Asylbewerber

Hattingen nimmt noch Flüchtlinge auf, andere Städte bauen ab

Wohncontainer für Flüchtlinge auf dem Grundstück an der Werksstraße in Hattingen: Die Unterbringung der Flüchtlinge ist mittlerweile kein Problem mehr.

Wohncontainer für Flüchtlinge auf dem Grundstück an der Werksstraße in Hattingen: Die Unterbringung der Flüchtlinge ist mittlerweile kein Problem mehr.

Foto: Fischer / Funke Foto Services GmbH

Hattingen.   In anderen Ruhrgebietsstädten sinkt die Zahl der Asylbewerber, in Hattingen steigt sie weiter an. Zuvor kamen weniger Flüchtlinge als vorgesehen.

Während die Anzahl der Asylbewerber, die Regelleistungen zur Deckung des täglichen Bedarfs erhalten, in den meisten Ruhrgebietsstädten sinkt, weist das Landesstatistikamt für Hattingen einen Anstieg um fast ein Fünftel von 2017 zu 2018 aus. Marcel Rudka, Leiter der Abteilung Asyl und Flüchtlinge beim Sozialamt, erklärt, warum Hattingen dennoch weitere Flüchtlinge aufnehmen wird.

Städte haben Quote bei der Zahl der Flüchtlinge, die sie aufnehmen müssen

Die Zahl der Asylsuchenden ist längst nicht mehr mit der von 2015 zu vergleichen. Dennoch: Flüchtlinge kommen nach wie vor. 226 Personen, über deren Asylantrag noch nicht entschieden ist, müsste die Stadt gemäß des Schlüssels, der über die Verteilung der Flüchtlinge auf die Kommunen entscheidet, aufnehmen. 212 aber sind es zurzeit nur. Das heißt: 14 Menschen müssten noch aufgenommen werden, um die Quote zu erreichen.

Und hier erklärt sich der laut den Landesstatistikern deutliche Anstieg der Hattinger Zahlen im Vergleich zu anderen Kommunen: Denn andere Städte lagen bisher zum Teil über der Quote, können jetzt also abbauen. Hattingen hatte 2018 dann deutlich mehr Zuweisungen bekommen als zuvor. „Diese Verteilungsstatistik wird für jede Stadt wöchentlich aktualisiert“, erklärt Marcel Rudka.

Land zahlt 10.300 Euro pro Geflüchtetem pro Jahr

Jeden Tag kommen Flüchtlinge in den Erstaufnahme-Einrichtungen neu an. „Dann prüft Arnsberg, wie zurzeit die Verteilung auf die einzelnen Städte aussieht, und dann wird zugewiesen“, sagt Rudka. 14 Tage habe die Stadt Zeit, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen.

Inzwischen nimmt die Zahl der Zuweisungen grundsätzlich wieder ab. Rudka: „Aktuell haben wir 312 Personen, die Sozialleistungen nach dem Asylbewerberleistungs-Gesetz beziehen.“ Dazu zählen die Flüchtlinge, deren Asylverfahren laufen und Geduldete. Das Land bezahlt 10.300 Euro pro Geflüchtetem pro Jahr.

Bearbeitung des Asylantrags dauert in der Regel drei bis sechs Monate

In der Regel dauere es drei bis sechs Monate, bis über den Asylantrag entschieden wurde. Es könne aber auch deutlich länger dauern. „Wenn das Asylgesuch abgelehnt wird, zahlt das Land noch drei Monate und stellt dann die Zahlungen ein.“ Wenn das Asylgesuch bestätigt wird, ist für das weitere Auskommen das Jobcenter mit Hartz-IV-Mitteln verantwortlich. Das heißt: Diese Menschen fallen aus dem Zuständigkeitsbereich des Sozialamtes heraus.

Zahlungen des Landes reichen nicht aus

Aber auch die Zuweisung des Landes für jeden Geflüchteten decke nicht den tatsächlichen Bedarf. „Es entstehen durchschnittlich Kosten von 12.900 Euro pro Jahr pro Geflüchtetem. Es ist also eine Unterdeckung, die wir als Stadt auffangen müssen“, betont Marcel Rudka.

Mittlerweile sei zumindest die Unterbringung von neuen Flüchtlingen eher problemlos. Fünf Sozialbetreuer kümmern sich, die Kinder gehen in die Kita oder zur Schule, es gibt Sprachkurse.

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