Hattinger Denkmäler

Vom Stammhaus zum Gasthaus

Petra Elger

Petra Elger

Foto: Funke Foto Services

Hattingen.   Wichtige Kaufmannsfamilien wohnten einst an der Großen Weilstraße. Es soll Geburtsort von Gustav Höfken sein, der Mitglied der Nationalversammlung war.

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Seit langem ist das verschieferte Haus an der Großen Weilstraße Gastwirtschaft. Vielen dürfte es noch unter dem Namen „Zur Börse“ bekannt sein. Auch heute noch wird in einem der ältesten Häuser am Platz gezapft. Was aber in Vergessenheit geraten ist, ist der Umstand, dass in diesem Haus wohl einer von Hattingens bedeutendsten Söhnen geboren wurde.

Seit mehr als 15 Jahren befindet sich das Restaurant Lux in dem denkmalgeschützten Haus an der Ecke Keilstraße. „Hier wurde zwei Jahre lang umgebaut“, erinnert sich Petra Elger vom Restaurant. Komplett entkernt worden sei das Gebäude, vieles musste erneuert werden, den als Inhaber Evangelos Kolios das Haus übernahm, sei es in schlechtem Zustand gewesen.

Schon vorher hatte es an dieser Stelle jahrzehntelang Gastronomie-Betriebe gegeben. Zuletzt das Lokal „Zur Börse“, Treffpunkt für viele Vereine. Stadtarchivar Thomas Weiß blickt noch weiter zurück und findet ein altes Foto. Auf dem erkennt man die Gaststätte Hüser „und da ist ein Coca-Cola-Schild – im Jahr 1938“, staunt er.

Vor allem aber soll das Gebäude Stammsitz der Kielmanns gewesen sein, weshalb es auch unter dem Begriff Kielmann’sches Haus auftaucht. Die Kielmanns waren eine der bedeutendsten Kaufmannsfamilien, die bis 1490 in Hattingen zurückzuverfolgen sind.

Um 1730 schließlich dürfte das Haus in Besitz der Familie Höfken gelangt sein. Und die brachte einen bedeutenden Hattinger hervor: Gustav Höfken war 1848 Mitglied der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, die eine Verfassung ausarbeiten sollte.

Höfken wurde 1811 als Sohn einer der einflussreichsten Kaufmannsfamilien in Hattingen geboren. Er war Journalist und wurde 1848 zum Abgeordneten des Wahlkreises gewählt, der neben Hattingen auch Dortmund, Bochum, Herne, das Amt Hattingen-Land, das Amt Blankenstein und mehr umfasste.

In zahlreichen Zeitungsartikeln berichtete Gustav Höfken über die Arbeit der Nationalversammlung und forderte die Leser auf: „Wachen Sie unerbittlich streng über meine Arbeit im Reichstag.“ Er merkte an, dass Kaufleute kaum unter den Abgeordneten seien und die Arbeiterschaft fast ganz fehlte.

Außerdem erläuterte Höfken die schlechten akustischen Bedingungen in der Paulskirche. So müsse sich der Redner „körperlich über die Maßen anstrengen, um sich verständlich zu machen“. Höfken fürchtete gar: „Die fruchtbare Anstrengung des Körpers muss bei ungeübten Rednern – und das sind bei weitem die meisten in dieser Versammlung – den ruhigen Fluss der Gedanken beeinträchtigen.“

Nach dem Scheitern der Nationalversammlung, war Höfken wesentlich an der deutsch-österreichischen Zollunion beteiligt. Für seine Verdienste wurde er von Kaiser Franz Josef zum Ritter ernannt. Höfken starb 1889 bei Wien.

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