Ferienprogramm

Kinder überwinden Ängste mit schaurigschönem Theaterstück

Probe für die Aufführung: Der blutrünstige Geist (Amira Gel, rechts) und seine Handlangerin, die Katze (Marie Ringmayer), schmieden einen Plan gegen die vier gefangenen Schwestern.

Probe für die Aufführung: Der blutrünstige Geist (Amira Gel, rechts) und seine Handlangerin, die Katze (Marie Ringmayer), schmieden einen Plan gegen die vier gefangenen Schwestern.

Foto: Alexandra Roth

Heiligenhaus.  Schaurigschön ist das Theaterstück, das beim Kulturrucksack entstand. Kinder lernten dabei, ihre Ängste zu besiegen – und noch so einiges mehr.

Der blutrünstige Geist eines Mörders, sein finsteres Spukhaus und eine Riesenspinne; sie alle versprachen den Kindern, die beim diesjährigen Theaterferienprojekts des Kulturrucksacks teilnahmen, schrecklich viel Spaß. Dabei lernten die jungen Teilnehmer sogar etwas fürs Leben – ebenso wie ihre Zuschauer bei der Aufführung im Club.

„Da wird einem Angst und Bange! Juhu!“ hieß die einwöchige Ferienaktion, die die Theaterpädagogin Ute Kranz betreute. Hinter dem Titel verbarg sich jedoch kein Stück über Adrenalinjunkies, aufgeführt wurde eine Geschichte über Kinder, die sich ihren Ängsten stellen. „Die Figuren haben wir uns selbst ausgedacht und alle gemeinsam an der Geschichte gebastelt“, sagte die zehnjährige Marie Ringmayer. Das sei anfangs schwer gewesen, ergänzte Sarah Brczak (11), „aber sobald wir die erste Idee hatten, sind immer mehr und mehr dazugekommen“.

Die Kinder entwerfen ihre eigene Schauergeschichte

So ist diese Geschichte, erdacht von acht Mädchen und Jungen zwischen neun und elf Jahren, mit Elementen gespickt, die aus Kinderalpträumen entsprungen zu sein scheinen: Vier Halbwaise wollen mit ihrem Vater ein Familienfoto im Wald machen, bis ein Gewitter die vier Schwestern von ihm trennt. Sie verirren sich und suchen Unterschlupf einem gruseligen Haus. Als dort der Strom ausfällt, merken die Mädchen, dass sie in einem Spukhaus mit einem finsteren Labyrinth gefangen sind. Dort hausen der Geist eines Mörders, seine Katze, die zudem seine Handlangerin ist, und einer Riesenspinne. Retten können sie sich nur, wenn sie drei scheinbar unlösbare Aufgaben bewältigen.

„Natürlich ist es nicht einfach, diese Aufgaben zu erfüllen“, betonte Marie Ringmayer. Anders als der legendäre Herkules bezwingen die Mädchen ihre Aufgaben aber nicht mit Muskelkraft, sondern mit innerer Stärke. „Wir haben keine Tussi und keinen Haudrauf im Stück“, sagte Kranz, dafür hätten alle Figuren Schwächen, die letztlich hilfreich sind. So erkennt etwa die stets naive kleine Schwester, dass die Spinne freundlich ist und gewinnt sie als Verbündeten.

Für Eltern gibt es ebenfalls eine Lektion

„Die große Fähigkeit dieser Gruppe ist, bei allem Chaos Lösungen zu finden“, lobte Ute Kranz. Ein Drehbuch gab es nicht, alle Szenen entstanden im Prozess und wurden improvisiert, auch bei der Aufführung vor Verwandten und Freunden. „Es war total schön“, resümierte Ute Kranz – natürlich haben die Schwestern ihre Ängste überwunden. Und die Nachwuchsschauspieler haben ihr Lampenfieber besiegt. „Das stärkt ihr Selbstvertrauen“, weiß die Theaterpädagogin, die zudem hofft, dass auch die Eltern etwas durch das Theaterstück ihrer Kinder gelernt haben. „Man muss Kinder nicht vor allem beschützen“, führte sie weiter aus. „Sie begeben sich in Situationen, die sie überfordern, die gefährlich, verboten und spannend sind.“ Und sie wachsen daran – wie die vier Schwestern aus dem selbsterdachten Theaterstück.

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