WAZ öffnet Pforten

Auf dem Logenplatz im Kino Lichtburg in Hattingen

Im Kinosaal der ehemaligen Lichtburg an der Heggerstraße ist der Balkon noch erhalten.

Im Kinosaal der ehemaligen Lichtburg an der Heggerstraße ist der Balkon noch erhalten.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Mit „WAZ öffnet Pforten“ besuchen Leser das 1971 geschlossene Kino in Hattingen. So sieht der Saal der Lichtburg über dem Ein-Euro-Shop heute aus

Ein Mal noch in Hattingen ins Kino gehen: Dieser Wunsch ging für einige WAZ-Leser jetzt in Erfüllung. Im Rahmen von „WAZ öffnet Pforten“ durften sie noch einmal die Loge der ehemaligen Lichtburg besuchen. Einen Film gab es zwar nicht zu sehen, dafür erzählte Lars Friedrich, Vorsitzender des Heimatvereins Hattingen, viele spannende und amüsante Anekdoten aus der Kinogeschichte.

Kinos in Hattingen auch am Weiltor und an der Johannisstraße

Das Haus an der Heggerstraße 34 mit dem Ein-Euro-Shop wirkt unscheinbar. Erst, als die Gruppe sich von hinten nähert, fällt auf, wie groß das Gebäude tatsächlich ist. „Ach, hier ist das“, raunen sich die Besucher zu. Lars Friedrich erzählt von einem anderen, dem Weiltorkino, an das sich viele hier auch noch erinnern können. Auch die Erwähnung des Kinos in der „Glocke“ an der Johannisstraße wird mit einem Nicken quittiert.

Die WAZ-Leser erfahren, dass, um die Lizenz für die Lichtburg zu erhalten, deren Betreiber, Filmpionier Drenhaus, sein Kino in Welper schließen musste. Denn zwei so große Kinos in Hattingen wollte das Reichspropagandaministerium nicht genehmigen.

Lichtburg schließt 1971

Über eine steile Stahltreppe geht es für die Besucher schließlich dorthin, wo seit 1971 kein Streifen mehr über die Leinwand geflackert ist. Wo einst das obere Foyer, das über eine geschwungene Treppe zu erreichen war, Kinobesucher mit Nierentischen und Sitzgelegenheiten empfing, hat heute Anne Gethmann-Siefert ihr Atelier. Am Eingang erinnern alte Fotos an die Kino-Vergangenheit dieses Ortes.

Und dann geht es für die WAZ-Leser durch den rechten Eingang hinaus auf den Balkon des alten Kinosaals. Hier stehen noch die hintersten zwei Reihen mit Klappsitzen. Auch vorn, zur Brüstung hin, sind die abgetrennten Logen mit ihren Stuhlreihen noch erhalten.

Erste Filme „Sieben Ohrfeigen“ und „Schwarzwaldmelodie“

Verblichene blaue Vorhänge erinnern daran, wie es hier einst aussah – nach der großen Renovierung 1956, wie Lars Friedrich berichtet. Die „Schwarzwaldmelodie“ war der erste Film, der hier nach der Neugestaltung gezeigt wurde.

Damals gab es die Lichtburg an der Heggerstraße schon fast 20 Jahre. Denn zum ersten Mal lief hier am 8. Oktober 1937 ein Film über die Leinwand – „Sieben Ohrfeigen“ hieß der. Und zu dieser Zeit sah die Lichtburg noch anders aus. Beigefarben mit roten und weißen Zierstreifen waren die Wände. Das sehen die Besucher an der Stelle, an der ein Stück des blauen Vorhangs fehlt.

Pierre Brice begeistert als Winnetou

Nicht mehr vorhanden ist dagegen heute die Leinwand. Denn wo es einst hinabging, in die unteren Reihen des Saals, ist heute eine Zwischendecke eingezogen, darunter das Ein-Euro-Geschäft. Holzleisten halten die Konstruktion.

Die meisten Teilnehmer der Führung waren damals, als es die Lichtburg noch gab, hier im Kino. „Aber unten, die Loge war für uns unerschwinglich“, sagt Walli Stock. Sie erinnert sich an das Eiskonfekt im Kino und wie sie hier die Winnetou-Filme schaute – für Pierre Brice schwärmte. „Den hatte ich in lebensgroß über dem Bett hängen“, berichtet sie lachend.

Unterdessen nimmt Anne Stein in einer der Logen Platz. „Das ist aber bequem“, findet sie und legt entspannt die Füße hoch. Fehlt nur noch der passende Film.

Einer der letzten Filme mit Uschi Glas

Auch Erika Vedder nahm früher häufiger auf den Kinostühlen Platz, denn ihre Tante war Kartenabreißerin in der Lichtburg. Acht oder neun Jahre war Vedder da alt. „Ich dachte nicht, dass das hier noch existiert“, staunt sie beim Besuch des seit 48 Jahren geschlossenen Kinos. Michaela Kunzmann erinnert sich unterdessen an ihre eigene Kinovergangenheit als Jugendliche. „Ich habe die Schaukästen und Leuchtreklamen gestaltet“, erklärt sie.

Einen der letzten Filme, die dort gezeigt wurden, hat Reinhard Bruns gesehen. „Das war ‘Verliebte Ferien in Tirol’ mit Uschi Glas“, berichtet er. Bruns erinnert sich, wie traurig er – damals 27 Jahre alt – bei der letzten Vorstellung gewesen ist. Jetzt nutzt er die Gelegenheit, um sich noch einmal auf den Stuhl zu setzen, von dem er damals Uschi Glas auf der Leinwand sah – auf dem Balkon, „ganz links, der zweite Sitz“.

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