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Ein Platz in Welper hat schon viele Namen getragen

Karl Prasses Skulptur „Umschlossene Räume“ auf dem Bebelplatz in Hattingen-Welper.

Karl Prasses Skulptur „Umschlossene Räume“ auf dem Bebelplatz in Hattingen-Welper.

Foto: Joachim Haenisch / Haenisch / waz fotopool

Hattingen.  Der Bebelplatz in Hattingen ist am Reißbrett entstanden. Wir erklären, warum – und welche Namen er schon alle im Laufe der Zeit getragen hat.

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So unterschiedlich kann es Plätzen ergehen: Hat der Platz in Welper an der Roonstraße bis heute keinen Namen, so hat der Bebelplatz den seinen im Laufe der Geschichte mehrfach geändert.

1916 trug er den Namen Tannenberg Platz – bis zum 31. Juli 1922. Ab 1922 nämlich wurde der Platz als fünfter Bauabschnitt nach den Plänen des Berliner Architekten Fritz Schopohl realisiert. Er wird ab jetzt von Häusern eingerahmt, die zum Platz hin ausgerichtet sind. Er trägt jetzt den Namen Bebelplatz – nach Ferdinand August Bebel, der als einer der Begründer der Sozialdemokratie in Deutschland gilt und Publizist war.

Bebelplatz in Hattingen-Welper folgt dem Ideal der Gartenstadt

Gedacht war der Platz als Begegnungsplatz für die Bewohner des neuen Quartiers. „Er bildet mit der Schule eine Achse, ist wirklich am Reißbrett und gezielt so geplant worden“, sagt Stadtarchivar Thomas Weiß. Die Siedlung folgte dem Ideal einer Gartenstadt mit viel Grün. Dazu gehörten neben Gärten auch öffentliche Grünflächen in Form von Schmuckplätzen.

1928 wird auf dem Platz der Amtmann-Thiel-Brunnen eingeweiht, benannt nach dem Gartenstadt-Gründer und Amtmann Karl Thiel. Thiel zeigt sich damals gerührt, nennt das Bauwerk ein „Sinnbild des Genossenschaftsgeistes“. „Es ist schon ein für heutige Zeiten unvorstellbarer Vorgang, dass ein Brunnen nach einem noch Lebenden benannt wird. Ich möchte mal das Geschrei hören, wenn hier in Hattingen heute einer einen Dirk-Glaser-Brunnen einweihen würde“, gibt Weiß zu bedenken. Der Platz sei als Mittelpunkt der Gartenstadt gedacht gewesen – und hinsichtlich seiner Benennung ein Spiegel der Zeit. „Es war ein Platz, der immer politisch benannt wurde“, berichtet Weiß.

Nationalsozialisten benennen den Platz um in Schlageter-Platz

So auch in der Zeit der Nationalsozialisten. Sie benennen den Platz 1933 um in Schlageter-Platz. Sie zerstören den Brunnen 1943, weil Thiel Freimaurer ist – und setzen ihn auch als Amtsdirektor von Blankenstein ab. Im Stadtarchiv Hattingen findet sich die Kopie einer Anweisung vom 22. Mai 1933, dass die Figur, geschaffen von Kunstbildhauer Müller aus Blankenstein, abzutragen sei. „Der verbleibende Sockel wird vorläufig mit einem Kasten mit Blumen bepflanzt abgedeckt“, heißt es da.

Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Platz wieder umbenannt, erhält am 10. Juli 1945 wieder den Namen Bebelplatz. Der Brunnen jedoch wird nicht wieder aufgebaut.

Stahlplastik zieht auf den Bebelplatz

2011 bekommt der Platz ein neues Gesicht. Die Stahlplastik des Duisburger Künstlers Karl Prasse mit dem Titel „Umschlossene Räume“ vom Gesamtschul-Parkplatz zieht auf den Bebelplatz um. Die verwobenen Ellipsen aus Stahlblech gelten als Sinnbild für die Zusammenlegung der Stadt Hattingen mit Welper. Das Kunstwerk war ein Geschenk der Henrichshütte an die ehemalige Gemeinde Welper gewesen. Die Kosten für den Umzug des 5,8 Tonnen schweren Kunstwerks im Jahr 2011 übernimmt die Gartenstadt Hüttenau.

Ein Umzug war bereits 2009 angedacht, doch der Stadt zu teuer gewesen. Sie suchte Sponsoren. Denn nach einer genauen Prüfung hatte sich herausgestellt, dass für den Transport eine einfache Spedition nicht ausreichte, Kosten für Autokran und Spezialtransport anfallen würden.

Gartenstadt Hüttenau übernimmt Umzugskosten für die Prasse-Plastik

Die Gartenstadt Hüttenau war bereit, die zusätzlichen Kosten zu übernehmen, hatte jedoch den Wunsch, das Kunstwerk seitlich versetzt in Richtung Hattingen aufzustellen, „um einen besseren Blick seitens der Straße und auf den früheren Amtmann-Thiel-Brunnen zu gewährleisten”. Eigentlich hatte die Skulptur exakt in der Achse der gegenüberliegenden Straße Lange Horst liegen sollen. Die Politiker kamen dem Wunsch der Gartenstadt Hüttenau nach.

Und so erlangt die Plastik, die ein Schattendasein geführt hat, auf dem Bebelplatz neue Geltung und gibt ihm einen neuen Hingucker – bis heute.

Weitere Folgen aus unserer Serie finden Sie hier:

kirchplatz sollte als stadtmitte zu gut verteidigen sein

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