Stadtmuseum

Joe Dolls Musik im Dialog mit stummen Bildern

Musiker Joe Doll spielte im Stadtmuseum hattingen auf dem Klavier zum legendären Stummfilm „Faust“ aus dem Jahr 1926.

Musiker Joe Doll spielte im Stadtmuseum hattingen auf dem Klavier zum legendären Stummfilm „Faust“ aus dem Jahr 1926.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Belebende Klavier-Klänge: Joe Doll, der bei der Musikschule Hattingen aktiv ist, improvisiert im Stadtmuseum zum Stummfilmklassiker „Faust“.

Die Volkshochschule Hattingen zeigte am Freitagabend im Stadtmuseum in Blankenstein eine restaurierte Fassung des berühmten Stummfilmklassikers „Faust – eine deutsche Volkssage“ von Friedrich Murnau aus dem Jahr 1926. Joe Doll spielte dazu live auf dem Klavier.

Murnaus Filmversion der Faust-Sage lehnt sich nur bedingt an Goethes Drama an und beeindruckt mit ausdrucksstarken expressionistischen Bildern, die die Dramatik des Stoffes unterstreichen. Dazu passen auch die für die Stummfilmzeit großen Gesten der Stars Gösta Ekman als Faust und des unvergessenen Emil Jannings in der Rolle des Mephisto, der auch heute noch durch seine frappierend facettenreiche Mimik begeistert.

Zu den packenden Bildern improvisiert Joe Doll am Klavier

Zu den packenden Bildern in der Szenerie von Robert Herlth und Walter Röhrig unter der unglaublich vielseitigen Kameraführung von Carl Hoffmann improvisiert der Künstler Joe Doll am Klavier. Spontan findet er ein Thema, das er immer wieder aufgreift und variiert. Manchmal verliert er sich darin, ein anderes Mal wühlt er sich grollend hinein, immer tiefer, als wolle er bis auf seinen Grund vordringen.

Dabei steht seine Musik aber immer in einem lebendigen Dialog mit der Bildsprache des Films, kommentiert oder scheint Impulse zu setzen, verstärkt die Emotion des Films oder fügt in ihrer Erzählung eine weitere Gefühlsebene hinzu.

Zuschauer applaudieren nach der Aufführung begeistert

Die Zuschauer applaudieren nach der Aufführung begeistert: „Das ist einfach grandios“, meint ein Besucher spontan.

„Ich bin filmaffin und als Musiker beschäftigt man sich ja immer mit Aufführungspraxis,“ erzählt Joe Doll. „Mit dem Stummfilm war das wie eine grüne Wiese – mir war zunächst nicht klar, wie das früher war. Ein Großteil der Filme wurde von kleinen Ensembles oder von einem Pianisten begleitet. Viele hatten auskomponierte Scores, die aber teilweise verloren gegangen sind. Das ist allerdings nicht so kreativ,“ fährt er fort. „Zuerst haben mich die Filme mit Charlie Chaplin wegen ihres komödiantischen Elements interessiert, aber dann hab’ ich gedacht: Warum wagst du dich nicht mal an erste Filme? Heute hab’ ich aber auch einen jazzigen Einschlag gehabt, vor allem bei Marthe Schwerdtlein – einfach weil mir danach war.“

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