Mobilität

E-Scooter könnten bald die Heiligenhauser Radwege erobern

Der Roller muss noch nach angetreten werden, danach schaltet sich der Motor ein.

Der Roller muss noch nach angetreten werden, danach schaltet sich der Motor ein.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Bis zu 40 Stundenkilometer schnell kann ein E-Scooter werden. Bald flitzen die Roller sicher auch auf dem Panoramaradweg.

Neben all den knallbunten Longboards und Stuntrollern geht der schwarze City-Roller im Verkaufsraum eher unter. Doch im dem zweirädrigen Gefährt steckt mehr, als ein erster Blick vermuten lässt. Ein Elektromotor beschleunigt den Roller auf bis zu 40 Kilometer pro Stunde. WAZ-Volontärin Kirsten Gnoth hat eine Fahrt gewagt und ein Gefühl dafür bekommen, wie es bald auf deutschen Radwegen zugehen könnte, denn der Bundesrat hat nun grünes Licht für E-Scooter gegeben.

Von flitzen kann bei mir noch nicht die Rede sein. Mit beiden Füßen fest auf dem Boden versuche ich herauszufinden, wie der Elektro-Tretroller überhaupt funktioniert. Verzweifelt ziehe ich mit dem Zeigefinger am Gashebel, aber das Teil setzt sich einfach nicht in Bewegung. „Das ist extra so. Man muss erst ein paar Schritte antreten und dann klappt das Gas. Durch die Anfahrhilfe besteht keine Gefahr, einen unbeabsichtigten Kickstart hinzulegen“, sagt Sven Roppelt, Inhaber des Funsporthandels Fantic26, in dessen Verkaufsraum der Roller steht.

Roller brauchen eine gewisse Ausstattung

Ein paar Meter gebe ich meinem Leihgefährt mit dem Fuß Starthilfe, bevor ich erneut zum Gashebel greife. Und siehe da, der Motor schaltet sich dazu. Ein Ruck geht durch den Roller und das gute Stück stürmt voran. Vor Schreck lasse ich den Gashebel los und wir versacken beinahe auf halber Strecke.

Meter für Meter zockele ich ans Ende des Firmenparkplatzes. Woanders darf ich mit dem Elektroroller nicht fahren. „Nur Roller, die bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen, werden zugelassen“, erklärt Roppelt. Die sogenannten Elektrokleinstfahrzeuge brauchen zwei Bremsen, Vor- und Rückstrahler, ein Bremslicht, eine Klingel sowie eine Lenk- oder Haltestange und eine Fahrgestellnummer.

Zulassung ist für Hersteller teuer

„Erst, wenn der Hersteller diese Vorgaben erfüllt, bekommen die Roller eine Allgemeine Betriebserlaubnis. Fünf Hersteller sind bisher den teuren Weg der Freigaben gegangen.“ Roller von BMW und Metz dürfen bereits jetzt mit Sondergenehmigung auf der Straße fahren. Das hat seinen Preis. „Mir ist kein Roller unter 1000 Euro bekannt, der eine Zulassung bekommen hat“, Sagt Roppelt.

Für den Fahrspaß auf zwei Rädern müssen die Kunden also tiefer in die Tasche greifen. Nicht nur den Kaufpreis müssen Interessierte einrechnen, sondern auch den jährlichen Betrag für die Haftpflichtversicherung. Denn nur wer einen Versicherungsaufkleber am Roller hat, darf auf den Radweg oder die Straße. Gehwege sind nach der neuen Verordnung, die voraussichtlich im Juni in Kraft treten soll, für E-Scooter tabu.

Roller sind zum Pendeln gedacht

Mein Auto-Führerschein hilft mir hier nichts. Selbst nach mehreren Runden fehlt mir noch das Gefühl für den Roller. Der Foto-Kollege hingegen düst sofort ohne Probleme los und traut sich auch, engere Kurven zu nehmen. Ist er etwa ein Naturtalent? Nein, der Herr hinter der Kamera fährt Roller. Zwar einen mit deutlich mehr PS, aber die Kurvenlage ist wohl ähnlich.

Mit etwas mehr Übung, würde ich mich aber sicher auch trauen, den Roller zum Pendeln zu nutzen. Denn dafür sind sie gedacht. „Mal eben den Weg von der Bahn zum Büro oder Auto zurücklegen. Die Roller gehen als Handgepäck in der Bahn durch, anders als E-Bikes“, sagt Sven Roppelt und fügt hinzu, „hier in der Heiligenhauser Innenstadt lässt sich sicher auch gut damit einkaufen.“

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Der Bundesrat stimmte für eine Zulassung der E-Scooter im Straßenverkehr. Vieles muss dabei jedoch beachtet werden. Infos zu dem Thema gibt es im Video.
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Aber der Inhaber von Fantic26 warnt auch vor den Risiken der kleinen Flitzer. „Es besteht keine Helmpflicht. Ich empfehle aber, einen zu tragen. Mit den dünnen Rädern kann man leicht wegrutschen.“ Brenzlig wurde es bei meiner kleinen Probefahrt im Schneckentempo allerdings nicht.

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