Beziehung

Liebesgeschichte zweier Heiligenhauser überwindet Grenzen

Seit dem Jugendalter unzertrennlich: Die Heiligenhauser Katrin und Marcus Hertel sind stolz auf ihre Beziehung und auf die Widerstände, die sie überwunden haben.

Seit dem Jugendalter unzertrennlich: Die Heiligenhauser Katrin und Marcus Hertel sind stolz auf ihre Beziehung und auf die Widerstände, die sie überwunden haben.

Foto: Alexandra Roth

Heiligenhaus.  Liebe zwischen West und Ost. Katrin und Marcus Hertel glaubten daran und leben nun glücklich in Heiligenhaus. Der WDR zeigt die Geschichte im TV.

Außergewöhnlich ist die Liebesgeschichte der beiden Heiligenhauser Katrin und Marcus Hertel. Begonnen hat sie für die beiden im Teenageralter und mit vielen Widerständen, die sie überwinden mussten. Diese Geschichte beginnt mit dem Mauerfall und dem Ende des Kalten Krieges – und sie ist sogar filmreif. Denn der Westdeutsche Rundfunk (WDR) präsentiert sie am Freitagabend in der Auftaktfolge der neuen Sendereihe „Unser Land in den 90ern“.

Katrin Hertel brach mit 16 Jahren zum Verwandtenbesuch nach Velbert auf. Es war 1990, der erste Sommer nachdem die Mauer gefallen war und ihr erster Urlaub außerhalb der DDR. Damals ahnte sie noch nicht, dass sie ihren späteren Ehemann dort treffen würde. Der gleichaltrige Marcus Hertel glaubte zunächst, dass er kein Interesse an der Besucherin aus Ostdeutschland haben würde. „Ich hatte Fotos von ihr gesehen, und sie sah einer Klassenkameradin ähnlich, die ich nicht leiden konnte.“

Als Teenager gingen sie zunächst eine Fernbeziehung ein

Diese Fehleinschätzung musste er jedoch sofort revidieren, als er die Brandenburgerin in der Wohnung seiner Schwester traf. „Im echten Leben sah sie ganz anders aus. Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Und die 16-Jährige, die gerade erst von einem kleinen Dorf nach Rostock gezogen war, war ihrerseits ganz angetan von dem jungen Mann. Sie blieb spontan die gesamten Sommerferien und die beiden Jugendlichen wurden ein Paar.

Es folgte eine Fernbeziehung, einmal im Monat sahen sich die beiden – mal ist er die mehr als 550 Kilometer mit dem Zug nach Rostock gefahren, mal kam sie runter nach Velbert. Nach einem gemeinsamen Urlaub in Holland wollten sie unbedingt zusammenziehen, und so kämpfte Marcus Hertel dafür, dass seine Liebste in Velbert ihre Ausbildung zur Restaurantfachfrau fortführen konnte. Dies gelang im Haus Stemberg.

Gemeinsamer Kampf gegen Vorurteile

Seit 1991 leben die heute 45-Jährigen zusammen, zunächst in einer kleinen Wohnung in Velbert, bevor sie ein paar Jahre später nach Heiligenhaus zogen, weil sie eine Familie gründen wollten. Kaum jemand habe an ihre Beziehung geglaubt. Während der Stahlformenbauer in der Berufsschule aufgezogen wurde, weil er „in eine Ossi verschossen“ war, musste Katrin Hertel ihn wiederum gegen Vorurteile im Osten verteidigen. „Marcus sah damals südländisch aus“, sagt sie. Mit einem vermeintlichen Türken an ihrer Seite habe sie es in Rostock – zu Zeiten rassistischer Ausschreitungen in Lichtenhagen – sehr schwer gehabt.

„Für uns war aber klar, dass unsere Beziehung langfristig ist“, sagt Marcus Hertel, und seine Frau stimmt ihm zu. „Er war mein erster Freund, meine erste große Liebe – und so ist es immer noch.“ Daher haben Hertels auch kein Verständnis dafür, dass West- und Ostdeutsche fast 30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch übereinander meckern. „Wir sind Wossis“, sagen sie über sich selbst sowie über Tochter Sarina (22) und Sohn Leon (13). Doch sie sind inzwischen vor allem Heiligenhauser. „Das ist mein Zuhause“, sagt Kartin Hertel, „ich finde es hier sehr schön. Es ist nicht zu groß, alles ist schön zentral und vor allem familiär.“ Insbesondere das Stadtfest mögen sie, weil man dort fast jeden Bekannten treffe. In Heiligenhaus empfangen sie gerne Verwandte aus Brandenburg, reisen aber ebenso gerne zum Gegenbesuch an.

Soljanka und Saure Eier werden auch in Heiligenhaus aufgetischt

Ostdeutschland für die Liebe verlassen zu haben, hat Katrin Hertel nie bereut. „Meine Gartenliebe habe ich hierhin mitgenommen“, sagt sie und blickt lächelnd auf ihre Blumenbeete. Auch Soljanka isst sie noch gerne und tischt zudem ab und zu Saure Eier auf.

Er dagegen legt gerne mal ein gutes Steak auf den Grill. Solche kleinen Unterschiede kann ihre Liebe jedoch locker überwinden – ebenso wie den kleinen Unterschied, dass beide in einem anderen deutschen Staat aufwuchsen. Stolz sind Katrin und Marcus Hertel auf ihre Beziehung, die zwischen zwei Jugendlichen begann, die zunächst hunderte Kilometer auseinander lebten. „Wir haben uns noch nie richtig gestritten, zwischen uns gibt es kein böses Wort“, sagt Marcus Hertel – und so soll es noch lange bleiben.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben