Völkerverständigung

Heiligenhauser Gesamtschüler werden Friedensbotschafter

Im belgischen Ypern, wo sich einst Deutsche und Briten in Schützengräben bekämpften, traten jetzt Jugendliche aus vielen Ländern zu den sogenannten Friedensspielen an. Die einzige deutsche Delegation kam aus Heiligenhaus.

Im belgischen Ypern, wo sich einst Deutsche und Briten in Schützengräben bekämpften, traten jetzt Jugendliche aus vielen Ländern zu den sogenannten Friedensspielen an. Die einzige deutsche Delegation kam aus Heiligenhaus.

Foto: Gesamtschule Heiligenhaus

Heiligenhaus/Ypern.  Auf einem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs nahmen Heiligenhauser an den „Friedensspielen“ teil. Sie lernten dort auch viel über Freundschaft.

An eine historischer Stätte aus dem Ersten Weltkrieg sind unlängst Heiligenhauser Gesamtschüler gereist, um den Frieden in Europa zu fördern und zu erhalten: Als einzige deutsche Teilnehmergruppe hat die Delegation aus Heljens bei den „Global Peace Games“ (Internationale Friedensspiele) im belgischen Ypern teilgenommen. Dort haben die Heiligenhauser Jugendlichen in Gedenken an die wohl berühmteste Fußballpartie der Westfront ihre Nation beim Sport vertreten. Vergessen werden sie diesen einwöchigen Ausflug nicht so schnell.

„Dass es um den Ersten Weltkrieg geht, wussten wir erst nicht. Wir dachten, wir machen dort Sport“, sagt die 14-jährige Lara Lurz, eine von sechs deutschen Schülern, die mit zwei Lehrerinnen nach Ypern gereist sind. Sport wurde bei dem Besuch keineswegs vernachlässigt, denn nicht nur ging es um Fußball und das legendäre Weihnachtsspiel am 6. Dezember 1914, als die deutschen und britischen Truppen in den Schützengräben ihre Waffen niederlegten. Die Teenager aus anderen Nationen – Belgien, England, Indien, Italien, Nord-Irland und viele Flüchtlingskinder aus Afrika – haben aus ihren Ländern ebenfalls Sportarten mitgebracht, die jetzt im Friedenscamp von Ypern ausprobiert wurden, darunter Rugby und Cricket. „Wir haben auf dem Schlachtfeld gespielt, auf Toten“, zeigt sich Schülerin Daria Gorczycki (14) auch nach ihrer Rückkehr nach Heljens immer noch beeindruckt.

Gänsehautmomente in den Schützengräben

„Ich dachte vorher immer, dass ich sehr sportlich bin“, sagt Daria, aber nach dem Bildungsreise nach Belgien wisse sie es nun besser: „Die Fahrradtour durch die Anhöhen hat mich geschafft.“ Doch nicht nur diese Lektion haben die sechs Heiligenhauser gelernt. Natürlich haben sie auch viel über den Ersten Weltkrieg erfahren, denn sie sind durch die Schützengräben gelaufen, haben Bunker besichtigt und Soldatenfriedhöfe besucht. „Jetzt wissen wir, wie Krieg aussieht“, sagt Daria, „denn in der Schule lernen wir mehr über das alte Ägypten als über den Ersten Weltkrieg.“ Gänsehautmomente habe es aber nicht nur in den Schützengräben gegeben, ergänzt Sarah Ruffani (13): „Es war echt krass, auf den Gräbern zu sehen, dass die Soldaten fast in unserem Alter waren.“

Bei diesem Friedensprojekt, das unter anderem von dem europäischen Fußballverband Uefa unterstützt wird, ging es allerdings nicht nur ums Lernen, sondern vor allem ums Kennenlernen. Denn die Organisatoren achteten sorgsam darauf, dass alle Gruppen und Sportmannschaften multinational waren – die gemeinsame Sprache war Englisch. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns so gut auf Englisch verständigen können“, sagt Aaron Bürger – und Lara Lurz bestätigt, dass die Gesamtschüler erstaunlich viele Vokabeln kannten. Dabei hätten sich ihre Schüler hervorragend angestellt, loben die beiden Lehrerinnen Bettina Hellmich und Stefanie Linnesch. So sei ihre Gruppe vorbildlich auf ausländische Jugendliche zugegangen.

Viele Vorurteile abgebaut

Während des einwöchigen Belgienaufenthalts wurden auch viele Vorurteile abgebaut. „Ich bin beeindruckt, wie normal Kinder trotz der großen Armut in indischen Slums leben können“, sagt Aaron. Und Daria war zunächst ungläubig, dass englische Schüler „Angst vor uns Deutschen hatten“ – zumindest, bis man sich gegenseitig kennenlernte. „Wir haben sehr viele Freunde gewonnen, alle waren wirklich super nett“, sagt Daria – und Laura verrät, dass beim Abschied durchaus einige Tränen geflossen sind. Natürlich haben die neuen Freunde Kontaktdaten ausgetauscht und schmieden jetzt schon Wiedersehenspläne. Dann soll jedoch nicht in Ypern, sondern mitten in Heiligenhaus, am Erhalt des weltweiten Friedens und an der Völkerverständigung weitergearbeitet werden.

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