GEBÄRDENSPRACHE

Hattingerin ist eine gefragte Gebärdensprachdolmetscherin

Gebärdensprachdolmetscherin Kathleen Bieling (39) zeigt vor dem Bügeleisenhaus das Zeichen für die Stadt Hattingen – eine Geste des Bügelns, symbolisch für das Wahrzeichen der Stadt.

Gebärdensprachdolmetscherin Kathleen Bieling (39) zeigt vor dem Bügeleisenhaus das Zeichen für die Stadt Hattingen – eine Geste des Bügelns, symbolisch für das Wahrzeichen der Stadt.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Die Hattingerin Kathleen Bieling (39) ist eine von nur 140 Gebärdensprachdolmetschern in NRW. Hier erzählt sie, was ihren Beruf alles ausmacht.

Sie sind hoch qualifiziert und sehr begehrt. Denn sie sprechen eine Sprache, die fast niemand beherrscht: Gebärdensprachdolmetscher. Eine von nur 140 Menschen in NRW, die diesen seltenen Beruf ausüben, ist die Hattingerin Kathleen Bieling. Sie liebt ihren Beruf, der so unglaublich vielseitig ist.

Lehrerin zu werden, war nicht ihr Ding

Die 39-Jährige wuchs in der Nähe von Magdeburg auf und besuchte, als sie Abitur machte, eine Info-Veranstaltung vom Arbeitsamt, die über den Beruf informierte und vor allem den Unterschied zwischen Lehrer und Dolmetscher. Lehrerin zu werden, das war nicht ihr Ding, aber Dolmetscher sollte ihr Beruf werden. Das stand schnell fest.

Das Berufsbild wurde damals an der Universität als Diplomstudiengang angeboten. „Ich war der zweite Jahrgang“, sagt die Mutter zweier Kinder. „Der Bedarf an Gebärdensprachdolmetschern ist sehr groß. Alle wären froh, wenn es mehr Menschen mit einer solchen Ausbilduhttps://www.waz.de/wochenende/diese-frau-hat-ein-haendchen-fuer-sprache-gebaerdensprache-id208937383.htmlng gäbe.“ Und man könne sich – je nach Neigung – Schwerpunkte heraussuchen, die einem besonders liegen.

Übersetzung bei Geburten und Gericht

Ein Jahr hat sie in Neuseeland gelebt, sechs Jahre in den USA. Was lag da näher, als sich unter anderem den Schwerpunkt Englisch-Dolmetschen zu suchen? Aber auch für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) hat sie besondere Kenntnisse erworben. Denn die Gebärdensprache ist eine komplett eigenständige Sprache, erfordert darüber hinaus Weiterbildungen fürs Spezialgebiet.

Ihre Übersetzungs-Fähigkeiten bietet sie vielfach an

Auch bei Geburten bietet Kathleen Bieling ihre Übersetzungs-Fähigkeiten an, dolmetscht bei Gericht, ist Mitglied in Prüfungskommissionen, kümmert sich um berufspolitische Arbeit. Erleichterung verschafft sie als Dolmetscherin Betroffenen, wenn es Probleme im Arbeitsumfeld gibt. „Oft fühlen sich taube Menschen vernachlässigt oder sehr unter Druck. Wenn sie dann ganz offen reden können, ist das eine große Hilfe.“ Gerade im Berufsleben komme es immer mal zu Konflikten oder Missverständnissen.

Manche gehörlose Menschen fühlen sich ausgeschlossen

Zum Beispiel, sagt Kathleen Bieling, fühlen sich manche gehörlose Menschen ausgeschlossen, wenn sie Neuigkeiten im Betrieb immer nur am schwarzen Brett ablesen müssen, nie angesprochen werden. „Manchmal lassen sich Mitarbeiter die wichtigsten Handformen beibringen, um zumindest etwas mit ihren tauben Kollegen kommunizieren zu können. Das ist eine tolle Sache“, freut sich die Dolmetscherin über so vorbildliches Engagement.

Ein sensibles Thema sind auch Geburten. Sechs Mal wurde sie bisher gebeten, eine Schwangere bis zur Geburt zu begleiten, zum Beispiel zum Arzt. „Ich suche mir dann immer ein Team von drei bis vier Kolleginnen und mache einen Notfallplan. So können wir sicherstellen, dass die Schwangere tatsächlich begleitet wird, wenn sie unsere Hilfe braucht“, sagt Kathleen Bieling. Dreimal war sie selbst auch dabei, wenn Babys geboren wurden.

Gefragt bei hochkarätigen Events

Trotz ihres noch recht jungen Alters ist die 39-Jährige schon seit 17 Jahren im Beruf. 2006 hat sie sich selbstständig gemacht. Gefragt ist sie auch bei hochkarätigen Veranstaltungen, etwa der Ling Cologne, die jüngst in Köln stattgefunden hat. „Das ist eine Konferenz, die in Englisch stattfindet. Es treffen sich Forscher der Gebärdensprache und andere Wissenschaftler, auch solche, die selbst taub sind. Ich übersetze ins Deutsche.“

Und eine gefragte Expertin ist sie auch bei der TISLER-Konferenz im September in Hamburg. Da treffen sich Wissenschaftler aus aller Welt zur Fachkonferenz der Gebärdensprachlinguisten.

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