Gesichter und Geschichte(n)

Lukas Schmitz: Aus Hattingen in die Champions League

Jubel nach seinem zweiten Bundesliga-Tor: Lukas Schmitz (rechts) feiert am 30. Januar 2010 mit Kevin Kuranyi das 2:0 für seinen FC Schalke 04 gegen die TSG 1899 Hoffenheim.

Jubel nach seinem zweiten Bundesliga-Tor: Lukas Schmitz (rechts) feiert am 30. Januar 2010 mit Kevin Kuranyi das 2:0 für seinen FC Schalke 04 gegen die TSG 1899 Hoffenheim.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Hattingen.  Lukas Schmitz ist der teuerste Fußballer Hattingens: Felix Magath holt ihn zu den Profis von Schalke 04, Werder Bremen zahlt eine Million Euro.

So ist Fußball! Lukas Schmitz, gerade erst vom VfL Bochum II zum FC Schalke 04 gewechselt, um in der Regional­liga zu spielen, steht plötzlich in der Bundesliga auf dem Platz: Am 18. September 2009 debütiert er beim 1:2 gegen den VfL Wolfsburg. Vier Tage später gewinnt er mit den Königsblauen im DFB-Pokal beim VfL Bochum mit 3:0. Ausgerechnet, wie es in der Szene dann gerne heißt.

Felix Magath ist dabei der entscheidende Mann. Denn der holt Schmitz, der eigentlich vom VfL II zur U23 der Königsblauen gewechselt ist, in den Kader – weil während der ersten Länderspielpause der Saison zu viele Spieler bei den Nationalmannschaften weilen und Quälix noch ein paar Leute für ein gescheites Training sucht. Lukas Schmitz nutzt die Chance, macht so nachhaltig auf sich aufmerksam, dass er kurzum fest in den Kader aufrückt. Sein erstes Tor gelingt ihm beim 3:3 gegen den Hamburger SV (zum zwischenzeitlichen 2:2).

Die Karriere beginnt bei der DJK Märkisch Hattingen

„Im Fußball muss man sich beweisen. An jedem Tag, in jedem Training. Wenn das gelingt, dann spielt man sich fest“, erklärt er in einem WAZ-Interview, wie es ihm gelingt, im Fokus seiner Trainer zu bleiben.

Als Milchzahn-Maradona beginnt er im Jahr 1991 an der Waldstraße bei der DJK Märkisch Hattingen, danach kickt er für den TuS Bredenscheid in der Heimat im Hügelland. Nächste Stationen: TSG Sprockhövel, VfL Bochum und wieder TSG. 2007 wechselte der Linksfuß gemeinsam mit seinen Kollegen Christian Kalina und Mirkan Aydin zum VfL Bochum II, schafft hier aber nicht den Sprung in den Profikader. Doch sein Ehrgeiz lässt ihn nicht ruhen. Er zieht weiter, heuert auf Schalke an, sein Talent hilft ihm. ­Magath holt ihn, Magath vertraut ihm – und Magath lässt ihn spielen. Sogar in der Champions League. Neuer, Höwedes, Rakitic, Huntelaar, Raúl – das sind seine Mitspieler im Herbst 2010 beim 0:1 in Lyon.

Magath fliegt raus, Ralf Rangnick kommt

Schnitt. Magath fliegt raus, Ralf Rangnick kommt. „Es hat ein Gespräch ge­geben. Da hat er mir seine Sicht mitgeteilt. Und ich hatte danach das Gefühl, dass meine Chance in der neuen Saison nicht gut sein würde“, erinnert er sich an diese Monate. Deshalb kommt das Angebot von Werder Bremen gerade richtig. Eine Million Euro Ablöse kostet er, so viel wie kein anderer Fußballer aus Hattingen vor und nach ihm.

52 Spiele für Schalke, 52 Spiele für Werder, macht 104 – eins weniger als der Hattinger Torwart Wolfgang Scheid (Rot-Weiß Oberhausen), zwei mehr als Libero Uwe Neuhaus für die SG Wattenscheid 09.

2014 zieht er weiter nach Düsseldorf, zur Fortuna in die 2. Liga. ­Zurück in die Heimat, nah am Hügelland. Was er hier so schätzt? „Die Lebensqualität“, sagt er 2012, „Hattingen ist eine sehr schöne und ruhige Stadt. Und wenn man etwas unternehmen will, dann ist man schnell in den größeren Städten. Das hat mir immer gefallen.“

Nach dem Aufstieg 2018 ist auch hier sein Weg beendet. „Es war wie in einer gescheiterten Ehe – wir haben uns einvernehmlich getrennt. Ich bin erst 29, will spielen und sehe mich in Zukunft nicht als Ersatz.“

So landet er beim Wolfsberger AC in Österreich. 28 Spiele, zwei Tore bis heute, das Team ist Dritter, steht vor der Quali für die Europa League. Sonntag steht das Spiel bei Austria Wien auf dem Plan. Auch das ist ein großer Name – und Lukas Schmitz mittendrin. So ist Fußball!

>>> INFO: Seine Erfolge im Profifußball

Im Jahr 2011 wird Lukas Schmitz mit dem FC Schalke 04 DFB-Pokal-Sieger (5:0 gegen den MSV Duisburg). In jeder Runde spielt er – nur im Finale setzt Trainer Ralf Rangnick ihn nicht ein.

Zum Abschied seiner vier Jahre bei Fortuna Düsseldorf schafft der Hattinger 2018 mit dem Klub den Aufstieg in die 1. Bundesliga.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben