Geschichte

Zu teuer: Stadt Hagen will Prentzel-Büste nicht reparieren

Die Büste von August Prentzel, nachdem sie die Polizei wieder erhalten hatte,

Die Büste von August Prentzel, nachdem sie die Polizei wieder erhalten hatte,

Foto: Polizei Hagen

Hagen.   Metalldiebe hatten sie vom Friedhof gestohlen und beschädigt. Doch die Stadt will die Büste von Bürgermeister August Prentzel nicht reparieren.

Die Büste des ehemaligen Hagener Bürgermeisters August Prentzel soll nach dem Willen der Stadtverwaltung nicht repariert werden und auch nicht auf den Remberg-Friedhof zurückkehren. Es soll auch keine Replik – also Kopie – der Bronze-Büste hergestellt werden. Beides erachtet die Stadt als zu teuer.

Stattdessen soll die Büste, die im November 2016 vom Friedhof gestohlen worden war und im Januar 2017 dank des Hinweises eines Metallhändlers beschädigt wieder auftauchte, in diesem Zustand im Stadtmuseum ausgestellt werden. Als letzte Hoffnung dient die Privat-Initiative des Foto-Designers Stefan Fuhrmann. Er will Unternehmen und Kunst-Interessierte finden, die eine Replik der Büste finanzieren.

Ein Blick zurück: August Prentzel, so sieht es auch die Stadtverwaltung, sei durch seine von 1876 bis 1900 währende Amtszeit als Bürgermeister „zweifellos eine der die Stadtgeschichte prägenden Persönlichkeiten“. So habe sich in seiner Amtszeit die Einwohnerzahl Hagens von 25 000 auf 50 000 verdoppelt. Anfang des 20.Jahrhunderts hatte die Stadt Prentzel auch ein monumentales Ehrengrab mit der Büste und einem Bronzewappen der Stadt auf demRemberg-Friedhof errichtet.

Von Remberg-Friedhof gestohlen

Als mehr als 100 Jahre später im November 2016 die Buntmetall-Diebe auf dem Remberg-Friedhof zugeschlagen hatten, war die Empörung in Hagen groß. Und auch die Erleichterung, als sie im Januar wieder auftauchte. Die Diebe hatten die Büste einem Metallbetrieb in Iserlohn-Sümmern angeboten. Der Besitzer hatte aber den WP-Bericht über den Diebstahl gelesen und informierte die Polizei. Zwei Tatverdächtige konnten ermittelt werden.

Doch danach war die Büste beschädigt und sie ist, so die Stadtverwaltung, „in einem Zustand, der es nicht gestattet, sie wieder ohne weitere Erhaltungsmaßnahmen an ihren alten Standort“ zu bringen.

Bis zu 5900 Euro Kosten

Mögliche Alternativen wurden laut Stadt geprüft: Ein spezialisiertes Restaurierungsatelier aus Duisburg, mit dem die Denkmalbehörde schon öfter zusammengearbeitet habe, habe für die Reparatur einen Betrag von 5000 bis 6000 Euro veranschlagt, für die Neuerstellung des ebenfalls gestohlenen, aber nicht mehr aufgetauchten Wappens würden wohl 4000 bis 4500 Euro fällig.

Der Hagen Maler und Bildhauer Uwe Will nahm sich auch der Sache an. Er ließ die Büste von einem Fachunternehmen unter die Lupe nehmen. Dessen Fazit: Die etwa 114 Jahre alte Büste sei gar nicht mehr reparierbar. Stattdessen solle eine Replik, also eine Kopie, hergestellt werden. Kostenpunkt: 5914 Euro. Wenn das gestohlene Wappen auch noch ersetzt werden sollte, wären zusätzlich 1926 Euro fällig.

Beides erachtet die zuständige Stadtkanzlei, die Oberbürgermeister Erik O. Schulz direkt unterstellt ist, als zu teuer. Der Vorschlag von dort: Die beschädigte Büste soll in dem Zustand ins Stadtmuseum wandern, „da die Beschädigungen zur Geschichte des Objekts gehören.“ Am Grabmal soll eine kleine Infotafel an die Büste und das Wirken August Prentzels erinnern. Abwenden kann das Ganze wohl nur die Sponsorensuche von Stefan Fuhrmann. Dessen Vorschlag, so die Stadt, soll in den kommende Woche überprüft werden.

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