Modellbau

Beim Anschwimmen wird das Freibad zum Bootshafen

Stolz präsentiert Wolfgang Arndt aus Wülfrath sein Modell des Vermessungsschiffes Norderney. Es ist eines von gut 50 Modellbooten beim Anschwimmen im Heljensbad.

Stolz präsentiert Wolfgang Arndt aus Wülfrath sein Modell des Vermessungsschiffes Norderney. Es ist eines von gut 50 Modellbooten beim Anschwimmen im Heljensbad.

Foto: Stefan Arend

Heiligenhaus.   Die Modellbaugemeinschaft Stauteich Heiligenhaus hat ihre neue Saison mit dem Anschwimmen im Heljensbad eröffnet. Das freute nicht nur Kinder.

Die Motoren surren im Nichtschwimmerbecken des Heljensbads, als kleine wie große Modellboote ferngesteuert durchs Wasser sausen oder tuckern, begleitet von staunenden Kinderaugen. Bei Kaiserwetter hat die Modellbaugemeinschaft Stauteich Heiligenhaus (MSH) ihre neue Saison eröffnet und konnte mit befreundeten Vereinen sowie mit interessierten Besuchern sogar gute Nachrichten teilen.

„Jahrelang ging es bergab bei den Mitgliederzahlen“, sagt der MSH-Vorsitzende Peter Janutta, „aber dieser Trend ist gebrochen. Wir haben jetzt starken Zulauf.“ So verstärke eine Handvoll neuer Mitglieder die Jugendabteilung – und daran hätten Veranstaltungen wie das Anschwimmen im Heljensbad einen großen Anteil. Denn das Hobby sei sehr abwechslungsreich und Eltern könnten es gemeinsam mit ihren Kindern ausüben. Wie abwechslungsreich, das konnten die Besucher jetzt anhand von gut 50 Schiffsmodellen erleben. Von Seglern über Arbeitsschiffe wie Schlepper und Vermessungsschiffe zu Frachtschiffen und Personentransportern. Darunter auch einige Unikate wie eine römische Galeere oder ein Tauchboot.

Kriegsschiffe sind eine besondere Herausforderung

„Alle Schiffe sind funktional“, sagt Janutta und betont, dass die meisten Modellbauer Wert auf ein originalgetreues Modell mit möglichst vielen Details legen. Für Recherchereisen ginge es sogar zur jeweiligen Reederei oder Werft, um Einzelheiten zu sehen und zu fotografieren, die über jeden Bausatz hinausgehen.

„Kriegsschiffe sind aber eine besonders große Herausforderung“, so Janutta, weil möglichst alle Details funktionieren sollten, von Kränen über drehbare Kanonen bis hin zu Bordflugzeugen. Mit Kriegsverherrlichung habe das Hobby jedoch nichts zu tun und natürlich bringe man keine verbotenen Abzeichen an.


Kindheitserinnerungen werden geweckt

Während die Vereinsmitglieder ihre Modelle vorführen, juckt es Nicole Oehl aus Homberg in den Fingern, das Hobby wieder neu zu entdecken. „Das weckt Kindheitserinnerungen, als Kind war ich vom Modellbau begeistert, besonders von meinem VW Bus mit Motor.“ Seine Autos zeigt der Verein zwar erst beim Stadtfest, doch beim Anschwimmen werden sie nicht vermisst.

Denn so haben nicht nur Unikate eine Chance, beachtet zu werden, sondern auch Boote, die keine echten Vorbilder haben. So hat die 18-jährige Jenny Hessbrügge ein Boot im Stil von Harry Potter dekoriert, und das Modell ihrer Mutter Beatrix Hessbrügge ist ein Feenboot mit Fabelwesen. „Die Originalmodellbauer schlagen die Hände überm Kopf zusammen, aber alle Kinder finden unsere Boote toll.“

Bastler sitzen bis zu tausend Stunden an einem Boot

So ist am Sonntag im Freibad für jeden Geschmack etwas dabei, vom schnellen Flitzer mit 25 Zentimetern Länge bis zu deutlich größeren Modellen aus Holz oder Kunststoff. „Bei drei Metern Länge ist eine technische Grenze für unsere Motoren erreicht“, sagt Peter Janutta, aber ansonsten könne man alles bauen, worauf man Lust habe. Doch die Familie müsse mitspielen: „Für ein schwieriges Modell ist man schon mal einige hundert oder tausend Stunden in der Werkstatt.“

>> DIE DLRG FÜHRTE RETTUNGSÜBUNGEN VOR

  • Beteiligt war beim Anschwimmen auch die Heiligenhauser DLRG, die Kinder mit einem Schlauchboot durchs Becken gefahren und Rettungsübungen vorgeführt hat.
  • Der Gastgeber, die MSH, hat derzeit 36 Mitglieder, darunter sechs Frauen. Seit 2017 ist das Anschwimmen im Heljensbad, „denn so lernen unsere Besucher unser Hobby und das tolle Heljensbad kennen“, sagt Peter Janutta.

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