Wirtschaft

IHK geht offensiv mit Kritik um

Helmut Diegel

Helmut Diegel

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Hattingen.  Geschäftsführer Helmut Diegel sichert für die Zukunft mehr Transparenz zu. Änderungen sollen der Vollversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden.

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Industrie- und Handelskammern galten einst als Debattierclubs der Großindustrie, die die Richtung vorgaben, intern versteht sich, und nur ungern ihre Karten aufblätterten. Das war im mittleren Ruhrgebiet nicht anders. Stand doch der Kammer allein 25 Jahre lang der einst mächtige Generaldirektor des Bochumer Vereins, Louis Baare, als Präsident vor. Das ist lang her; doch gegen dieses bis heute nachwirkende Image sollen neue Fakten gesetzt werden.

„Für uns haben die noch nie was getan“, sagt der Vertreter eines Kleinunternehmens, der seinen Namen nicht nennen möchte. Es geht um die Beiträge, es geht um Mitsprache und um Transparenz. Helmut Diegel ist als Hauptgeschäftsführer noch neu. Doch der Hagener und ehemalige Arnsberger Regierungspräsident kennt die Spielregeln nur zu gut. Er liebt das Reagieren nicht, will lieber Handlungsspielraum gewinnen.

Das schien selbst den agilen Kasseler Reisebüro-Inhaber Kai Boeddinghaus zu imponieren, der sich als einer der Wortführer der Kammerrebellen bei Diegel auf dem Sofa wiederfand. „Es muss sich was ändern. Das sagt doch allein schon der Blick auf die Wahlbeteiligung bei uns, wenn dort gerade mal acht Prozent unserer Mitglieder abstimmen“, räumt Diegel ein.

Er habe überhaupt nichts gegen mehr Transparenz und mache dabei selbst bei seinen eigenen Bezügen keine Ausnahme. „Das setzt aber einen entsprechenden Beschluss der Vollversammlung voraus“, sagt er mit einem Augenzwinkern, denn genau dies versteht der Christdemokrat auch unter Demokratie innerhalb einer Kammer.

Auch bei den Kosten für die Mitgliedschaft seien Kompromisse möglich. Als Beispiel wird ein Betrieb genannt, der etwa zu einem Drittel dem Handwerk zuzuordnen sei, dann müsse sich dies auch im Beitrag zu widerspiegeln. Wenig Spielraum sieht die Kammer-Leitung bei Fällen, wo sich Unternehmen in einer KG und einer GmbH organisiert hätten. „Denn das haben die ja aus ganz bestimmten Gründen so getan.“

Rund 30 000 Unternehmen aus der Region Bochum, Hattingen, Herne und Witten gehören zur IHK. Beiträge zahlen nur rund 60 Prozent dieser Mitglieder. Dies hängt mit den Umsätzen zusammen, denn unter einer bestimmten Summe entfällt die Beitragspflicht. Dabei setze sich die IHK auch für diese Mitglieder ein, die jedoch künftig noch besser berücksichtigt werden müssten. Diegel verspricht Wandel: „Hier steckt wirklich Demokratie drin, auch wenn das nicht immer so erlebt wird.“ Dabei spielt – und das ist nun gar kein Geheimnis – auch eine Rolle, dass die IHK von manchen hauptsächlich als Sprachrohr Bochumer Belange empfunden wird. Vor Ort jedoch fehlten oft die Ansprechpartner.

Regionalbüros werden aufgebaut

Mit Regionalbüros auch in den kleineren Städten möchte die Kammer nun verlorenen Vertrauen zurückgewinnen. Den Anfang soll Herne machen. Als Kümmerer vor Ort möchte sie auftreten, mit einem Regionalbüro, um längere Wege zu ersparen und wohl auch, um ein sichtbares Zeichen gegen den Vorwurf „Bochum lastig“ zu sein, zu setzen.

Vor allem von Berlin ist bekannt, dass die Kammer dort gleichsam königlich residiere. Wer das Bochumer Kammergebäude am Ostring betritt, sieht sich eher mit funktionaler Sachlichkeit konfrontiert.

Doch Helmut Diegel übt sich auch in Sachen Finanzen in neuer Offenheit. „Im November gibt es einen Kongress des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Auch dieses Thema werden wir dort ansprechen“, sichert er zu.

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