Katholische Gemeinde

Aus dem syrischen Bürgerkrieg ins beschauliche Heiligenhaus

Der neue Kaplan, Pater Georges, fühlt sich schon nach kurzer Zeit sehr wohl in Heiligenhaus.

Der neue Kaplan, Pater Georges, fühlt sich schon nach kurzer Zeit sehr wohl in Heiligenhaus.

Foto: Uwe Möller

Heiligenhaus.  Pater Georges ist der neue Kaplan der katholischen Gemeinde Heiligenhaus. Er kam dafür aus Syrien – und dort hat er Schreckliches erlebt

Wenn Pater Georges an seine neue Heimat Heiligenhaus denkt, gerät er fast schon etwas ins Schwärmen: „Das ist eine schöne kleine Stadt, auch das Wetter ist gemütlich“, sagt der neue Kaplan der katholischen Kirchengemeinde mit einem Lächeln. Das kennt der Geistliche aber auch ganz anders: 18 Jahre lang war er Pfarrer in der syrischen Hauptstadt Damaskus – und hat dort Schreckliches im Bürgerkrieg erlebt.

Doch nun hat der 51-Jährige in Heljens Frieden gefunden: Am 7. Juli wurde er im Rahmen eines Gottesdienstes in St. Suitbertus im sein neues Amt eingeführt. Damit tritt Pater Georges die Nachfolge von Pfarrvikar Matthias Fobbe an, der als Gefängnis-Seelsorger ins Bergische wechselt.

Pater Georges will noch sehen, wo er Schwerpunkte setzen wird

Wo Pater Georges künftig in Heiligenhaus mit dem Gemeindepfarrer Miklós Nuszer geistliche Schwerpunkte setzen möchte, will er aber erst noch genau sehen: „Ich denke, ich brauche Zeit, bis ich sagen kann, was ich tun werde. Das wird sich alles zeigen“, sagt er mit ruhiger Stimme. Derweil will er aber durch sein Wirken in Heiligenhaus „für die Leute da sein und ihnen helfen, ihren Glauben zu vertiefen“.

Geboren wurde Georges Aboud, wie der Pater mit bürgerlichem Namen heißt, 1968 in Beirut. Im Libanon wuchs er auch in einem melkitisch griechisch-katholischen Umfeld auf und trat dort in das Knabenseminar ein. Von 1986 bis 1993 studierte er an der Päpstlichen Theologische Universität Gregoriana in Rom Philosophie und Theologie sowie am Päpstlichen Orientalischen Institut das Fach Orientalisches Kirchenrecht. 2001 kehrte er als Geistlicher in den Libanon zurückkehrte.

Bürgerkrieg änderte ab 2011 alles

Es folgten rund 18 Jahre in Damaskus in einer Gemeinde mit 15.000 Mitgliedern. „Erstmal herrschte Frieden. Wir konnten in unserer Pfarrei allen Aktivitäten nachgehen“, so der Pater, „es war ähnlich wie überall.“ Sprich: „Wir haben Ausflüge und Zeltlager organisiert. Das Pastoralleben war normal, wir haben die Gläubigen seelsorgerisch betreut.“

Doch der Bürgerkrieg, der 2011 aufflammte, änderte alles, „auch wenn Damaskus nicht selbst bombardiert wurde“. Die syrische Hauptstadt sei aber mit Granaten beschossen worden, „es gab sehr viele Zerstörungen.“ Das habe das Gemeindeleben ungemein beeinträchtigt: „Durch den Krieg war alles beschränkt, wir mussten Aktivitäten wie Kinder- oder Jugendtreffen absagen.“

Doch das Schlimmste waren die Todesopfer: „Es sind viele Menschen in unserer Pfarrei getötet worden, darunter Kinder und Jugendliche. Ich habe viele von ihnen gekannt, auch das Pfarrhaus wurde mit Granaten beschossen“, erinnert sich Pater Georges.

Schon als Student Deutsch gelernt

In dieser leidvollen Zeit ertönte der Ruf nach Deutschland, wie der Kaplan ausführt: „Ich war bereits vor drei Jahren für ein Jahr in Deutschland, darunter sechs Monate in Mainz.“ Dazu war er Subsidiar in einer Kölner Gemeinde. Allerdings reichte der Bezug zu Deutschland schon deutlich länger zurück: „Ich habe 1987 als Student am Goethe-Institut in Staufen bei Freiburg sowie 1988 in Freiburg Deutsch gelernt und auch deutsche Freunde in Rom gefunden.“

Der zweite Aufenthalt in Deutschland – eben in Heiligenhaus – soll nun länger andauern. „Durch das Generalvikariat habe ich erfahren, dass ich als Nachfolger von Pfarrer Matthias Fobbe eingesetzt werden soll. Das hatte der Kardinal entschieden.“

In Deutschland hingegen finde die Religiosität „mehr im privaten Bereich“ statt.

Da half es, dass Pater George schon mit Deutschland vertraut war und auch hervorragend Deutsch spricht. Dennoch fallen ihm natürlich viele Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und in Syrien ins Auge – auch beim praktizierten Glauben: „Bei uns im Orient sind die familiären Beziehungen sehr stark. Auch der religiöse Faktor ist ausgeprägter, in Damaskus kommen mehr Besucher zu den Gottesdiensten als hier.“ In Deutschland hingegen finde die Religiosität „mehr im privaten Bereich“ statt.

Der neue Kaplan wohnt nun im Pfarrhaus von St. Suitbertus. In seiner Freizeit hält er sich gerne in der Natur auf. „Ich gehe im Wald spazieren. Von einem Priester in Köln habe ich auch ein Fahrrad geschenkt bekommen, das ich fahre.“ Und noch etwas gefällt dem 51-Jährigen: „Ich schwimme zudem gerne.“ Dazu wird er auch im Heljensbad Gelegenheit haben – nicht zuletzt wegen des „gemütlichen Wetters“, das er hierzulande schätzt.

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