Gottesdienst

Notlage in Kirche: Laien teilen eigenständig Kommunion aus

In zwei Hattinger Gemeinden dürfen Laien die Kommunion austeilen – eine absolute Ausnahme in der katholischen Kirche.

In zwei Hattinger Gemeinden dürfen Laien die Kommunion austeilen – eine absolute Ausnahme in der katholischen Kirche.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Hattingen.  Personalnot zwingt das Bistum Essen zu einer seltenen Ausnahmegenehmigung für Hattingen: In zwei Gemeinden dürfen Laien Gottesdienste halten.

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Frauen, die in der katholischen Kirche am Sonntag eine Messe halten und sogar die Kommunion austeilen - eigentlich schlicht undenkbar. „Nur dort, wo eine Notlage es erfordert, können außerordentliche Spender dem zelebrierenden Priester nach Maßgabe des Rechts helfen“, heißt es in den Vorschriften zur heiligen Eucharistie der katholischen Kirche. In Hattingen gibt es diese personelle Notlage – und eine sehr seltene Ausnahmeregelung.

Bischöfliche Sondergenehmigung für Hattingen

Eine bischöfliche Sondergenehmigung, dass Ehrenamtliche sonntags in Wort-Gottes-Feiern die Kommunion verteilen dürfen, liegt zurzeit für zwei Gemeinden in Hattingen vor: für St. Engelbert und Heilig Geist. Befristet bis zum 22. November 2020, dem Christ König Fest am letzten Sonntag des Kirchenjahres.

Im Ruhrbistum ist das die absolute Ausnahme. „Wir handhaben solche Regelungen absolut restriktiv“, teilt Ulrich Lota von der bischöflichen Pressestelle mit. „Es gibt zwar immer weniger Priester, aber es ist in der Regel immer noch zu schaffen, dass ein Priester sonntags die Messe liest. So soll das auch weiter gehandhabt werden.“

Lediglich zwei weitere Ausnahmen im 170 Gemeinden

Außer in Hattingen genehmigte Bischof Overbeck in diesem Jahr lediglich zwei Ausnahmen für die 42 Pfarreien und 170 Gemeinden im Ruhrbistum. „Die galten nur für die Sommerferien für eine Gemeinde in Bochum und eine weitere in Gelsenkirchen-Horst“, erklärt Ulrich Lota.

Zum Vergleich: Im Erzbistum Köln, dem mitgliederstärksten deutschen Bistum, „gibt es keine Erlaubnis, sonntags Wort-Gottes-Feiern an die Stelle von Eucharistiefeiern treten zu lassen“, erklärt Sprecher Thomas Klimmek. „Beim Thema Wort-Gottes-Feiern wird in allen Diözesen zwischen Wochentagen und Sonntagen unterschieden. Unter der Woche sind grundsätzlich Wort-Gottes-Feiern möglich, am Sonntag ist die Eucharistiefeier, die Heilige Messe, der reguläre Gottesdienst, der nicht ohne weiteres durch eine Wort-Gottes-Feier ersetzt werden kann.“

Liturgie und Eucharistiefeier

Über die momentane Ausnahme in Hattingen, für die sie sich lange Zeit eingesetzt hat, freut sich vor allem Marlies Meier, Pfarrgemeinderats-Vorsitzende von St. Peter und Paul. Denn sie hat eine Zusatzausbildung und darf zurzeit die Messe halten - mit Einschränkung.

Sie ist mit zehn weiteren Frauen und Männern Wort-Gottes-Feier-Leiterin. „Das bedeutet, dass Ehrenamtliche, die in Modulen geschult wurden, die Liturgie halten dürfen“, sagt Marlies Meier. Liturgie bedeutet Form und Inhalt einer Messe. „Aber, die absolute Ausnahme bleibt, dass jemand anders als ein Priester eine Eucharistiefeier halten darf“, sagt Lota. In einer solchen Feier geht es um die Verkündung des Sterbens und der Auferstehung Jesu und das ist – so wie die Wandlung – Priestern vorbehalten. Die Wandlung steht im Zentrum der Heiligen Messe: Brot und Wein werden in Leib und Blut Christi gewandelt.

Wandlung durch den Priester

Wenn ein Wort-Gottes-Feier-Leiter sonntags eine Messe hält, müssen die Hostien vorher von einem Priester gewandelt worden sein. Sie werden dann im Tabernakel aufbewahrt. Marlies Meier, die ihre ehrenamtliche Tätigkeit in den Kirchengemeinden Heilig Geist in Winz-Baak und St. Engelberg in Niederbonsfeld leidenschaftlich ausübt, lobt die Zusammenarbeit mit Pfarrer Andreas Lamm: „Wir sind in Hattingen wirklich gut aufgestellt.“

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