Gericht

Hattingen: Gericht muss nach Autounfall Schuldfrage klären

Mit einem Rettungswagen musste eine Seniorin in Hattingen ins Krankenhaus gebracht werden. Sie war auf dem Parkplatz angefahren worden.

Mit einem Rettungswagen musste eine Seniorin in Hattingen ins Krankenhaus gebracht werden. Sie war auf dem Parkplatz angefahren worden.

Foto: Patrick Schüller

Hattingen.  Eine Autofahrerin aus Hattingen soll eine Seniorin auf dem Parkplatz angefahren haben. Die wird schwer verletzt. Die Fahrerin sieht keine Schuld.

Hat eine Hattingerin eine Seniorin angefahren oder nicht? Mit dieser Frage hat sich das Amtsgericht jetzt beschäftigt. Fest steht: Die 78-Jährige hat massive Verletzungen davongetragen. Die Autofahrerin ist sich keiner Schuld bewusst.

Eine Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung soll die 50-Jährige Fahrerin zahlen. So sieht es ein Strafbefehl vor, den das Gericht schon im vergangenen Jahr erteilt. Die Angeklagte widerspricht, will nicht zahlen. „Es tut ihr sehr leid, was der Dame passiert ist. Aber sie ist der festen Auffassung, dass sie die Frau nicht berührt hat“, lässt sie über ihren Anwalt erklären.

Unfall hätte verhindert werden können

Das wirft die Anklage ihr vor: Die 50-Jährige parkt an einem regnerischen Apriltag des vergangenen Jahres auf dem Norma-Parkplatz am Bruchfeld aus. Dabei übersieht sie die 78-Jährige und fährt sie an – ein Unfall, der durch mehr Aufmerksamkeit hätte verhindert werden können.

Die Angeklagte betont, hinter dem Auto sei niemand gewesen. Erst spät habe sie ein Geräusch gehört, aber keinen Stoß gespürt. Ihr Verteidiger verweist darauf, dass die Seniorin auch nicht direkt am Auto lag, es deshalb unwahrscheinlich sei, dass sie getroffen wurde.

Geschädigte widerspricht Darstellung der Verteidigung

An dieser Darstellung hat Richter Christian Amann schnell Zweifel. „Es ist durchaus möglich, dass sie nicht wie von der Axt gefällt umgefallen ist, sondern ein zwei Schritte taumelte.“ Die Theorie der Verteidigung: Möglicherweise hat sich die Frau erschreckt, ist deshalb gestürzt.

Licht ins Dunkel bringt die 78-Jährige selbst: Sie habe am Kofferraum ihres Wagens gestanden, als sie ein kräftiger Stoß in die Seite trifft. „Ich wurde hochgeschleudert und bin neben dem Auto aufgeprallt“, erinnert sie sich. Durch einen Schreck sei sie jedenfalls nicht gestürzt. Aufstehen kann sie nicht mehr, das Becken ist gebrochen. „Ich hatte unheimliche Schmerzen und habe das Bewusstsein verloren“, sagt sie.

Leben ändert sich nach dem Unfall massiv

Sieben Wochen verbringt sie im Krankenhaus. Durch die Schmerzmittel erleidet sie eine Darmerkrankung und muss auf die Intensivstation. Nun ist sie auf einen Rollator und die Hilfe der Familie angewiesen. „Das hat mich psychisch stark mitgenommen“, erklärt sie. „Vorher konnte ich alles selbst machen und jetzt geht es nur noch mit Hilfe.“

Die Angeklagte ist betroffen, zieht nach kurzer Beratung mit ihrem Verteidiger den Einspruch zurück. Die Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung wird sie zahlen.

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