Nachhaltigkeit

Zertifikat „faire Kita“ in Hagen Mangelware

Kita-Leiterin Susanne vom Ort und Faire-Kita-Projektleiterin Claudia Pempelforth (hinten von links) werben engagiert für Nachhaltigkeit. Max, Max, Emilia und Hananh (im Bild vorne von links) machen beim Umwelt- und Klimaschutz mit.

Kita-Leiterin Susanne vom Ort und Faire-Kita-Projektleiterin Claudia Pempelforth (hinten von links) werben engagiert für Nachhaltigkeit. Max, Max, Emilia und Hananh (im Bild vorne von links) machen beim Umwelt- und Klimaschutz mit.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  In Hagen gibt es nur zwei Einrichtungen, die sich offiziell „faire Kita“ nennen dürfen. Projektleiterin Claudia Pempelforth bedauert das.

In Hagen gibt es gerade einmal zwei Kindertagesstätten, die das Zertifikat „Faire Kita“ offiziell tragen dürfen – von insgesamt 105 Einrichtungen in unserer Stadt. „Eine traurig geringe Zahl, besonders wenn man bedenkt, dass sich Hagen ,Fair Trade City’ nennt“, resümiert Projektreferentin Claudia Pempelforth vom Netzwerk Faire Metropole Ruhr.

Sie hofft, dass sich demnächst weitere Einrichtungen auf den Weg, auf dem Nachhaltigkeit groß geschrieben wird, machen.

Leinenbeutel statt Plastiktüte

Ein Besuch in der fairen Paul-Gerhardt-Kita: „Man kann nicht früh genug anfangen, denn es lohnt sich. Schon nach kurzer Zeit war es für unsere Kinder ganz normal, dass sie ihre Turnschuhe nicht mehr in einer Plastiktüte, sondern im Leinenbeutel mitbringen“, erzählt Susanne vom Ort. Sie ist die Leiterin der Paul-Gerhardt-Kindertagesstätte, eine von zwei Einrichtungen in Hagen, die das Logo „Faire Kita“ tragen dürfen. 2017 ist die Kita in Boelerheide ausgezeichnet worden, „seitdem haben wir die Schlagwörter Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Fairness in unseren Jahresthemen-Kalender eingebaut“, sagt Susanne vom Ort.

Der Kindergarten Unterm Regenbogen am Ischeland war der erste in Hagen, der sich 2015 hat zertifizieren lassen. Die Einrichtung, die knapp 80 Kinder besuchen, wird von Anke Henselein geleitet. 2018 hat sich die Kita erneut zertifizieren lassen. „Ja, das Logo erhält man nicht ,auf Lebenszeit’, alle drei Jahre muss sich eine Einrichtung erneut auszeichnen lassen“, erläutert Claudia Pempelfort. Seit 2010 ist Pempelforth Projektreferentin „Faire Kita“ und versichert, dass es nicht besonders aufwändig und kompliziert sei, besagtes Logo – natürlich kostenlos – zu bekommen.

Wohl Furcht vor Mehrarbeit

Gleiches bestätigt Kita-Leiterin Susanne vom Ort, „ich vermute einfach, dass meine Kollegen aus anderen Einrichtungen Mehrarbeit fürchten und deshalb nicht ,Faire Kita’ werden möchten. Aber es ist weder mit viel Schreibkram noch mit einem Vorbereitungsmarathon verbunden. Wir machen einiges anders, aber nicht mehr.“ Eins sei klar , sagt die Leiterin, ohne die Eltern laufe nichts. „Wir nehmen die Eltern mit ins Boot, damit auch in den Haushalten die Umwelt einen größeren Stellenwert bekommt. Und die Kinder tragen den Gedanken ja auch in die Familien. Seitdem es immer mehr Bioprodukte auch bei Discountern und in Supermärkten zu erschwinglichen Preisen gibt, ist das Argument ,zu teuer’ zumindest ein wenig entkräftet.“

Frühstück mit Nüssen und Honig

Wie sich „faire trade“ in der Kita bemerkbar macht? Einmal pro Woche gibt es ein Frühstück mit fair gehandelten Produkten wie Obst, Nüsse, Honig, Vollkornbrot. Das Mittagessen, das von einem Caterer geliefert wird, besteht nicht rein aus Bioprodukten, „leider wäre das zu teuer, aber wir achten darauf, dass zumindest ein Teil aus fair gehandelter Ware zubereitet wird“.

Die Auflagen, die erfüllt werden müssen, um sich faire Kita nennen zu dürfen (zum Beispiel muss ständig ein faires Produkt für Erwachsene und eins für Kinder ausgegeben werden), sieht Susanne vom Ort nicht als Problem an, „wir Erwachsene trinken fairen Kaffee, unsere Kinder fairen Tee – was ist daran kompliziert?“. Außerdem kämen nur fairer Orangensaft und faire Schokolade auf den Tisch, „und in der Adventszeit haben wir Knusperhäuser aus fairem Honig und fairer Schokolade gebastelt“.

In beiden fairen Kitas geht es übrigens nicht nur um nachhaltige Lebensmittel. Auch Begriffe wie fair play (zum Beispiel beim Fußballspielen), Kultursensibilität und Waldpädagogik haben Einzug in den Alltag gefunden.

„Und natürlich trennen wir gemeinsam mit den Kindern auch den Müll und achten darauf, dass das Licht nicht ständig in allen Räumen brennt und dass nicht zu viel Wasser beim Zähneputzen verschwendet wird“, unterstreicht Susanne vom Ort.

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