Natur

Zurückgetretener Jäger-Chef: „Genieße es, im Wald zu sein“

Die FDP Hagen hat am 1. März 2019 Lars-Peter Hegenberg zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Die FDP Hagen hat am 1. März 2019 Lars-Peter Hegenberg zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Foto: Michael Koch

Hagen.   Lars-Peter Hegenberg ist neuer FDP-Vorsitzender in Hagen und als Vorstand der Kreisjägerschaft zurückgetreten.

Lars Peter Hegenberg (55) ist nach zehn Jahren vom Amt des Vorsitzenden der Kreisjägerschaft Hagen zurückgetreten. Er hat den Posten des Vorsitzenden der Hagener FDP übernommen. Im Gespräch der Woche redet er über Waidgerechtigkeit, die Rückkehr der Wölfe und die Liebe zur Natur.

Warum haben Sie den Vorsitz der Jägerschaft aufgegeben?

Lars-Peter Hegenberg: Weil ich jetzt FDP-Vorsitzender bin und beiden Ämtern gleichzeitig nicht hundertprozentig gerecht werden, und man nutzt sich ja auch ab, das ist wie bei einem Fußballtrainer. Irgendwann setzt man keine neuen Impulse mehr.

Wie sind Sie überhaupt zur Jägerei gekommen?

Ich war vorbelastet durch meinen Onkel in Österreich, der hat mich oft mitgenommen zur Jagd. Aber den Jagdschein habe ich erst mit 32 gemacht. Mich hat das ganze Drumherum fasziniert, das Beobachten der Tiere, die Entscheidung, welche man schießt und wie man einen gesunden Wildbestand erhält, aber auch die Geselligkeit.

Geht es unter Jäger nicht sehr derb zu?

Nein, zumal immer mehr Frauen heutzutage als Jägerinnen aktiv sind. Es gibt viel Brauchtum, viele ungeschriebene Gesetze. Das ist nicht jedermanns Sache, aber mir macht es Spaß.

Ungeschriebene Gesetze?

Ja, wie man Waidgerechtigkeit definiert. Man schießt zum Beispiel keinen Fasan aus fünf Metern Entfernung, man lässt dem Tier eine faire Chance. Der Jäger hegt und schützt das Wild, er sieht den Schöpfer im Geschöpfe.

Von der Liebe zur Natur sprechen Sie gar nicht...

Weil ich die bei einem Jäger voraussetze. Ich genieße es im Wald zu sein, und zwar zu allen Jahreszeiten. Aber meine Lieblingszeiten sind der Frühling und der Herbst. Sie stehen für das Werden und Vergehen. Ein Ansitz oder eine Pirsch sind für mich wie ein Kurzurlaub. Ich bin gern alleine mit mir und der Natur. Mein Handy steht eigentlich immer auf Empfang, aber im Wald stelle ich es aus.

Was lag Ihnen als Jägerchef denn besonders am Herzen?

Ich war ja auch Mitglied im Landesvorstand der Jäger, und der Kampf gegen das Jagdgesetz des ehemaligen Umweltministers Johannes Remmel (Grüne) hat mich stark beschäftigt. Weil dieses Gesetz ideologisch motiviert und nicht an der Jagdpraxis orientiert war. So war die Wildschweinjagd zum Beispiel mit Einschränkungen verbunden, die eine waidgerechte Bejagung fast unmöglich machten.

Apropos Wildschweine: Die stellen in Hagen ein großes Problem dar.

Und ich sehe auch keinen wirklichen Lösungsansatz. Vielleicht sollte man für die Schwarzwildjagd Nachtsichtgeräte freigeben, mit denen man auch im Dunkeln schießen kann. Das wäre tierschutzgerecht, denn wir wollen die Tiere ja töten und nicht verletzen. Damit könnte man den Bestand vielleicht reduzieren. Aber solche Techniken sind verboten.

Und wie stehen Sie zur Rückkehr der Wölfe?

Wenn Wölfe passende Lebensräume vorfinden, vor allem zusammenhängende Waldgebiete, ist das kein Problem. Aber unsere Landschaft ist urbanisiert, verinselt, zergliedert. Wenn die Wolfspopulation tatsächlich stark zunehmen sollte, wird man früher oder später über ein Wildtiermanagement, also Abschüsse, reden müssen. Ich fürchte nur, es muss erst etwas passieren, bevor es dazu kommt.

Was soll denn passieren? Wölfe tun dem Menschen doch nichts.

Das ist nicht richtig. Ich würde Kinder nicht allein in einen Wald, in dem sich Wölfe befinden, gehen lassen. Es gibt nicht den bösen Wolf, aber es handelt sich um ein wildes Raubtier. Um ein Raubtier, das keine natürlichen Feinde hat und irgendwann auch den Menschen nicht mehr als Gefahr wahrnehmen wird.

Ein anderes, viel diskutiertes Thema ist das Artensterben in Deutschland...

Das bereitet mir große Sorgen. In dieser Hinsicht bin ich ganz klar ein Grüner. Ich habe einen wilden Garten, in dem es von Insekten wimmelt. Schotter- und Steingärten lehne ich ab. Was Bienen brauchen, finden sie doch in der Natur nicht mehr.

Auch das Klima droht zu kippen. Wie stehen Sie zur Fridays-for-future Bewegung, die ja auch in Hagen wirkt?

Ich stehe voll hinter den Schülern, meine Tochter demonstriert dort übrigens mit. Wir wollen uns nichts vormachen, in den Ferien wäre die Teilnehmerzahl geringer, aber das ändert nichts daran, dass dort junge Leute mit viel Idealismus unterwegs sind.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben