Energie

Besucher-Flaute bei Windpark-Veranstaltung

Die BayWa r.e. möchte im Balver Wald einen Windpark anlegen, in einer Info-Veranstaltung im Grohe-Forum war der Ansturm nicht sehr groß. 

Die BayWa r.e. möchte im Balver Wald einen Windpark anlegen, in einer Info-Veranstaltung im Grohe-Forum war der Ansturm nicht sehr groß. 

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Hemer.  BayWa r.e. informiert im Grohe-Forum über die geplanten Windenergieanlagen im Balver Wald. Trotz Messe-Atmosphäre kommen nur wenige Gäste.

Fast wie eine Messe wirkte die Informationsveranstaltung der BayWa r.e. am Donnerstagabend. An verschiedenen Ständen informierten Experten über Schall-, Umweltgutachten oder Energieaspekte zum geplanten Windpark im Balver Wald. Besonders groß war der Andrang allerdings nicht. Nur wenige Menschen fanden ihren Weg ins Grohe-Forum. Teilweise überragte die Zahl der Mitarbeiter der BayWa r.e. und der Experten die Besucherzahl. Dabei hat das Unternehmen mehr als 13.000 Anwohner durch ein Schreiben kontaktiert.

„Für uns war das wie ein Blick in die Glaskugel“, erklärte Lisa Semke, Projektleiterin der BayWa r.e. für den geplanten Windpark im Balver Wald. Sie sieht den fehlenden Andrang im Zusammenhang mit der Ferienzeit oder fehlendem positiven wie negativen Interesse am Windpark. Das Unternehmen BayWa r.e. will sieben Windräder in zwei Flächen im Balver Wald aufstellen. Die erste Fläche befindet sich zwischen Stephanopeler Tal und Garbeck, die zweite Fläche im Balver Wald am Ostenberg.

Anwohner sehen Windpark in ihrer Nähe kritisch

Unter den Besuchern waren am Donnerstag aber auch viele Personen, die dem Windpark im Balver Wald skeptisch oder kritisch gegenüber stehen. Nadja Schulte, die in der Nähe des geplanten Windparks wohnt, sagte: „Es erschließt sich mir nicht, warum man den Windpark inmitten von unwegsamen Gelände im Wald bauen muss. An anderer Stelle wäre das sicherlich sinnvoller.“

Anwohner Manuel Täger stört vor allem der horizont-beherrschende Ausblick auf die geplanten Windkrafträder. „Wenn man hier aufgewachsen ist, muss man sich erst einmal daran gewöhnen“, erzählte er. Auch beim Joggen im Wald befürchtet er, dass ihm die bis zu 238 Meter großen Türme mit ihren Rotoren auffallen würden. „Das ist auch eine optische Beeinträchtigung“, so Manuel Täger.

Um diese oder andere Bedenken auszuräumen, hat die BayWa r.e. im Grohe-Forum nicht nur große Informationstafeln aufgestellt, sondern auch Experten eingeladen. „Wir haben das wie eine Art Messe geplant“, sagte Dr. Heike Hellmich, Leiterin des Regionalbüros Mitte der BayWa r.e. in Braunschweig. Neben freien Popcorn gehörte dazu auch ein Image-Film des Bundesverbandes Windenergie. Mit der Hilfe einer VR-Brille konnten die Besucher in einem 360 °-Film eine Windkraftanlage im Windpark Feldheim in Brandenburg besichtigen. Mit einem Servicetechniker geht es im Film in einer Gondel 150 Meter die Anlagehoch. Am Ende des Videos gibt es einen Ausblick auf den Windpark von einer Aussichtsplattform aus. In schwindelnder Höhe konnte man seinen Blick schweifen lassen – das sorgte für erstaunte Blicke.

Anwohner Martin Huster steht dem Bau des Windparks im Balver Wald grundsätzlich positiv gegenüber: „Atomkraftwerke möchte keiner, und Kohle auch nicht. Da bleiben doch nur die erneuerbaren Energien.“

Auch an den verschiedenen Ständen konnten die Besucher Einblicke in das Verfahren erhalten. Gutachter Olaf Miosga von den Münsteraner Landschaftsplanern öKon erzählte über das geplante Artenschutzverfahren am Standort. Dabei bezog er sich auf ein vorheriges Gutachten der Fläche aus dem Jahren 2013/14. Aus seiner Sicht wäre, so entnimmt er es den Dokumenten, der Bau eines Windparks auf dieser Fläche möglich. „Es gibt zwar Hürden, aber die sind lösbar“, sagte er.

Abschaltzeiten schützen Fledermäuse vor der Anlage

Beispielsweise könne man durch die Einhaltung von Abschaltzeiten höher fliegende Fledermäuse vor den Rotoren schützen. „Durch eine intelligente Steuerung des Windparks ist das möglich“, erklärte er. Nahezu unvereinbar mit dem Park seien Nistplätze von bestimmten Vogelarten wie dem Rotmilan oder dem Schwarzstorch. Aber auch in diesem Fall sieht Miosga Potenziale. „Man kann viel für ein verträgliches Beisammensein tun“, sagte der Biologe. Der Experte wurde für die Informationsveranstaltung von BayWa r.e gebucht. Mit dem geplanten Artenschutzgutachten, das BayWa r.e. durchführen muss, haben er und seine Firma bisher wenig zu tun. „Das Gutachten wird europaweit ausgeschrieben“, so Miosga.

Zudem war die EnergieAgentur.NRW mit einem Stand vertreten. Das Unternehmen, das im Auftrag des Landes zu Energiefragestellungen informiert, zeigte die Auflagen auf, die bei einer Bebauung im Wald zu beachten sind. Energieberater Maik Schatto erklärte: „Windenergieanlagen dürfen nur in Wirtschaftswald gebaut werden. Für den Wald, den man abholzt, muss man Ausgleichsflächen schaffen.“ Ein Stand der Internetplattform Bettervest informierte über die Crowdfunding-Kampagne zum Windpark.

Politik wurde vom Vorstoß des Unternehmens überrascht

Auch die FDP-Ortsvorsitzende Andrea Lipproß war am Info-Abend vor Ort – gleichzeitig als Anwohnerin aus Ispei und als Politikerin. Sie kritisierte die Vorgehensweise des Unternehmens gegenüber der Stadt. „Wir sollten als Stadt die Vorrangflächen bestimmen, die für Windenergie geeignet sind. Aber die machen ihre eigene Wurst.“

Breite Teile der Politik wurden von dem Vorstoß der BayWa r.e. überrascht. Als eines von vielen Unternehmen hat das BayWa r.e. laut dem Technischen Beigeordneten Christian Schweitzer vor einem Jahr die Stadt kontaktiert und Interesse bekundet. Dass das Unternehmen allerdings so früh das Verfahren anstößt, kam auch für Christian Schweitzer plötzlich.

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