Ausbildung

Arbeitsagentur: Ausbildungs-Bewerber sind älter als früher

Bestattungsfachkraft ist ein eher ungewöhnlicher Ausbildungswunsch. Ein Hattinger hat diesen Weg jetzt eingeschlagen. Unser Bild zeigt Azubi Marco Ortmann mit seinem Chef Gregor Stratmann aus Bottrop.

Bestattungsfachkraft ist ein eher ungewöhnlicher Ausbildungswunsch. Ein Hattinger hat diesen Weg jetzt eingeschlagen. Unser Bild zeigt Azubi Marco Ortmann mit seinem Chef Gregor Stratmann aus Bottrop.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Die Arbeitsagentur freut sich, dass sich der Ausbildungsmarkt entspannt hat. Aber: Es gibt immer noch einen Bewerber-Überhang in Hattingen.

Ein Blick auf den aktuellen Aus­bildungsmarkt bringt für die Arbeitsagentur eine klare Erkenntnis: Die Bewerber werden immer älter – weil sie länger für die Schule brauchen; weil sie ihr Studium abgebrochen haben; weil sie aus einem anderen Beruf kommen.

Die Schülerstruktur ist zunehmend heterogen, sagt die Fachfrau

„Darauf müssen Arbeitgeber sich einstellen“ erklärt Nicole Zargus, Teamleiterin Berufsberatung bei der für Hattingen zuständigen Agentur. „Die Schülerstruktur ist zunehmend heterogen.“

Ja, es gibt sie noch, die außergewöhnlichen Berufswünsche: So hat ein Azubi gerade mit der Ausbildung zur Bestattungsfachkraft in Hattingen angefangen, ein anderer wird Brauer und Mälzer. Beliebt seien aber vor allem die klassischen Ausbildungsberufe wie medizinische Fachangestellte, Berufe in der Metallwirtschaft oder kaufmännische Ausbildungsberufe.

67 freien Lehrstellen stehen in dieser Woche 77 Bewerber gegenüber

Nicole Zargus freut sich, dass sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt entspannt hat, „aber es besteht nach wie vor im gesamte Ennepe-Ruhr-Kreis, auch in Hattingen, ein Bewerber-Überhang“. Konkret heißt das: 67 freien Lehrstellen, die es in dieser Woche noch in der Stadt gibt, stehen 77 Bewerber gegenüber.

Eine weitere Erkenntnis: „Die Zahl der gemeldeten Bewerber ist rückläufig, viele suchen einen Studienplatz und keine Ausbildung“, erklärt Zargus, die auch für die Geschäftsstelle der Arbeitsagentur im Henrichspark zuständig ist. „Wir zeigen Schülerinnen und Schülern Alternativen dazu auf, um bei eher schwächeren Schülern un­liebsame Studienabbrüche zu vermeiden.“

Flexibilität ist von Arbeitgebern und Bewerbern gefordert

Was auffällt: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen steigt, so die Arbeitsagentur – aber auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen. „Grundsätzlich ist gedank­liche Flexibilität von Arbeitgebern sowie Bewerbern gefordert“, meint die Fachfrau Zargus.

Für junge Menschen gelte: „Die Welt ist hinter den Kreisgrenzen nicht zu Ende. Wer bereit ist, in eine andere Stadt zu pendeln oder gar umzuziehen, der kann auch persönlich während der Ausbildung eine ganze Menge mitnehmen und Neues kennenlernen.“

Mancher junge Mensch braucht noch Unterstützung in seiner Entwicklung

Für Arbeitgeber gelte: „Mancher junge Mensch, der aus der Schule kommt, braucht noch ein wenig Unterstützung in seiner Entwicklung. Wer bereit ist, diese Unterstützung zu geben, kann sich meist am Ende über einen motivierten Mitarbeiter mit einer sehr hohen Betriebsbindung freuen.“

Keine Überraschung ist indes, dass Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe und auch im Handwerk immer unbeliebter werden, was meist mit den Arbeitszeiten und der hohen Belastung zu tun hat. „Ausnahme: Tischler“, so die Agentur.

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