Archiv

Das Archiv als Gedächtnis einer Stadt

Eberhard Thomas im Archiv der Stadt Hemer.

Eberhard Thomas im Archiv der Stadt Hemer.

Foto: Carmen Ahlers

Hemer.  Im Hemeraner Stadtarchiv finden sich viele Schätze. Dieses Archiv hat Eberhard Thomas aufgebaut.

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Er ist der Herr des Stadtarchivs, der Hüter historischer Schätze und einer der Menschen in Hemer, die sich bestens in der Geschichte der Stadt auskennen. Eberhard Thomas hat 1980 seinen Dienst bei der Stadt Hemer begonnen. Eigentlich war er nur zweite Wahl, aber der ursprünglich ausgewählte Bewerber sprang kurzfristig ab. Hans Deus, der frühere Hauptamtsleiter der Stadt, holte den Diplom-Bibliothekar nach Hemer. Heute ist er offiziell schon im Ruhestand, hilft aber aktuell wegen personeller Engpässe noch im Archiv aus. Er hatte gerade begonnen, seine Nachfolgerin Alexandra Haber einzuarbeiten, als sie krank wurde und nun im September Mutter wird. So ist Eberhard Thomas weiter gefordert.

Frühere Lagerung in Gefängniszellen

Wie alles begann: In der Bücherei fungierte Eberhard Thomas als Stellvertreter von Hannelore Seydel, und bekam in Zeiten, als es der Bücherei nach der Einführung der Gebührenordnung auf Grund einer gewaltigen Abmeldungswelle schlecht ging, zusätzlich die Führung des Stadtarchivs übertragen, zunächst mit einer halben Stelle. Thomas baute im Grunde das Archiv der Stadt auf, das sich heute am Sauerlandpark befindet. Eines stellt der 64-Jährige direkt klar: „Man braucht nicht nur Köpfchen, sondern auch Muckis!"

Der Weg ins jetzige Domizil war lang, denn die ersten Akten wurden im Keller des Alten Amtshauses gelagert, genauer gesagt tatsächlich in den Gefängniszellen, die dort früher vorgehalten wurden. Auch an anderen Stellen in der Stadt wurden alte Unterlagen gesammelt, und für Eberhard Thomas war es als Einzelkämpfer ein Riesenakt, alle Lagerbestände zusammenzuführen, zu sichten und zu ordnen. In den Räumen zwischen Bücherei und dem früheren Jugendzentrum wurde das neue Archiv aufgebaut – mit der schnellen und ernüchternden Erkenntnis, dass der Platz nicht reichen wird.

2008 folgte der Umzug des Archivs in die frühere Kaserne am heutigen Sauerlandpark. Der Archivar selbst bezeichnet sich lächelnd als „Ureinwohner“ des Gebäudes, das vor der Landesgartenschau in 2010 zum LGS-Verwaltungsgebäude wurde. Damals war er dort wirklich allein auf weiter Flur.

Das Büro des Archivs und ein benachbarter Arbeitsraum befinden sich im Erdgeschoss, die wahren Schätze schlummern im Keller in insgesamt elf Räumen. Thomas kennt sich aus, weiß meist sofort, wo er was findet. „Ansonsten schaue ich im Rechner nach“.

Auf 450 Quadratmetern dreht sich alles um die Historie

Insgesamt hat das Archiv eine Fläche von rund 450 Quadratmetern. Dort werden Urkunden, Bücher, Karten, Pläne und über 5.000 Akten verwahrt, vorwiegend aus dem Amt Hemer, aber auch von amtsangehörigen Gemeinden. Die älteste Akte stammt aus dem Jahre 1775, die Hauptüberlieferung beginnt jedoch erst nach 1810. Auch die Ausgaben der Zeitungen, die es in Hemer gibt und gab, sind im Archiv zu finden. Eine gute Möglichkeit, auf eine spannende Zeitreise zu gehen. Auch Firmenarchive sind zu finden. Es handelt sich allgemein um historisches Quellenmaterial von bleibendem Wert für die Geschichtsforschung, für die historisch-politische Bildung und die Ortsgeschichte – seit 2010 eine kommunale Pflichtaufgabe.

Eberhard Thomas erreichen nicht nur viele neue Akten und Unterlagen, die für immer oder eine vorgegebene Zeit aufzubewahren sind – es kommen auch 120 Anfragen im Jahr von Bürgern, die zum Beispiel bei der Ahnenforschung um Hilfe bitten. Auch Vereine nutzen das Archiv, um etwas über die Vergangenheit zu erfahren, zum Beispiel, wenn ein Jubiläum ansteht und eine Chronik erstellt werden soll. Wenn die Fragen aber spezieller werden, ist es oft ein großer Zeitaufwand. Thomas bietet den Bürgern an, selbst ins Archiv zu kommen, so dass sie im Besucherraum Dokumente oder auch alte Zeitungen durchsehen können. Dort steht eine Bibliothek zur Verfügung, ferner ein Scanner für die Nutzung von Microfilmen und -fiches sowie ein Vergrößerungsgerät für Dokumente.

Und jetzt kommen die Muckis ins Spiel, die ein Archivar, dessen Bestand noch nicht komplett digitalisiert ist, haben muss. „Die alten Bände und Kisten sind richtig schwer“, so Eberhard Thomas, der zudem bei der Arbeit ordentlich Strecke macht. Bei Bewerbern für ein Praktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr achtet er also auch darauf, dass der- oder diejenige körperlich fit ist. „Auch eine Staub-Allergie wäre nicht förderlich“, sagt der Hüter des Archivs.

Alte Unterlagen nicht entsorgen


Die Stadt Hemer appelliert: „Sollten Sie Bücher, Zeitschriften, Fotos, Tagebücher, Briefe oder Postkarten, Kleindrucksachen oder andere heimat- oder familienkundliche Materialien besitzen, mit denen Sie nichts mehr anzufangen wissen, melden Sie sich: 02372/551-288“.

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