Missbrauch

Sexueller Missbrauch: Verdacht in fünf Fällen in Hattingen

KIndern in Not hilft der Allgemeine Soziale Dienst des Jugendamts.

KIndern in Not hilft der Allgemeine Soziale Dienst des Jugendamts.

Foto: Imgorthand / Getty Images

Hattingen.   In Hattingen gab es 2018 in fünf Fällen den Verdacht, dass Kindern sexuelle Gewalt angetan wird. Der Verdacht erhärtete sich in einem Fall.

In Hattingen gab es im vergangenen Jahr in fünf Fällen den Verdacht, dass Kindern sexuelle Gewalt angetan wird. In einem Fall erhärtete sich der Verdacht, berichtet die Erste Beigeordnete Christine Freynik, die für Rechtsangelegenheiten zuständig ist. Das Jugendamt reagierte und holte das Kind aus der Familie.

Andere Kommunen klagen über massive Überlastung, so die Nachricht dieser Woche. In Hattingen betreut jeder Mitarbeiter des Jugendamtes 35 bis 55 Fälle. Dafür sollen laut Stellenplan zwölf Vollzeitstellen zur Verfügung stehen. Diese sind jedoch derzeit nicht alle besetzt, so Freynik, sondern nur 10,7 Vollzeitstellen. Hattingen sucht dafür geeignete Kräfte, „die Stellen sind ausgeschrieben“, so Freynik.

Schwierige Aussagefähigkeit

NRW-Familienminister Stamp moniert, dass sexuelle Gewalt in Jugendämtern nicht einheitlich erfasst und bearbeitet wird. Der WDR hat nach dem Fall von Lügde in Jugendämtern nachgefragt. „Wir sind auch gefragt worden“, sagt Freynik, „haben aber bewusst nicht teilgenommen, weil wir die Aussagefähigkeit der Befragung für schwierig halten.“ Gefragt sei nur eine reine Angabe von Zahlen gewesen. Doch jede Fallzahl sei nicht unbedingt so einfach, wie sie zu sein scheine. Nur Fallzahlen zu vergleichen sei ein „Vergleich von Äpfeln mit Birnen“.

Fünf Familiensituationen

Juliane Lubisch, Leiterin der Abteilung Erziehungshilfe bei der Stadt, verdeutlicht, dass die fünf Verdachtsfälle aus dem Vorjahr keine fünf betroffenen Familien sein müssen. Dahinter stünden fünf Familiensituationen. Betroffen sein könnten mehrere Kinder einer Familie oder einzelne Kinder mehrmals.

Entwicklungsverzögerungen

Im Verdachtsfall, der sich für die Zuständigen in Hattingen erhärtet hat, stand die sexuelle Gewalt zunächst nicht im Fokus. Das Kind sei nicht deswegen aus der Familie genommen worden, so Juliane Lubisch. In dieser einen Familienkonstellation habe sich neben der häuslichen Gewalt später auch der Verdacht sexuellen Missbrauchs erhärtet. Das Kind habe sich erst geöffnet, als es an einem sicheren Ort gewesen sei. Oft würden Eltern ihre Kinder generell vernachlässigen, diese hätten auch starke Entwicklungsverzögerungen. Die Wohnung sei in einem unhaltbaren Zustand. In vielen Familien tritt nicht nur ein Problem auf, sondern mehrere, so dass die Folge ein Doppel- oder auch Mehrfachverdacht sein kann.

163 Meldungen eingegangen

Beim Allgemeinen Sozialen Dienst sind im Vorjahr 163 Meldungen eingegangen, die überprüft werden mussten, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Doch nicht jede Meldung, so Juliane Lubisch, wird zum Verdachtsfall. Das Jugendamt geht allen Meldungen nach, überprüft sie und klärt, welche Maßnahmen für Kinder und Erwachsene ergriffen werden müssen. Ziel sei auch die richtige Unterstützung für alle Familien.

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