Benefizaktion

Der Nikolaus gönnt sich jetzt den Ruhestand

Nikolaus Emil Rumianek (li.) überreichte Josef Radine und Annette Hilpke von der Caritasche/Die Tafel die letzte Spende. Bürgermeister Michael Heilmann dankte für das 37-jährige Engagement.

Nikolaus Emil Rumianek (li.) überreichte Josef Radine und Annette Hilpke von der Caritasche/Die Tafel die letzte Spende. Bürgermeister Michael Heilmann dankte für das 37-jährige Engagement.

Foto: Ralf Engel / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Hemer.  Nach 37 Jahren ehrenamtlichen Engagements hat Emil Rumianek seine letzte Spende an die Tafel überreicht.

Es ist ein Abschied, der ihm sichtlich schwer fällt: 37 Jahre lang war Emil Rumianek der Nikolaus der Stadt, hat in unzähligen Vereinen und Familien für eine schöne Bescherung gesorgt und dadurch wiederum viele karitative Einrichtungen unterstützen können. Nun ist Schluss! Weihnachten 2020 wird erstmals ohne Nikolaus Emil sein – nicht nur, aber auch wegen Corona.

Eigentlich müsste der Hemeraner in diesen Tagen bereits wieder einen ansehnlichen Vollbart haben, der dann in den verbleibenden sechs Monaten bis zum Advent zu einem echten Rauschebart wachsen würde. Nach seinem letzten Einsatz an Heiligabend in der Sauerlandpark-Alm war der Bart traditionell abrasiert worden, dass er anschließend nicht wieder sprießen durfte, verdeutlicht, dass der Entschluss zur Nikolaus-Pension lange gereift ist. „Die letzte Saison ist mir schon ziemlich schwer gefallen. In der Corona-Krise gehöre ich jetzt auch zur stark gefährdeten Gruppe“, muss der 76-Jährige jetzt Rücksicht auf die eigene Gesundheit nehmen. Ob Haus- und Vereinsbesuche im Dezember wieder möglich sein werden? Emil Rumianek hat da so seine Zweifel.

Dringende Unterstützungfür bedürftige Familien

So war für ihn jetzt der Zeitpunkt gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen. Dazu gehört auch, das Spendenkonto zu räumen. Die letzten 1940 Euro überreichte er am Montag an die Tafel. „Es kann nicht besser als hier untergebracht werden. In dieser Lage müssen wir über Not gar nicht reden“, verweist er auf die dringend notwendige Unterstützung für Familien und empfiehlt sie zur Nachahmung. Die Tafel verzeichnet in ihrer Lebensmittelausgabe im Alten Amtshaus derzeit einen Kundenzuwachs. Durch Kurzarbeit rutschen weitere Familien unter die Einkommensgrenze. „Wir können es doppelt gut gebrauchen“, freute sich Josef Radine vom Vorstand. Nach sieben Wochen Schließung müssen die Vorräte an haltbaren Lebensmitteln wieder aufgefüllt und die laufenden Kosten gedeckt werden.

Bürgermeister Michael Heilmann nutzte die Gelegenheit, um Emil Rumianek im Namen der Stadt herzlich zu danken. Einen Blumenstrauß überreichte er zur Weiterleitung an Ehefrau Elvira, die den Nikolaus in 37 Jahren immer unterstützt habe. „Du warst ein echter, gutmütiger, freundlicher Nikolaus. Das was du geleistet hast, ist in den Herzen der Menschen, das wird nicht in Vergessenheit geraten“, sagte der Bürgermeister. Das ehrenamtliche Engagement ist bereits durch die Verleihung der Ehrennadel der Stadt und des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt worden.

Dass aus dem ersten Auftritt vor 37 Jahren, damals noch im typischroten Nikolausmantel und mit angeklebtem Bart, einmal eine der erfolgreichsten Benefizaktionen werden würde, hat der Ihmerter nicht ansatzweise geahnt. Aus eigener familiärer Erfahrung kannte Emil Rumianek die Probleme behinderter Kinder, wollte sich für die Integration einsetzen. Seither schlüpfte er Jahr für Jahr im Dezember in die Rolle des Wohltäters und Freundes der Kinder und das mit solchem Erfolg, dass es für ihn im Advent bis einschließlich Heiligabend alljährlich zu einem Full-Time-Job mit bis zu einem Dutzend Auftritten am Tag geworden ist.

Bischofsgewand undMitra aus Polen

Mit seinem Bischofsgewand war Nikolaus Emil in Hemer immer der „echte Nikolaus“. In der Behindertenwerkstatt eines polnischen Klosters war das rote Bischofsgewand genäht worden. Auch Mitra und Bischofsstab sind echte Handarbeit. Durch seine Adventsbesuche in Familien, Firmen und Vereinen konnte Nikolaus Emil über eine halbe Million Euro einschließlich der Sachspenden sammeln. Der Saisonrekord lag bei 23.000 Mark. Der Großteil der Spenden kam der Inklusion in der Region zu Gute, unter anderem der Felsenmeerschule. Von den Spenden profitierten aber auch andere gemeinnützige Organisationen wie das Netzwerk Demenz oder die Tafel. Ihnen allen fehlt nun ein wichtiger Spendenbeitrag. Im Stadtbild wird die Nikolausbescherung nach dem Lichterzug oder beim „Warten aufs Christkind“ fehlen. „Kaum eine Stadt kann sagen, wir haben einen Nikolaus“, sagt der Hemeraner.

Fünf Bürgermeister,aber nur ein Nikolaus

Einen Nachfolger für die Benefizaktion gibt es nicht. Das Gewand bleibt nun gut geschützt im Kleidersack, vielleicht wird es ja irgendwann einmal wieder hervorgeholt. Nikolaus Emil hat in seinen 37 Jahren fünf Bürgermeister erlebt, als Nikolaus war er jedoch ein Unikat.

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