Bildung

Zuwandererschule in Hagen: Integration durch Abfallpädagogik

Abfallpädagoge Christopher Viardo vom HEB an der Zuwandererschule in Halden

Abfallpädagoge Christopher Viardo vom HEB an der Zuwandererschule in Halden

Foto: Heuel

Halden.   Abfallpädagoge Christopher Viardo weihte Jugendliche der Zuwandererschule in Halden vier Tage lang in die Geheimnisse der Abfallverwertung ein.

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Die hierzulande praktizierte Mülltrennung stellt für viele Zuwanderer ein Rätsel dar. Aus ihren Heimatländern ist ihnen die Praxis, den Abfall nach Fraktionen zu sortieren und wieder aufzubereiten, weitgehend unbekannt. Genau das müssen sie aber lernen, sonst kann ihre Integration in Deutschland kaum gelingen. „Man kann gar nicht früh genug anfangen, ihnen das beizubringen“, sagt Christopher Viardo (36).

Viardo arbeitet in der Unternehmenskommuniaktion des Hagener Entsorgungsbetriebs (HEB) hat eine Weiterbildung zum Abfallpädagogen absolviert. Und als solcher weihte er Jugendliche der Zuwandererschule in Halden vier Tage lang in die Geheimnisse der bundesdeutschen Abfallverwertung ein.

Die Jungen und Mädchen lernten – Verständigungsprobleme wurden mit Piktogrammen überwunden –, was Restmüll und Altpapier sind, welche Verpackungen in den Gelben Sack gehören und welche Flaschen in den Pfandautomaten bzw. in den Glascontainer. „Sie lernen gut“, staunte Viardo: „Die Schüler besitzen eine schnelle Auffassungsgabe.“

Konzept setzt sich durch

Bereits seit drei Jahren schult der HEB Kinder und Jugendliche im richtigen Umgang mit Müll und sensibilisiert sie für Abfallvermeidung und Recycling. „An unseren Programmen haben schon über 3000 Schüler teilgenommen“, so Unternehmenssprecherin Jacqueline Jagusch. Sie sei gespannt gewesen, wie das Angebot an der Zuwandererschule aufgenommen werde: „Und jetzt bin ich positiv überrascht, wie lernbereit und wissbegierig die Kinder sind.“

Entgegen ideologisch gefärbter Kritik scheint sich das Konzept der erst im September eröffneten Schule durchzusetzen. Eigentlich nur gegründet, weil an den Regelschulen in Hagen kein Platz mehr für weitere Kinder aus Flüchtlings- und Zuwandererfamilien war, fördert die Schule genau das, was ihre Gegner ihr absprechen wollen: die Integration.

Sprache immer im Mittelpunkt

Ob Sprach- oder Fachunterricht, das Erlernen der deutschen Sprache stehe immer im Mittelpunkt, so Schulleiterin Ulrike Tollkötter: „Die Schule und mit ihr die Schüler haben sich sehr gut entwickelt. Dieses abfallpädagogische Projekt etwa wäre im vergangenen Jahr noch nicht möglich gewesen.“

Sobald ein Schüler angemessene Sprachkenntnisse erworben hat, darf er an eine „richtige“ Schule wechseln. Immerhin 33 Prozent der rund 100 Schüler in Halden sind Analphabeten, bei vielen sind die motorischen Fähigkeiten eingeschränkt und werden durch Schrifttraining gestärkt: „Eine solche Herausforderung wäre an einer Regelschule nicht zu stemmen“, betont Frau Tollkötter.

Abfallpädagoge Viardo gab den Schülern mit auf den Weg, sie seien jetzt Experten: „Ihr wisst, wie man den Müll trennt. Gebt euer Wissen nun an eure Eltern und Geschwister weiter.“ Dann kommen die Familien mit der Integration schneller voran.

>>Hintergrund: Aktion „Sauberes Hagen“

  • Der Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) hat eine Fibel herausgegeben, die in 13 Sprachen erklärt, wie Müll sortiert wird.
  • Die Zuwandererschule in Halden wird sich heute an der 14. Aktion „Sauberes Hagen“ beteiligen. Bewaffnet mit Gummihandschuhen und Müllsäcken, säubern die Schüler das Umfeld ihrer Einrichtung.
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