Lyrik

„Autoren sind wie Spione im Leben von anderen“

Ilona Kischa hat ihren ersten Lyrikband "Zartbrechlich" veröffentlicht

Ilona Kischa hat ihren ersten Lyrikband "Zartbrechlich" veröffentlicht

Foto: Ralf Engel / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Hemer.  Ilona Kischa veröffentlicht in ersten Lyrikband. Die Auswahl von Gedichten aus drei Jahrzehnten fiel besonders schwer.

Sie liebt die Sprache, die ihrer polnischen Heimat und das Deutsch ihrer neuen Heimat. „Die deutsche Sprache ist so wahnsinnig präzise und wunderschön“, sagt Ilona Kischa. Die Worte zum Klingen bringt die Hemeranerin in ihrem ersten Lyrikband. „Zartbrechlich“ lautet der Titel, der schon im Namen den spielerischen Umgang mit Worten widerspiegelt. Bei der Veröffentlichung der 48 Gedichte stand die Autorin vor der Qual der Wahl aus mehreren Hundert Werken.

Großes Engagementfür die Literatur

Geboren und aufgewachsen ist Ilona Kischa in Polen. Schon als Kind liebte sie die Sprache, schrieb eigene Gedichte. Mit 18 gewann die Autorin in ihrer Heimatstadt den zweiten Platz im Lyrikwettbewerb junger Autoren und erhielt den gleichzeitig vergebenen Publikumspreis. Und dann kam der sprachliche Neuanfang. „Ich konnte kein einziges Wort Deutsch“, sagt sie über ihren Umzug nach Deutschland, Anfang der 80er Jahre. Das änderte sich schnell. „Wenn man etwas liebt, dann lernt man es ohne Vorbehalte“, sagt die seit 1988 in Hemer lebende Lyrikerin und Sprachkursleiterin der VHS. 1987 veröffentlichte sie ihr erstes Gedicht auf deutsch, viele weitere folgten.

Hinzu kam ihr Engagement für die Literatur. Zusammen mit Uta Baumeister initiierte sie 1999 den Hemeraner Literaturwettbewerb „Apostroph“, eine Erfolgsveranstaltung. 2011 wurde sie mit dem Jokers-Lyrikwettbewerb-Sonderpreis ausgezeichnet. Als Jurorin in regionalen und überregionalen Literaturwettbewerben und als Übersetzerin von geschichtlichen und lyrischen Texten ist sie gefragt. So stieß der erste deutsch-polnische Gedichtband „Tintenrosen“, „Atramentowe róze“ auf große Resonanz. Ilona Kischa hat die Werke des Schwerter Lyrikers und Kinderbuchautoren ins Polnische übersetzt Übersetzt ist dabei schon das falsche Wort. Es ging um das Übertragen mit einem Gefühl für Sprache, Klang und Aussage. „Lyrik kann nur von Lyrikern übersetzt werden. Ilona hat eine Liebe zur deutschen Sprache, bei ihr war das Projekt in guten Händen“, sagte Thorsten Trelenberg.

In mittlerweile zwölf Anthologien sind einige ihrer Werke zu finden, jetzt war es Zeit für die eigene Gedichtsammlung. „Die Auswahl war sehr schwierig“, gesteht sie und bezieht dies nicht nur auf die Menge, sondern auch auf Inhalt und Aussagekraft. Das erste und zugleich letzte Gedicht auf dem Cover ist wohl das Persönlichste. In „Angst“ fasst sie ihren Neubeginn in Deutschland in Worte. „Ich möchte Lyrik so weitergeben, dass sie Bilder im Kopf erzeugen kann“, so die Hemeranerin. Das gelingt ihr mit stimmungsvollen und stimmigen Beobachtungen. „Autoren sind wie Spione im Leben von anderen, sie beobachten anders“, sagt sie.

Am 19. November wird der Lyrikband erstmals bei einer Lesung im Buchladen am Markt vorgestellt. Lesen wird der bekannte Musiker und Rezitator Peter Bochyneck. „Ich möchte gerne hören, wie es klingt, wenn andere meine Gedichte lesen“, sagt Ilona Kischa. „Zartbrechlich“ ist im Deutschen Lyrik Verlag erschienen.

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