Landgericht

Dem Gutachten des Psychiaters kommt besondere Bedeutung zu

Foto: MERKEL, Cornelia

Hemer.   Nur mühsam geht das Strafverfahren gegen einen 43-jährigen Hemerager voran, der Frauen in Hemer und Iserlohn sexuell belästigt haben soll.

Nur mühsam kommt das Strafverfahren gegen einen 43-jährigen Angeklagten aus Hemer voran, der mehrfach Frauen in Hemer und Iserlohn sexuell belästigt haben soll. Eindeutig identifiziert wurde er bei seiner Festnahme auf einer Terrasse in Iserlohn, nachdem er von dort aus eine Frau beobachtet hatte. Der Polizeibeamte, der davon berichtete, erinnerte sich an die Jogginghose des Angeklagten, die durch ihre spezifische Deformierung eine sexuelle Erregung des Angeklagten nahegelegt habe. „Erheblichen Widerstand“ des Angeklagten hielt der Polizeibericht fest.

Der Zeuge war allerdings erst später eingetroffen und hatte eine andere Erinnerung: „Er verhielt sich ruhig.“ Nach dem 30. April hatte er eine Frau vernommen, die nach dem Besuch eines Mannes auf ihrem Balkon den Eindruck hatte, dass dieser an seinem Geschlechtsteil herummanipuliert habe. Eine Feststellung darüber, ob der Mann dabei seine Hose herabgelassen hatte, blieb ihr offenbar erspart. Auch zu der Frage, ob es sich bei diesem Mann um den Angeklagten gehandelt habe, kann sie offenbar nicht viel beitragen. Ein weiterer Polizist ergänzte diesen Eindruck vager Zeugenaussagen. „Eine männliche Silhouette“ habe eine Zeugin am 30. Oktober an der Straße am Lehmacker wahrgenommen. Auch sie habe mehr geahnt als gesehen, dass eine Person in unverschämter Weise an sich herumgespielt habe.

17 Straftaten werden dem Angeklagten vorgeworfen

Dem Angeklagten werden insgesamt 17 Straftaten, darunter zwei schwere sexuelle Übergriffe, vorgeworfen. Unter anderem soll er am 12. November in einer Klinik in Hemer in das Zimmer einer schwer krebskranken Frau eingedrungen sein und diese im Intimbereich angefasst haben. Einen ähnlichen Vorfall soll es am 15. November in einem Seniorenheim in Hemer gegeben haben. Die Anklage listet darüber hinaus zahlreiche exhibitionistische Handlungen des Hemeraners auf, deren Zeugen weitere Frauen gewesen sein sollen.

Aufgrund zahlreicher Vorstrafen, unter anderem wegen exhibitionistischer Handlungen, sexuellen Missbrauchs von Kindern, sexueller Nötigung und sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen droht dem 43-Jährigen die erneute geschlossene Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Seine letzte Entlassung war mit erheblichen Auflagen verbunden: Er stand unter Führungsaufsicht und wurde als rückfallgefährdeter Sexualstraftäter besonders betreut und überwacht – durch die Bewährungshilfe und die Polizei. In diesem Zusammenhang soll ihm unter anderem der Konsum von Alkohol, Drogen und Testosteron vom Gericht verboten worden sein. Gegen diese Auflagen soll der Angeklagte aber verstoßen haben. Da ihm eine erneute geschlossene Unterbringung droht, kommt dem Gutachten eines vom Gericht bestellten forensischen Psychiaters besondere Bedeutung zu.

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