Gericht

Feuerwehrmann löst absichtlich mehrere Fehlalarme aus

Weil er mehrfach falschen Feueralarm ausgelöst hat, muss sich ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Hattingen vor dem Jugendgericht verantworten.

Weil er mehrfach falschen Feueralarm ausgelöst hat, muss sich ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Hattingen vor dem Jugendgericht verantworten.

Foto: ritta Pedersen / dpa

Hattingen.  Weil er mehrfach falschen Feueralarm ausgelöst hat, steht ein Hattinger Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr vor dem Jugendgericht. Er gesteht.

Ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Hattingen muss sich vor dem Jugendgericht verantworten: Mehrfach hatte der 20-Jährige falschen Brandalarm ausgelöst – neben anderen Straftaten. Jetzt soll ein Gutachter klären, ob er schuldfähig ist.

Einen langen Atem braucht deshalb die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beim Verlesen der diversen Anklagen. Am 13. Januar soll alles begonnen haben.

Über das Handy einer Bekannten meldet Feuerwehrmann einen Brand in Hattingen, den es nicht gibt

Über das Handy einer Bekannten habe der Hattinger gegen 0.30 Uhr einen Brand gemeldet. 60 Brandschützer rücken aus, stellen einen Fehlalarm fest. Zwei Stunden später dann soll der junge Mann im Feuerwehrgerätehaus einen Kollegen beleidigt und gesagt haben: „Du hast hier bald nichts mehr zu sagen.“

Am 26. Januar soll er um 22.30 Uhr den Brandmelder im Erdgeschoss des Reschop Carrés eingeschlagen, den Alarmknopf gedrückt haben. Seine Kollegen rückten aus – und wieder ab. Um 22.55 Uhr habe er erneut Alarm ausgelöst haben, wieder im Reschop Carré – und holte so die Kollegen zurück. Auch das fälschlich, von Feuer keine Spur.

Immer wieder löste der Angeklagte im Reschop Carré Feueralarm aus

Anfang Februar. Wieder im Reschop Carré. Wieder Auslösen des Notrufs, so die Anklage. Aber dieses Mal soll sich der Beschuldigte eine Kapuze über den Kopf und gegenüber der Polizei einen Feuerwehr-Kollegen des Fehlalarms beschuldigt haben – zu Unrecht.

Mit den Notrufen ist es dann in den kommenden Wochen munter weitergegangen. Mal habe der 20-Jährige von einer Telefonzelle aus einen nicht existierenden Wohnungsbrand in der Thingstraße gemeldet, inklusive zwei in der Wohnung befindlicher Menschen. Und dann wieder – obgleich er im Reschop-Carré längst Hausverbot hatte – soll er dort wieder im April Feueralarm ausgelöst haben. Nicht zu vergessen die Körperverletzung: Einem Bekannten habe er nach einem Streit drei Mal mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Beschuldigter gesteht alle Taten, will aber den Hintergrund aufzeigen

Der 20-Jährige ist mit Anwalt Burkhard Benecken gekommen, der in Hattingen bereits bei den Mobbing-Vorwürfen innerhalb des Löschzugs Hattingen-Nord Brandschützer vertreten hat. Der Beschuldigte gesteht alle Taten, weshalb die zwölf geladenen Zeugen wieder gehen können. Benecken betont: „Es ist aber wichtig, den Hintergrund aufzuzeigen, wie es dazu kommen konnte.“

Sechs Wochen bereits war der Hattinger auf eigenen Wunsch in einer stationären psychiatrischen Behandlung. „Ich habe auch dank der Erkenntnisse der Jugendgerichtshilfe schon ein Bild gewonnen und das ist ganz anders, als es sich aus der Anklage ergibt“, sagt Richter Dr. Karl-Martin Lucks. Zwar spricht er von „erheblicher krimineller Energie“. Das Geständnis aber „spricht dafür, dass man bei ihnen noch was machen kann. Ich möchte wissen, wie es zu dem Unsinn kam.“

Richter will verhindern, dass der Beschuldigte eine tickende Zeitbombe wird

Der Verteidiger gibt das Entlassschreiben der Klinik zu den Akten, spricht von Mobbing. Auf eine ambulante Therapie warte sein Mandant. „Der Missbrauch des Notrufs ist objektiv eine schwer wiegende Straftat, dazu kommt der Vorsatz. Die Frage ist ja auch, wie wir verhindern, dass sie eine tickende Zeitbombe werden. Was sie getan haben, war Mist. Aber freiwillig geht niemand in die Psychiatrie, ich bin manchmal da, um Leute zu begutachten. Die Psychiater hätten gemerkt, wenn sie eine Show machen.“ Und weil Lucks findet, dass er ohne psychiatrische Begutachtung guten Gewissens kein Urteil fällen kann, soll ein Gutachter klären, ob der 20-Jährige vermindert schuldfähig ist.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben