Comedian Harmonists

20er-Jahre-Nostalgie mit Headsets

Die Comedian Harmonists gastierten im Alten Casino.

Die Comedian Harmonists gastierten im Alten Casino.

Foto: Max Winkler

Hemer.  In den Genuss eines Auftritts der Comedian Harmonists kamen die Gäste des Alten Casinos am Sonntagabend.

Was lässt die vielen Zuschauer eigentlich zu den derzeit im Konzertbetrieb oft anzutreffenden Auftritten der vielfältigen Revival-Gruppen strömen? Wo liegt der Reiz an der Musik dieser Dubletten, sei es das Glen-Miller-Orchestra, eine der Queens-Shows oder einer der zahlreichen Don Kosaken-Imitatoren, wo man diese doch im Zeitalter der digitalen Musikvermittlung jederzeit medial im Original wieder aufleben lassen kann? Ist es die nostalgische Erinnerung an eine längst vergangene, schöne Zeit? Ist es der Wunsch, in Gesellschaft und in einer angemessenen Atmosphäre Musik nach zu erleben, spielt die Optik beim Musikgenuss nicht doch eine wesentliche Rolle? Oder geht es sogar darum, Neuinterpretationen altbekannter Hits aufzuspüren, sich zu erfreuen an frischen, in die heutige Zeit passenden Umdeutungen? Vielleicht erwarten die Zuschauer gar eine noch perfektere, das Original übertreffende, musikalische Leistung?

Auf all diese Fragen konnte man am Sonntag im Casino am Sauerlandpark Antworten suchen, und einige auch finden. Die Comedian Harmonists waren gekommen – natürlich nicht im Original, die sind schon längst Geschichte. Und viele kennen diese Geschichte nicht zuletzt aus dem Kino oder aus Bühnenversionen. Anlässlich einer solchen Inszenierung am Braunschweiger Staatstheater hatten sich die fünf Sänger und der Pianist der heutigen Comedian Harmonists kennengelernt und seitdem touren sie über die Bühnen.

Gegeltes Haar, schwarzer Frack und spitze Schnurrbärtchen

Dabei sind auch große Bühnen, aber Spielstätten wie das Casino im Sauerlandpark bieten nun mal aufgrund ihrer Größe, ihres Ambientes und der gediegenen Beleuchtung einen sehr angenehmen, intimen Rahmen und passen hervorragend zu dieser Produktion. Eine Produktion, die sowohl von seiner dramaturgischen Inszenierung als auch von der musikalischen Leistung der sechs Akteure ein absolutes Highlight des diesjährigen Veranstaltungskalenders des Sauerlandparks darstellt.

Dabei stand die Geschichte der historischen Comedian Harmonists im Mittelpunkt. Sie wurde vom Bass, Götz van Ooyen alias Robert Biberti, mit vielen bekannten, aber auch nicht immer so präsenten, Einzelheiten und Hintergrundgeschichten moderativ sehr gekonnt vorgestellt und vom optischen Erscheinungsbild der Gruppe, schwarzer Frack, gegeltes Haar und in Ermangelung derselben ein spitzes Schnurrbärtchen, unterstützt. Die ewigen Hits „Ein Freund, ein guter Freund“, „Veronika, der Lenz ist da“ oder der „Kleine grüne Kaktus“ durften natürlich nicht fehlen, wurden aber dramaturgisch passend durch unbekanntere Songs oder Kompositionen aus dem weiteren Umfeld, zum Beispiel Max Raabes „Kein Schwein ruft mich an“, sinn- und sehr wirkungsvoll ergänzt. Auch die verfahrene Situation der Gruppe in der Nazizeit wurde nicht ausgelassen – sehr feinfühlig und mit viel Fingerspitzengefühl fanden die Songs „Im kühlen Grunde“ und „Irgendwo auf der Welt“ auf der Bühne einen idealen Platz. Das ging unter die Haut!

Schauspielkunst undeinwandfreier Gesang

Insbesondere die drei Zugaben mit aktuellen Bearbeitungen führten dann noch einmal vor, mit welcher Situationskomik, praller Spielfreude und kreativen Einfällen es dieses Ensemble versteht, die Emotionen der Zuschauer zu wecken und sie zu Begeisterungsstürmen hinzureißen.

Die Benutzung von Headsets hatte nicht nur zur Folge, dass die Choreographie sehr frei angelegt werden konnte und zeitweise, immer basierend auf hoher Schauspielkunst, sogar Kapriolen schlug, sondern auch, dass die Sprache, in diesem Fall der Gesang, scharf konturiert bis in den letzten Winkel des Casinos ankam und überall sehr verständlich war.

Dass mit dieser Technik normalerweise natürlich auch die kleinsten sprachlichen und gesanglichen Verfehlungen gut rüberkommen, konnte in diesem Fall vernachlässigt werden: die gab es einfach nicht. Neben den fünf Sängern muss auf jeden Fall noch der „musikalische Kopf“ des Ensembles, Ralf Schurbohm, gesondert erwähnt werden, der das Quintett nicht nur souverän auf dem Klavier begleitete, sondern hier und da den Sound stimmlich aus dem Hintergrund verdichtete oder ihm noch ein sauberes „Oberstimmen-Krönchen“ aufsetzte. Insgesamt ein Abend, der nicht nur hohen Unterhaltungs- und Erinnerungs-, sondern auch einen bedeutenden Mehrwert, sogar im Vergleich mit dem Original, beinhaltete. „Das war ja wohl ein Knaller, woll!“, entfuhr es einer begeisterten Zuschauerin am Ende des Konzerts. Ein größeres sauerländisches Lob scheint kaum vorstellbar.

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