Kultur

Zeitreise bei Steampunk-Picknick im Freilichtmuseum in Hagen

Zeitreisende beim Steampunk-Picknick (von links): Saskia Schürmann, Tobias Kurzawa, Clara Lina Wirz und Anja Bagus.

Zeitreisende beim Steampunk-Picknick (von links): Saskia Schürmann, Tobias Kurzawa, Clara Lina Wirz und Anja Bagus.

Foto: Jens Stubbe

Selbecke.   Steampunk ist eine Bewegung, die aus der Perspektive der Kaiserzeit in eine mögliche Zukunft blickt. Anhänger der Bewegung treffen sich in Hagen.

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Langsam klappt sie die Buchdeckel auseinander und gibt den Blick auf das Innere frei. Zwischen leicht vergilbten Seiten liegt sanft eingebettet diese oft verfluchte Errungenschaft der Moderne. An ein Smartphone vermochte in viktorianischer Zeit niemand zu denken.

Andere Visionen hatten die Menschen sehr wohl. Daran orientiert sich der „Steampunk“ – eine Bewegung, die Kunst, Musik, Literatur und Mode umfasst.

Ein individuelles „Telefonbuch“

Clara Lina Wirz ist infiziert. Sie blickt auf das Handy und lächelt. „Gut geschützt, oder“, sagt sie und schlägt ihr „Telefon-Buch“ wieder zu. Eine Handyhülle – individuell, einzigartig, ihrer Phantasie entsprungen. Zu sehen ist diese Kreation neben zahllosen weiteren vor einer Kulisse, die wie geschaffen scheint für eine futuristische Zeitreise in die Vergangenheit. Beim Steampunk-Picknick im Freilichtmuseum am Sonntag, 20. August.

Durch das Nähen ist Clara Lina Wirz (heute Buchautorin über die Subkultur und Inhaberin einer Steam­punk-Event-Agentur) auf die Szene aufmerksam geworden, die seit Ende des letzten Jahrhunderts aufblüht. „Ich habe nach einem bestimmten Schnittmuster gesucht, bin im Internet auf einer Steampunk-Seite gelandet und war fasziniert“, sagt Clara Lina Wirz. Diese Faszination hat sie bis heute nicht mehr losgelassen.

Steampunkt reduziert sich nicht auf exotische Kostüme

„Für die meisten ist Steampunk mehr als sich an einem Wochenende mal in ein exotisches Kostüm zu werfen und ein Event zu besuchen“, sagt Clara Lina Wirz. „Er hält nach und nach Einzug in den Alltag.“ Second-Hand tritt an die Stelle von Massenproduktion, Künstlernamen erscheinen in Personalausweisen, die Ästhetik der fantastischen Epoche spiegelt sich in der eigenen Wohnug wider.

Das Teilen von Wissen spielt eine große Rolle. „Maker sind bei uns diejenigen, die oft mit althergebrachten Techniken kleine Maschinen oder abgewandelte Produkte als Kunstwerke entwickeln. Und der Entstehungsprozess ist kein wohlgehütetes Geheimnis.“

Nicht alles soll realistisch sein

Dabei steht für die Mitglieder der Szene der Spaß im Vordergrund. „Es gibt ja auch Menschen, die das Mittelalter fasziniert und die Ritterspiele gemeinsam feiern“, sagt Anja Bagus, „bei denen gibt es manchmal strengere Regeln und Vorgaben. Bei uns steht mehr der Spaß im Mittelpunkt. Es muss nicht alles realistisch und möglichst authentisch sein. Die Hauptsache ist, dass es in das Universum passt, das man sich selber ausgedacht hat.“

Auch den Alltag der Heilpraktikerin und Autorin prägt der Steampunk mehr und mehr: „Wenn einen einmal der Ehrgeiz zum Individuellen gepackt hat, geht man nicht mehr achtlos an einem Haufen Sperrmüll vorbei“, sagt sie. „Man trifft sich auf Trödelmärkten, man tauscht sich aus. Und so bringt eine Bewegung ganz unterschiedliche Leute zusammen, die sich sonst nicht begegnet wären.“ So wie am übernächsten Sonntag im Freilichtmuseum.

>>HINTERGRUND: ANDERER ZUGANG

  • Für das Freilichtmuseum passt der Steampunk perfekt in die Zeit, die im Mäckinger Bachtal im Fokus steht.
  • Gleichzeitig ermöglicht das Steampunk-Picknick „Zeitreise Hagen“ den Besuchern einen anderen Zugang zum Museum und seinen Inhalten.
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