Unterricht seiner Klasse teil.

Die Schulleiterin wollte auf Anfrage am Donnerstag keine Details aus ihrer Unterredung mit der bei der Bezirksregierung in Arnsberg angesiedelten Schulaufsicht mitteilen. Dagegen antwortete Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung, auf die Frage, ob man die Schulleiterin angewiesen habe, das Mädchen aus der Kälte zu holen: „Sie müssen sich von der Vorstellung verabschieden, dass unsere Behörde par ordre du mufti agiert. Unsere Aufgabe ist Kommunikation.“

Jeweilige Sichtweisen berücksichtigen

In einer solchen Situation gehe es darum, sich aufeinander einzulassen und die jeweiligen Sichtweisen und Verpflichtungen zu berücksichtigen, so Söbbeler. Einerseits könne die Bezirksregierung die Motive von Yasmin nachvollziehen, nehme sie auch ernst und habe Verständnis dafür, dass sich die Schülerin um ihre Gesundheit sorge.

Andererseits habe eine Schule Fürsorgepflicht und Verantwortung dafür zu tragen, dass alle Schüler unter vernünftigen, angemessenen Bedingungen am Unterricht teilnehmen: „Und das ist draußen sicher nicht möglich“, so Söbbeler. Die Lösung, die man gefunden habe, sei ein separater Raum für Yasmin: „Dahingehend haben wir die Schule beraten.“

Ausschussvorsitzende kritisiert Umgang mit vorerkrankten Schülern

Drei Tage lang hatte die Schülerin aus der siebten Klasse bei eisigen Temperaturen auf dem Schulhof ausgeharrt und ganz bewusst die Öffentlichkeit gesucht, um Mitstreiter für ihr Anliegen zu finden. Das Mädchen aus Hagen hat nicht zuletzt wegen einer Vorerkrankung Angst vor einer Corona-Infektion und kämpft dafür, dass sich alle Schüler und Lehrer impfen lassen: „Mit Ungeimpften setze ich mich nicht mehr zusammen in einen Raum.“

Allerdings rief ihr Verhalten die Behörden auf den Plan. Das Hagener Jugendamt sah das Wohlergehen des Mädchens gefährdet und brachte eine Inobhutnahme von Yasmin ins Spiel, falls ihre Gesundheit gefährdet werden könnte. Zugleich äußerte man im Rathaus Verständnis für das eigentliche Motiv ihrer Aktion, die Impfpflicht für Schüler und Lehrkräfte.

Nicole Pfefferer (Grüne), Vorsitzende des Schulausschusses in Hagen, sagte, ihr blute angesichts der Aktion von Yasmin das Herz: „Den Kindern ist in der Pandemie so viel abverlangt worden.“ Es sei traurig, dass noch immer keine Voraussetzungen dafür geschaffen worden seien, für Schüler mit Vorerkrankungen eine sichere Form des Unterrichts zu finden.

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