Tiere

Zwei Eisvögel aus Hagen werden in Dortmund aufgepäppelt

Einer der beiden verletzten Eisvögel aus Hagen.

Einer der beiden verletzten Eisvögel aus Hagen.

Foto: Tierschutzverein Hagen

Hagen.  Das hat man beim Hagener Tierschutzverein noch nicht erlebt: Zwei offenbar traumatisierte Eisvögel wurden in die Obhut einer Station gebracht.

Gesund ist zumindest schon einmal der Appetit. Und das ist ein gutes Zeichen. 15 kleine Fische verdrückt dieser kleine Vogel mit dem langen Schnabel, bei dem man den Eindruck bekommen könnte, dass das Volumen seiner Nahrung das seines eigenen Körpers um ein Erhebliches übersteigt. Also muss wohl auch die Verdauung gesund sein. „Aber“, sagt Ewald Ferlemann, „er kann sich noch nicht alleine auf einem Ast halten und alleine fliegen.“

Ewald Ferlemann ist so eine Art Krankenpfleger und Ernährungs-Kümmerer in Personalunion. Der Dortmunder hat sich darauf spezialisiert, wilde Vögel wieder aufzupäppeln. Unter seinen Gästen: zwei Eisvögel aus Hagen. Der eine hat nach gut einer Woche Aufpäppeln die Pflegestation wieder verlassen können und ein neues Zuhaus in den Ruhrauen gefunden, der andere – erst seit drei Tagen Gast in Dortmund – frisst Ferlemann im übertragenen Sinne die Fische vom Kopf.

Mögliches „Anflugtrauma“

„Dass er so gut isst, deute ich mal als ein gutes Zeichen“, sagt Ferlemann über seinen Gast aus Hagen. „Ich hoffe, dass es mit ihm jetzt auch schon sehr bald bergauf geht.“

Über den Tierschutzverein Hagen sind die Eisvögel nach Dortmund gekommen. Und das ist durchaus eine Besonderheit: „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals Eisvögel aufgegriffen haben“, sagt Birgit Ganskow, Vorsitzende des Hagener Vereins, die sich bereits seit Jahrzehnten mit Leidenschaft für den Tierschutz engagiert. „Und jetzt gleich zwei innerhalb einer Woche, beide mit ähnlichen Symptomen, offenbar flugunfähig ohne sichtbare äußere Verletzung.“

Für die Tierschützerin kommt ein sogenanntes „Anflugtrauma“ in Frage. „Es kann sein“, so Ganskow, „dass die Vögel irgendwo mit hohem Tempo gegengeflogen sind und sich nun zunächst nicht mehr trauen aufzusteigen.“

Allerlei kleinere Wildtiere

Ein Phänomen, das Ganskow und ihr Team vom Hagener Tierschutzverein durchaus von anderen Vögeln kennen. Mit denen und mit allerlei kleineren Wildtieren und ihren Einschränkungen und Verletzungen haben es die Hagener Tierschützer immer wieder zu tun. „Wir bringen Wildtiere in aller Regel zu Auffangstationen in der Region“, sagt Birgit Ganskow, „für nahezu jede heimische Spezies kennen wir einen Experten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, kranke oder verletzte Tiere wieder aufzupäppeln.“ Insgesamt legen die Hagener Tierschützer deshalb in jedem Jahr zwischen 5000 und 8000 Kilometern zurück.

„Wer einem Wildtier helfen möchte, der braucht ungemeines Wissen“, sagt Birgit Ganskow, die die Bürger eindringlich davor warnt, selbst ein verletztes Wildtier bei sich aufzunehmen. „In der Regel ist das Leid, das man dem Tier unbewusst zufügt, indem man beispielsweise das falsche Futter gibt, groß.“

Besser sei es, den Tierschutzverein zu kontaktieren, der extra ein Notfall-Handy eingerichtet hat (0176-30426073). „Wir holen die Tiere ab und bringen sie dann in aller Regel direkt zu einem Experten“, so Birgit Ganskow. Ziel sei es immer, dass die Tiere schon nach wenigen Tagen wieder in die Freiheit entlassen werden können. So wie der erste Hagener Eisvogel, den Ewald Ferlemann erfolgreich aufgepäppelt hat.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben