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Maulwürfe sind unbeliebte, aber nützliche Tiere

Foto: WAZ-Archiv

Hattingen.  Die Leiterin der Biologischen Station im EN-Kreis, Britta Kunz, schreibt in ihrer Kolumne über den Maulwurf. Merkwürdige Tiere, meint sie.

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Heute möchte ich eine Lanze für eines der vielleicht merkwürdigsten Tiere unserer Heimat brechen. Es lebt direkt vor unserer Haustür, und doch bekommen wir es nur höchst selten zu Gesicht. Seine Anwesenheit fällt uns meist nur durch die Auswirkungen seiner ausdauernden Grabtätigkeit auf – die bei Gärtnern meist wenig beliebten Maulwurfshügel. Denn der Maulwurf, um den es hier geht, ist ein „Erdwerfer“ – das steckt auch schon im Namen: ‚Maul‘ steht hier nämlich nicht für die Schnauze des Tieres, sondern leitet sich vermutlich vom althochdeutschen ‚Molte‘ ab – was ‚Erde‘ bedeutet. Richtig müsste es also „Erdwurf“ heißen, nicht Maulwurf.

So unbeliebt scheint dieser Geselle mit dem schwarzen Pelz, dass es im Internet viele Hinweise gibt, wie man ihn vertreiben oder gar töten kann. Dabei ist der Maulwurf in Deutschland per Gesetz besonders geschützt, und es ist verboten, ihn zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch seine Fortpflanzungs- und Ruhestätten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.

Spannende Lebensweise

Über die spannende Lebensweise und den Nutzen dieser „Gesellen unter Tage“ erfährt man im Internet dagegen kaum etwas. Dabei ist er hervorragend an sein Leben unter der Erde angepasst und vollbringt beachtliche Leistungen. Mit seinen wie Grabeschaufeln geformten Händen gräbt dieser gerade einmal 14 bis 16 Zentimeter kleine Kerl ein unterirdisches Gangsystem von bis zu 200 Meter Länge – Belüftungslöcher, Vorrats- und Schlafkammern inklusive. Das Maulwürfe schlecht sehen ist sprichwörtlich: „Blind wie ein Maulwurf“ heißt es im Volksmund. Unter Tage muss er auch nicht viel sehen. Hell und Dunkel zu unterscheiden reicht ihm. Praktisch ist es, dass seine Gehörgänge nur mit Hautlappen verdeckt sind. Sein samtweiches Fell hat keinen Strich - es wächst in alle Richtungen. Dadurch kann er sich in den engen Gängen vorwärts und rückwärts bewegen, ohne dass sich die Haare aufstellen und Widerstand leisten. Er kann gut riechen und auch kleinste Erschütterungen in seinen Gängen wahrnehmen.

Alle paar Stunden Patrouille laufen

Außerdem läuft er alle paar Stunden Patrouille. So spürt er seine Beute auf, die er gleich frisst oder in einer Vorratskammer für schlechtere Zeiten aufbewahrt. Er vertilgt Kleinlebewesen, die im Boden leben, darunter Schnecken und Engerlinge und die Larven vieler anderer Insekten. Pflanzenteile frisst er nicht, allerdings können durch seine Grabetätigkeit schon einmal ein paar Pflanzenwurzeln in Mitleidenschaft gezogen werden.

Maulwürfe sind, außer zur kurzen Paarungszeit, nicht sehr gesellig – ihr Tunnelsystem ist ein „Singlehaushalt“. Daher dulden sie auch keine Wühlmäuse in ihrem Revier. Wer einen Maulwurf im Garten hat, sollte also vor diesen kleinen Pflanzenfressern geschützt sein.

Der Maulwurf ist also für Gärtner durchaus nützlich. Für Maulwurf geplagte Rasenbesitzer noch ein kleiner Trost: ein Maulwurf im Garten zeigt, dass der Boden gesund und voller Leben ist. Und die Maulwurfshügel eignen sich hervorragend für ihr Blumenbeet.

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